Wissenschaftliche Einrichtungen

Zentrum für Mittelalterstudien

Tagung „Der arme Heinrich“ Hartmanns von Aue und seine moderne Rezeption

Organisation: Prof. Dr. Albert Gier/Prof. Dr. Andrea Schindler

Bamberg, 5.-7. Februar 2015


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Tagungsprogramm(641.0 KB)

Plakat zur Tagung (1.3 MB)

Plakat zum Konzert(936.3 KB)

Programm zum Konzert(236.2 KB)

Hartmann von Aue zählt zu den großen epischen Dichtern des deutschen Mittelalters.
Sein „Armer Heinrich“ stellt in vieler Hinsicht einen Sonderfall dar: Als Legendendicht
ung ohne Vorbild in der biblischen oder hagiographischen Tradition steht er am Rand
des mittelalterlichen Gattungssystems. Die moderne Rezeption setzt spät ein und nimmt
andere Wege als die Rezeption mittelalterlicher Großepik im Musiktheater des 19. Jahr-
hunderts (trotz der Nähe von Pfitzners „Armem Heinrich“ zu Wagners „Parsifal“), erfährt
aber seit Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum und
darüber hinaus (England, die Niederlande) eine quantitativ wie qualitativ bedeutende
produktive Rezeption, die wohl mit Parallelen der religiösen Botschaft der Dichtung zur
Mitleidsethik Schopenhauers zu erklären ist; bedeutende (musik-)dramatische Fassungen
des Stoffs stammen noch aus der Gegenwart (Tankred Dorst, danach Oper von Ernst
August Klötzke). Während das Nachleben dermittelhochdeutschen Artusromane im
(Musik-)Theater längst gründlich erforscht ist, wurde die Rezeption des „Armen Heinrich“
noch nie im Zusammenhang untersucht.

Ziel des Kolloquiums ist, diese Lücke in der Zusammenarbeit von Altgermanistik und
Musiktheaterforschung zu schließen; mit der Hans-Pfitzner-Gesellschaft und der
Deutschen Sullivan-Gesellschaft wurden zwei Kooperationspartner gewonnen, die sich
schwerpunktmäßig mit den Komponisten von zwei der wichtigsten musikdramatischen
Bearbeitungen des Stoffes befassen (Pfitzner, Oper „Der arme Heinrich“; Sullivan,
szenische Kantate „The Golden Legend“). Vertreter der Alt- und Neugermanistik sowie
der Theater- und Musikwissenschaften und der Philosophie aus Deutschland und dem
europäischen Ausland werden im transdisziplinären Gespräch den Verflechtungen
zwischen der mittelalterlichen Dichtung und ihrer modernen Rezeption nachgehen.