Wissenschaftliche Einrichtungen

Zentrum für Mittelalterstudien

Volkssprachige Einsprengsel in lateinischen Rechtstexten des Mittelalters

20. Mai - 21. Mai 2011

Organisation: Prof. Dr. Stefanie Stricker

Neben der Textüberlieferung und der Glossenüberlieferung des Althochdeutschen und Altsächsischen bilden die volkssprachigen Einsprengsel in lateinischen Texten einen weiteren Überlieferungsbereich früher kontinentalgermanischer Stammesdialekte, der die verschiedenartigsten Quellenarten umfasst. Dazu gehören Gesetzestexte (sogenannte Leges), Urkunden, Kapitularien, Chroniken, Viten und Briefe. Im Vergleich zur Text- und Glossenüberlieferung ist dieser große Bereich bisher nur in Ansätzen sprachhistorisch ausgewertet worden. So findet er beispielsweise in Grammatiken und Wörterbüchern historischer Sprachstufen kaum Berücksichtigung, und zwar trotz des Wissens, dass es sich um eine alte und quellenkundlich wertvolle Überlieferung des Althochdeutschen und anderer germanischer Stammesdialekte handelt. Grund  für die geringe Beachtung ist die breite und nicht ganz leicht zugängliche Überlieferung. Die  volkssprachigen Wörter stehen oft in latinisierter Form innerhalb der lateinischen Syntax, sind also zunächst schwer identifizierbar.

In Bamberg wird derzeit die Bearbeitung des Bereichs der Leges vorbereitet. Diese bilden einen deutlich abgrenzbaren, ergiebigen Quellenkomplex von gut 350 Textzeugen (in 255 Handschriften), die etwa 1.000 volkssprachige Wörter in 42.000 Belegen enthalten. Zeitlich erstreckt sich die Überlieferung über den Zeitraum vom 8. bis 16. Jahrhundert mit einem deutlichen Schwerpunkt im 8. und 9. Jahrhundert. Diesem Quellenbereich möchte ich mich in einem größeren Projekt widmen.

Das geplante Kolloquium hat das Ziel, etwa 10 Spezialisten auf dem Gebiet des Althochdeutschen und der Rechtsgeschichte in Bamberg zu versammeln, die sich in jüngster Zeit mit einem Bereich dieses großen Überlieferungskomplexes befasst haben. Dabei sollen quellenspezifische Fragen, methodische Probleme dieses äußerst heterogenen Wortschatzes bis hin zu edv-Fragen und möglichen online-Präsentationen von Datenbanken vorgestellt und diskutiert werden.