Drittmittelgeförderte Forschungsprojekte
Übersicht über aktuelle und kürzlich abgeschlossene Drittmittelprojekte des Instituts für Soziologie
Bayerischer Forschungsverbund „Familienleben in Bayern - Empirische Einsichten zu Transformationen, Ressourcen und Aushandlungen (ForFamily)“. Teilprojekt: „Ankommen. Familienbildung und Beratung für geflüchtete Familien“
Leitung: Prof. Dr. Henriette Engelhardt-Wölfler
Förderung: Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Laufzeit: 2024-2027
Globale Fluchtmigration nimmt seit Jahren kontinuierlich zu, auch in Deutschland suchen Millionen von Menschen Zuflucht, hierunter zahlreiche Familien. Das Ankommen und die Integration der geflüchteten Eltern und Kinder zu meistern bzw. zu unterstützen, ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe, die von der Eltern- und Familienbildung und der Beratung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe unterstützt werden kann. Das Projekt „Ankommen. Familienbildung und Beratung für geflüchtete Familien“ ist als qualitative Längsschnittstudie (Qualitative Longitudinal Research – QLR) konzipiert, in deren Zentrum die Durchführung und Analyse von Expert:inneninterviews mit Fachkräften der Familienbildung und Beratung stehen, die mit bereits erhobenen Wellen verknüpft werden; darüber hinaus werden narrative Interviews mit Geflüchteten geführt. So wird das integrative Potenzial dieser Einrichtungen untersucht, Herausforderungen der Arbeit mit geflüchteten Familien identifiziert und Gründe für Stabilität und Wandel analysiert.
Berufsepidemiologische Analysen zu ausgewählten Infektionskrankheiten basierend auf Längsschnittdaten der NAKO Gesundheitsstudie
Leitung: Prof. Dr. Marvin Reuter
Förderung: BAuA - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Laufzeit: 2025 - 2028
Infektionskrankheiten behalten trotz medizinischen Fortschritts und verbesserter Hygiene- sowie Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz eine hohe gesundheitliche und ökonomische Bedeutung. Die COVID-19-Pandemie hat dies eindrücklich gezeigt. Gleichzeitig existiert bislang vergleichsweise wenig Forschung dazu, wie sich Infektionsrisiken in modernen Arbeitswelten verteilen und welche Beschäftigtengruppen besonders betroffen sind. Ziel des Projekts ist es, auf Basis der Längsschnittdaten der NAKO Gesundheitsstudie berufliche Ungleichheiten im Infektionsrisiko in der deutschen Erwerbsbevölkerung zu identifizieren und systematisch zu untersuchen. Im Mittelpunkt stehen bislang wenig beachtete Risikogruppen sowie soziale Unterschiede im Auftreten von Infektionen. Analysiert werden Infekte der oberen und unteren Atemwege, Magen-Darm-Infektionen und ausgewählte seltenere Erkrankungen wie Tuberkulose, HIV und Hepatitis B oder C. Die Ergebnisse sollen einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des beruflichen Infektionsschutzes leisten und Handlungsmöglichkeiten zur Prävention aufzeigen.
Blended Learning im Digitallabor Berufswelten
Leitung: Prof. Dr. Olaf Struck
Förderung: Stiftung Innovation der Hochschullehre
Laufzeit: 2021 - 2025
Im Rahmen des Verbundprojektes „Digitale Kulturen der Lehre entwickeln“ (DiKule) erforscht das Teilprojekt verschiedene Formen des Blended Learning. In der Lehre werden Lehrformate und damit Inhalte und Anteile von Präsenzveranstaltungen und E-Learning systematisch variiert und evaluiert. Ziel ist es u. a. die Bedingungen umfänglicherer Lernzeit bei gleichzeitiger Lernfreude sowie auch die Steigerung fachlicher oder sozialer Kompetenzen zu erforschen.
COVID-19 und gesellschaftliche Polarisierung – Vertiefende Analysen zur Entwicklung des Wohlbefindens und Vertrauens vulnerabler Gruppen
Leitung: Dr. Alexander Patzina, Dr. Matthias Collischon (IAB)
Förderung: Hans-Böckler-Stiftung
Laufzeit: 2022 - 2025
Die Corona-Pandemie legt – wie keine Krise zuvor – soziale und ökonomische Ungleichheiten in der Gesellschaft offen und verstärkt diese teilweise. So betraf die Krise auf dem Arbeitsmarkt etwa überdurchschnittlich häufig benachteiligte Gruppen, wie zum Beispiel Frauen, die häufig in systemrelevanten Berufen arbeiten, oder Personen mit niedriger Bildung. Hinzu kommt, dass für diese vulnerablen Gruppen das Arbeiten von Zuhause aus oft nicht möglich war. Aufgrund dessen ist der genannte Personenkreis nicht nur von krisenbedingten Arbeitsmarkteffekten betroffen, sondern auch einem höheren Infektions- bzw. Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Unser Projekt zielt darauf ab, die mittel- und langfristigen Effekte der Krise für vulnerable Gruppen zu untersuchen. Wir sind hierbei vor allem interessiert an Effekten auf das individuelle Wohlbefinden sowie das soziale Vertrauen, die in der Forschung häufig nicht untersucht werden, jedoch zentrale Größen für das Funktionieren von Gesellschaften darstellen.
Die Datenbasis, die es uns ermöglicht, diese Fragen zu untersuchen, bildet das Panel Arbeitsmarkt- und soziale Sicherung (PASS) des Instituts- für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Die Panelstruktur der Daten ermöglicht es uns, Haushalte und Personen über die Zeit zu verfolgen und so im Laufe des Projektes langfristige Erkenntnisse über die Effekte der Krise zu generieren.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Die Rolle von Höherqualifizierung bei der Formierung sozialer Ungleichheit (HQUAL)
Leitung: Prof. Dr. Steffen Schindler
Förderung: DFG
Laufzeit: 2021 - 2025
Das Projekt untersucht die Frage, wie Höherqualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und Arbeitsmarkterträgen im Karriereverlauf beeinflussen und verändern. Es wird analysiert, inwieweit formale und non-formale Bildungsaktivitäten, die nach einem ersten Bildungsabschluss entweder vor oder nach dem Einstieg in den Arbeitsmarkt aufgenommen werden, diesen Zusammenhang über den Lebenslauf hinweg verstärken oder abschwächen. Dabei nimmt das Projekt sowohl die Veränderungen beruflicher Positionen als auch von Einkommenserträgen in den Blick.
Die Wirkung von Strukturen und Wissensformen der Dualen berufsfachlichen Ausbildung auf die Berufs- und Erwerbsstabilität
Leitung: Prof. Dr. Olaf Struck, Dr. Franziska Ganesch
Förderung: DFG
Laufzeit: 2023 - 2026
Mit dem technischen, digitalen Wandel und dem Wettbewerbs einer global agierenden Wirtschaft gehen veränderte Arbeitsplatzanforderungen und Beschäftigungsbedingungen einher. Anforderungen an Qualifikationen sind für sehr viele Erwerbspersonen gestiegen und sie werden sich auch zukünftig wandeln und erhöhen. Berufsfachlich ausgebildete Menschen sind auf veränderliche berufliche Anforderungen und Flexibilität im Lebensverlauf unterschiedlich gut vorbereitet. Hierbei unterscheiden sich schon die Zugänge zu beruflichen Ausbildungen. Und ebenso sind die Passagen von beruflicher Ausbildung in den Beruf durch Ungleichheit gekennzeichnet.
Sehr wenig untersucht ist hierbei die mögliche Bedeutung der Strukturen und Wissensformen der Curricula der Dualer Ausbildung. Dabei unterscheiden sich die Ordnungen hinsichtlich ihrer fachlichen Breite sowie ihrer unterschiedlich starken Ausrichtung entweder auf wenige handwerkliche Fertigkeiten oder auf umfängliches Fach- und Prozesswissen sowie hierfür festgelegter Lernzeiten erheblich voneinander.
Ziel des Vorhabens ist die Untersuchung der Frage: Wie groß ist der Erklärungsgehalt von Lernzeiten (Zeitrichtwerte) in berufsfachlichen Ausbildungscurricula, darunter für eher abstrakte und prozessorientierte Lerninhalte, für berufsspezifische Fach- und Materialkenntnisse, tätigkeitsspezifische manuelle Fertigkeiten sowie Lerngelegenheiten für das Einüben von Sprach- und IT-Kenntnissen auf die Berufs- und Erwerbsstabilität junger Erwachsener?
In den Analysen werden Selektionsprozesse des Zugangs zu Ausbildungsberufen bzw. -profilen, Kompetenzmerkmale der Erwerbspersonen, betriebliche und wirtschaftsregionale Einflussfaktoren teils als Mediatoren, teils als Moderatoren einbezogen oder kontrolliert. Datengrundlage sind die Verlaufsdaten von Auszubildenden (SC4) des Nationalen Bildungspanels. Ihre Befragungsinhalte erlauben es in einzigartiger Weise die These zu prüfen, dass bei intensiver Kontrolle weiterer Einflüsse u. a. auch die Strukturen und Wissensformen der Curricula ein positiver oder negativer Einfluss auf Erwerbsverläufe beizumessen ist. Hierfür werden den Paneldaten Zeitrichtwerte, der Kategorien „Prozesswissen“, „berufsspezifische Fach- und Materialkenntnisse“ und „tätigkeitsspezifische manuelle Fertigkeiten“, die inhaltsanalytisch aus den ca. 320 beruflichen Ausbildungsordnungen gewonnen werden, sowie das Vorhandensein von Sprach- und IT-Kenntnissen zugespielt.
Digitaler Studienassistent
Leitung: Prof. Dr. Olaf Struck, Prof. Dr. Andreas Henrich (Gesamtleitung)
Förderung: Stiftung Innovation der Hochschullehre
Laufzeit: 2021 - 2025
Im Rahmen des Verbundprojektes „Digitale Kulturen der Lehre entwickeln“ (DiKule) erforscht das Teilprojekt die Möglichkeiten Digitale Studienassistenten einzusetzen. Auf Basis von Daten, die den Universitäten über Studierende und ihren jeweiligen Studienverläufen vorliegen wird kritisch untersucht, ob und in wieweit diese Daten zur Analyse erfolgreicher oder nicht erfolgreicher Studienverläufe darüber Auskunft geben können, ob und in wie weit diese Datenquellen für eine digital unterstützte „Navigation“ durch die angebotenen Module im Studienverlauf im Rahmen einer Studienberatung geeignet sein könnten oder ob solche Daten auch Hinweise für Neuanpassungen von Curricula zur Verbesserung von Studienverläufen geben können.
Do migrants in Europe age well? A mixed methods and intervention study in four countries (MIG-AGE)
Leitung: Prof. Dr. Katja Möhring, Prof. Francesca Langomarsino, Prof. Dr. Basak Bilecen, Prof. Dr. Ahmet Icduygu
Förderung: Volkswagenstiftung
Laufzeit: 2023-2027
Aging and international migration pose enormous challenges to Europe. Healthy and active aging, in other words aging well, depends on individual, network, sociocultural, economic, and contextual factors. Results on the determinants of aging well for non-migrants cannot be easily transferred to individuals with migration experience. Therefore, this project addresses the question of what it means for different groups of migrants in Europe to be old and age well, specifically for first-generation retired labor migrants from Italy and Turkey living in Germany and the Netherlands and for retirement migrants from Germany and the Netherlands living in Italy and Turkey. By considering these diverse groups of migrants we are able to examine variations in the relationship of aging well and social networks due to origin, destination, and temporal differences in the personal migration history. We adopt the life course perspective and analyze change over time through the biographies and social relationships of older migrants.
Our mixed methods research design is highly innovative in that it not only integrates quantitative and qualitative methods with a sequential approach, but also develops an intervention to enhance aging well among migrants and uses visual sociology methods to document the project. We have four main objectives. First, we investigate the relationship between individual well-being and personal networks among older migrants across Europe from a quantitative perspective using multilevel and longitudinal analyses of existing surveys (SHARE, SOEP, LISS, GPRIS). Here, we focus on the social and structural determinants and consequences of aging for different migrants in Europe and cross–national, inter- and intracultural variation in the social network–well-being nexus. Second, we study the subjective meanings of aging and aging well from the perspective of older mobile Europeans using qualitative research methods. We will conduct walking interviews with eight different migrant groups in order toidentify migrants’ needs, resources, and strategies to cope with disadvantages, and how this is related to social inequalities. With a sequential combination of quantitative and qualitative methods, we are able to discover not only how migrants’ social networks and well-being are interrelated, but also the subjective meanings of these processes. Third, to foster healthy and active aging, we will design a culturally sensitive intervention, which we will pilot with a group of Turkish labor migrants of advanced age in Germany, specifically the Mannheim-Ludwigshafen region. A health intervention targeting this population will be the first of its kind. Fourth, we will produce short video documentaries that depict the aging experiences of all eight migrant groups in the four country contexts to raise awareness of aging among the academic and non-academic public.
The main expected outcome is an in-depth understanding and a comparative perspective of the macro-level socio structural determinants of aging well of migrants, the micro-level meanings, and the associated inequalities in Europe. Our project will make an important contribution to the scientific understanding of aging well with respect to health, personal networks, and physical environments of different groups of older migrants and will generate knowledge and practical tools for decision-makers and experts at different policy levels in Europe who are concerned with the provision of welfare and (health) care for older migrants in their countries and communities.
FACES | Feasibility, acceptance, and data quality of new multimodal surveys
Leitung: Prof. Dr. Christian Aßmann (LIfBi und Universität Bamberg), Prof. Dr. Corinna Kleinert (LIfBi und Universität Bamberg), Prof. Dr. Alexander Mehler (Goethe-Universität Frankfurt)
Förderung: DFG (SPP 2431)
Laufzeit: 2024 - 2027
Interviewbasierte Erhebungen stehen vor Herausforderungen wie steigenden Kosten und geringer werdenden Rücklaufquoten. Aktuelle Innovationen in den Bereichen VR und KI bieten neue Ansätze, um diese Probleme zu adressieren. Avatar-basierte Interviews eröffnen zusätzliche Freiheitsgrade durch die Wahl von Avataren und die Variabilität von Interaktionssituationen. Jedoch fehlen bislang systematische Untersuchungen zu den Effekten und der Akzeptanz solcher Systeme sowie zu ihrem Potenzial, Interviewereffekte zu reduzieren. Das Projekt FACES zielt darauf ab, einen multimodalen Datenraum für die Umfrageforschung zu schaffen, der durch den Einsatz von Virtueller Realität (VR) und Künstlicher Intelligenz (KI) Face-to-Face-Interviews ersetzen kann. Dazu wird ein Multi-Interface-System für Online-Befragungen entwickelt, das eine hohe Variabilität in Bezug auf Avatare, situative Parameter, Schnittstellen und KI-Technologien zur automatischen Verarbeitung von Sprach- und Verhaltensdaten bietet. In einem ersten Schritt wird dazu ein Open-Source-System für avatar-basierte und videobasierte Interviews entwickelt. Anschließend wird untersucht, welche Auswirkungen Avatar- und Situationsmerkmale in Experimenten haben, um eine Vorauswahl vielversprechender Merkmalskombinationen zu treffen. Auch Szenarien mit unterschiedlichem Grad an Immersion (von vollständig immersiven VR-Interviews bis hin zu videobasierten Interviews) werden verglichen. Basierend auf den Ergebnissen werden vielversprechende Merkmalskombinationen in realen Interviews mit NEPS SC3- und SC5-Teilnehmer:innen getestet. Drei zentrale Fragen werden dabei untersucht: Welche Vorteile haben avatar-basierte Interviews im Vergleich zu videobasierten Interviews in Bezug auf Akzeptanz, Machbarkeit und Datenqualität? Welche Kombinationen von Merkmalen reduzieren Interviewereffekte und wie interagieren diese? Wie können die Ergebnisse in eine Theorie für das Training von virtuellen Interviewern integriert werden?
Inanspruchnahme und Akzeptanz von Naturheilverfahren in Deutschland
Leitung: Prof. Dr. Rasmus Hoffmann (Leitung des Bamberger Teilprojektes), PD Dr. med. Christian Keßler (Gesamtleitung Charité Universitätsmedizin Berlin)
Förderung: Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Laufzeit: 2022 - 2025
Im Projekt zur Inanspruchnahme und Akzeptanz von Naturheilverfahren in Deutschland, in Zusammenarbeit mit der Charité in Berlin und gefördert von der Karl und Veronica Carstens Stiftung, untersuchen wir die praktische Anwendung und Akzeptanz naturheilkundlicher und alternativmedizinischer Methoden in der Bevölkerung und identifizieren subpopulationsspezifische Anwendungsgründe. Ein weiterer Fokus liegt auf den angrenzenden Themenfeldern der Impfung und Ernährung. Dabei liegt ein besonderes Interesse auf der Identifikation des Zusammenhangs von naturheilkundlichen und alternativmedizinischen Einstellungen und der Corona Impfentscheidung sowie der Untersuchung von möglichen Einstellungsänderungen gegenüber nicht-konventionellen Verfahren im Zuge der Pandemie. Zur Ernährung untersuchen wir wahrgenommene Hindernisse und Anreizmöglichkeiten einzelner Subpopulationen bei der Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung und betrachten vertiefend die Einflussmöglichkeiten ärztlicher Empfehlungen auf die Bereitschaft von Patienten, ihre Ernährung umzustellen.
Integration von Migrant/innen und Einstellungen zum Sozialstaat (IMES)
Leitung: Prof. Dr. Katja Möhring, Dr. Elias Naumann, Dr. Katrin Sommerfeld
Förderung: Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialforschung (FIS) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS)
Laufzeit: 2019 - 2025
Vor dem Hintergrund der starken Zuwanderung nach Deutschland in den letzten Jahren wird die Rolle des Sozialstaats und seiner Legitimität kontrovers diskutiert. Zum einen unterstützt Sozialpolitik die Integration von Migrant/innen im Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft und trägt damit zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme bei. Zum anderen kann Migration die Legitimität des Sozialstaats untergraben, wenn die einheimische Bevölkerung einer Umverteilung hin zu Migrant/innen ablehnend gegenübersteht und eine stärkere finanzielle Belastung durch die Kosten der Zuwanderung befürchtet.
Die Nachwuchsgruppe möchte daher folgende Fragen analysieren: (1) wie beeinflusst die bestehende Sozialpolitik und neue Zuwanderungsbewegungen die Integration früherer Migrantengruppen; (2) wie verändert wahrgenommene Integration von Migrant/innen Einstellungen zum Sozialstaat; (3) wie interagieren wahrgenommene und tatsächliche Integration in verschiedenen sozialpolitischen Handlungsfeldern.
Kontextuelle Einkommensungleichheit und Lebenszufriedenheit: Mechanismen und Moderatoren (COILS)
Leitung: Dr. Peter Valet
Förderung: DFG
Laufzeit: 2024–2026
In öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussionen dominiert die Ansicht, dass die gegenwärtigen Einkommensungleichheit zu groß sei und deren Abbau das allgemeine Wohlbefinden steigern würde. Jedoch zeigen die zahlreichen Studien zum Einfluss von Einkommensungleichheit auf die Lebenszufriedenheit kein einheitliches Bild. So finden sich in der Literatur sowohl positive, negative und überhaupt keine Effekte von Einkommensungleichheit auf das individuelle Wohlbefinden. Neben den Befunden ist auch die theoretische Fundierung, der methodische Analyseansatz und die Interpretation der erzielten Forschungsergebnisse häufig heterogen. Untersucht werden meist aggregierte Einkommensungleichheiten im Ländervergleich. Unklar bleibt dabei jedoch häufig, ob Menschen überhaupt Kenntnis über die Einkommensungleichheit haben und wie die Mechanismen lauten, die Effekte von der Makro-Ebene auf die Mikro-Ebene erklären. Dazu möchte das COILS Projekt einen Beitrag leisten:
(1) Anknüpfend an soziologische Ansätze zu relationalen Ungleichheiten und sozialen Kontexten wird in diesem Projekt von der in der Literatur gängigen Praxis abgekehrt, Einkommensungleichheiten vor allem auf der Makro-Ebene zu betrachten. Neben der einen Einkommensungleichheit auf der Ebene des Staates erfahren Menschen etwa auch Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Wirtschaftszweigen, den Berufsgruppen und den Betrieben. Zur Analyse kontextueller Effekte werden Daten zu Einkommensungleichheiten für unterschiedliche Kontexte benötigt. Diese werden auf Basis von Registerdaten generiert und mit Datensätzen der sozialwissenschaftlichen Umfrageforschung verknüpft.
(2) Das COILS Projekt widmet sich verstärkt dem Problem der Kausalität mit einem Fokus auf Verfahren zur Identifikation kausaler Effekte. Dem Ansatz der modernen Kausalanalyse folgend besteht das Ziel der Datenanalyse in diesem Projekt explizit nicht darin, möglichst alle Einflussfaktoren des individuellen Wohlbefindens zu berücksichtigen, sondern einzelne (kausale) Effekte kontextueller Einkommensungleichheiten auf das individuelle Wohlbefinden so genau wie möglich zu bestimmen.
Lebenslauf, Vermögen und Alterseinkommen in Ost- und Westdeutschland: Ein Kohorten- und Geschlechtervergleich (AGE-WEALTH)
Leitung: Prof. Dr. Katja Möhring
Förderung: Forschungsnetzwerk Alterssicherung der Deutschen Rentenversicherung
Laufzeit: 2023 - 2026
Das Projekt untersucht Erwerbs- und Vorsorgeverläufe und deren Verbindung mit der finanziellen Ausstattung in der Nacherwerbsphase in Ost- und Westdeutschland unter Einbeziehung der Vermögensentwicklung. Ziel des Projektes ist es, Erkenntnisse über geschlechterspezifische Erwerbs- und Entgeltpunktverläufe im Kohortenvergleich (Geburts-jahrgänge <1947, 1947-1956, 1957-1966 und 1967-1976) in Ost- und Westdeutschland und ihren Zusammenhang zur individuellen finanziellen Absicherung im Alter zu gewinnen. Durch die Analyse von Alterseinkommen und Vermögenswerten können wir Schlussfolgerungen über den Zusammenhang von individuellem Vermögensaufbau und der Akkumulation von Rentenanwartschaften über den Lebenslauf hinweg ziehen. Datengrundlage für die empirischen Analysen ist der SOEP-RV Datensatz, eine Zusammenführung aus den administrativen Daten der Deutschen Rentenversicherung (Scientific Use Files der Versicherungskontenstichprobe und des Versichertenrentenbestands) und dem Soziooekonomischen Panel (SOEP). Auf dieser Datenbasis ist es möglich, die Entwicklung von Erwerbstätigkeit und Rentenanwartschaften über den Lebenslauf hinweg zu beobachten sowie ein umfassendes Bild nicht nur über Zahlbeträge und Anwartschaften der Gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch über alle weiteren Einkommens- und Vermögenskomponenten zu gewinnen. Unsere Vorgehensweise gliedert sich in vier Module: Modul I beinhaltet die komplexe Aufbereitung der Einkommens- und Vermögensangaben des SOEP, der Erwerbs- und Entgeltpunktverläufe aus SOEP und Versichertenkontenstichprobe sowie deren Zusammenführung. Modul II analysiert mittels Multichannel-Sequenzmusteranalyse geschlechts- und familienstandspezifische Erwerbs- und Entgeltpunktverlaufsmuster in Ost- und Westdeutschland im Kohortenvergleich und setzt diese ins Verhältnis zur finanziellen Ausstattung im Alter. Modul III erstellt durch die Kombination von Multichannel-Sequenzmuster- und Clusteranalyse eine Typologie von Erwerbs- und Entgeltpunktverläufen, um verschiedene Strate-gien und Pfade der individuellen Alterssicherung und deren Wandel im Kohortenvergleich zu beleuchten. Modul IV setzt die in Modul III erstellte Typologie von Erwerbs- und Entgeltpunktverläufen ins Verhältnis zur finanziellen Ausstattung im Alter unter Einbeziehung von Vermögen. Im Rahmen multivariater Regressionsanalysen untersuchen wir dezidiert den Zusammenhang zwischen Verlaufstypen und ihrer Einkommens- und Vermögenshöhe. Im Ergebnis kann so ein realistisches Bild der finanziellen Ausstattung im Alter in Deutschland gewonnen werden, das deren Akkumulation aus einer Lebenslaufperspektive abbildet und dabei im Kohortenvergleich verschiedene Verlaufsmuster ebenso wie vulnerable Gruppen berücksichtigt
Lehr-Lernlabor Berufswelten: Erforschung des berufspraktischen Lernens mit digitalen Medien und Technik
Leitung: Prof. Dr. Olaf Struck
Förderung: Oberfrankenstiftung
Laufzeit: 2021 - 2025
Für die Umsetzung und Erforschung digital unterstützter Lehrformen wird in 2021 ein neues digitales Lern-Lehrlabor in der Feldkirchenstraße eingerichtet. Ziel ist es dann in diesem BerufsweltenLab Studierende, darunter besonders auch angehende Lehrkräfte für die souveräne Nutzung digitaler Technik zu professionalisieren. Hierfür werden Lehr-Lern-Settings für Lehrveranstaltungen in der Soziologie und hier insbesondere in den Schwerpunkten der Arbeitswissenschaft sowie die Lehrerbildung in den berufsausbildungsnahen Studiengängen Berufliche Bildung, Didaktik der Arbeitslehre sowie Wirtschaft und Beruf für das Mittelschullehramt und die Wirtschaftspädagogik entwickelt, angewendet und in ihrer Umsetzung erforscht.
Longitudinal Educational Achievements: Reducing iNequalities (LEARN)
Leitung: Prof. Dr. Corinna Kleinert (LifBi, Leitung des deutschen Teilprojektes), Prof. Gary Pollock (PI, University of Helsinki and Manchester Metropolitan University), Prof. Jani Erola (University of Turku), Prof. Moris Triventi (Università degli Studi di Milano), Prof. Herman Van de Werfhorst (European University Institute), Prof. Oana Negru-Subtirica (Babeș-Bolyai University), Prof. Marge Unt (Tallinn University), Prof. Carla Haelermans (Maastricht University), Prof. Katariina Salmela-Aro (University of Helsinki), Prof. Stephen Morris (Manchester Metropolitan University), Prof. Jake Anders, Prof. Jennifer Symonds and Prof. Lindsey Macmillan (University College London), Prof. Laura Bernardi (University of Lausanne), Prof. Moritz Daum and Prof. Dr. Marlis Buchmann (University of Zurich)
Förderung: European Commission, Horizon Europe
Laufzeit: 2024-2027
LEARN zielt darauf ab Bildungsungleichheiten in Europa besser zu verstehen, indem es vorhandene Erkenntnisse zusammenträgt, auf der Grundlage hochwertiger Längsschnittdaten neues Wissen über Bildungsungleichheiten generiert und praktische, evidenzbasierte Leitlinien formuliert, die es politischen Entscheidungsträgern in Europa ermöglichen, diese Probleme anzugehen. LEARN untersucht dazu die Entstehung und Entwicklung von Ungleichheiten im Laufe von Bildungskarrieren in neun ausgewählten Fallstudienländern, die unterschiedliche Wohlfahrtsregimes und Bildungssysteme in Europa abbilden: Estland, Finnland, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande, Rumänien, die Schweiz und Großbritannien. LEARN hat drei übergreifende Ziele: (1) die Beschaffung, Sichtung und vergleichende Dokumentation vorhandener Daten, um Analysen auf Basis von qualitativ hochwertigen bildungsbezogenen Längsschnittdatensätzen aus Europa zu erstellen, (2) die Entwicklung von Werkzeugen für politische Entscheidungsträger, die sich auf die Ergebnisse von Längsschnittanalysen beziehen und sie bei der politischen Entscheidungsfindung unterstützen, und (3) die Identifikation von Interventionen, die Bildungsungleichheiten ausgleichen. LEARN stützt sich auf eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren, um diese Ziele zu erreichen: systematische Reviews, länderspezifische Fallstudien, harmonisierte länderspezifische und vergleichende empirische Analysen sowie eine Evaluierung der kausalen Effekte politischer Reformen und Interventionen. Dazu nutzt LEARN hochwertige Längsschnitt-Mikrodaten aus den beteiligten Ländern (Surveys und registerbasierte Daten), erstellt Quasi-Längsschnittdaten aus internationalen Vergleichsstudien wie PISA und PIRLS und verwendet Daten aus experimentellen Interventionen.

Nationales Bildungspanel (NEPS)
Förderung: Bund-Länder-Förderung
Laufzeit: dauerhaft
Das Nationale Bildungspanel (NEPS) ist am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LifBi) angesiedelt. Im NEPS werden längsschnittliche Daten zu Bildungsprozessen und Kompetenzentwicklung in Deutschland erhoben. An der ursprünglichen Antragstellung waren mehrere Bamberger Soziologinnen und Soziologen beteiligt, allen voran Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Peter Blossfeld, der das NEPS über viele Jahre geleitet und entscheidend geprägt hat. Auch heute sind mehrere Soziologieprofessorinnen und -professoren als wissenschaftliche Leitungen in unterschiedlichen Bereichen im NEPS aktiv.
Prof. Dr. Prof. h.c. Michael Gebel (Bildungsrenditen im Lebenslauf)
Prof. Dr. Cornelia Kristen (Bildungserwerb von Personen mit Migrationshintergrund im Lebenslauf)
Prof. Dr. Steffen Schindler (Bildungsentscheidungen und -prozesse, Migration, Bildungsrenditen)
New Data Spaces for the Social Sciences
Leitung: Prof. Dr. Cordula Artelt (LIfBi und Universität Bamberg), Prof. Dr. Corinna Kleinert (LIfBi und Universität Bamberg), Prof. Dr. Reinhard Pollak (Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, GESIS), Prof. Dr. Stefan Liebig (Freie Universität Berlin), Prof. Dr. Alexander Mehler (Goethe-Universität Frankfurt)
Förderung: DFG
Laufzeit: 2024 - 2030
In Deutschland existiert eine Reihe gut etablierter Längsschnittprogramme. Eine systematische und zukunftsorientierte sozialwissenschaftliche Forschung muss indes ständig mit neuen Entwicklungen Schritt halten und daher zusätzlich auf neue Datentypen, z.B. aus administrativen Prozessen, digitaler Kommunikation und Mobilität sowie auf neue Formen der Datenerhebung und qualitätssichernder Maßnahmen hinsichtlich methodenimmanenter Verzerrungen zurückgreifen. Um diese neuen Datenräume zu erschließen und damit das Verständnis großer gesellschaftlicher Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte erweitern zu können, hat das Programmkomitee das auf Dauer angelegte Infrastruktur-Schwerpunktprogramm „Neue Datenräume für die Sozialwissenschaften“ (SPP 2431) konzipiert und gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingerichtet. Es basiert auf zwei Grundsätzen:
- Die Sozialwissenschaften können nur dann empirische Evidenz zur Beantwortung aktueller und drängender Forschungsfragen liefern, wenn sie das analytische Potenzial vorhandener Längsschnittdaten durch innovative Methoden und die zusätzliche Nutzung neuartiger Datenquellen erweitern.
- Die Entwicklung neuer Datenräume erfordert Synergien zwischen verschiedenen Forschungsfeldern, Methoden und Ansätzen.
Das SPP 2431 fokussiert und initiiert Forschung mit, für und im Kontext bestehender Forschungsdateninfrastrukturen und schöpft das gemeinsame Potenzial unterschiedlicher Datenquellen aus. Durch die Bündelung und Orchestrierung von Fähigkeiten, Wissen und Expertise in verschiedenen Bereichen der empirischen Sozialwissenschaften und der Informatik bietet das SPP 2431 die Möglichkeit, neue Methoden und Verfahren der Datengenerierung zu erproben, um Best-Practice-Beispiele für die Datenbereitstellung, -erhebung und -integration zu entwickeln, die Datenqualität zu verbessern und Innovationen in Datenerhebungsprogrammen zu verankern.
Das SPP 2431 baut auf Stärken bestehender Panelstudien auf, eröffnet neue Wege für die Sozialwissenschaften und entwickelt neue Methoden und Verfahren. Es ergänzt diese durch die intelligente Integration von Daten, die durch neue Technologien gewonnen werden. Dadurch kann das Programm die empirisch arbeitenden Sozialwissenschaften und die Survey- und Datenlandschaft nachhaltig formen.
Die SPP-Projekte haben das Ziel, technische und methodische Lösungen für die Zukunftsfähigkeit von Panelerhebungen zu erforschen und erarbeiten, sie mit Daten aus anderen Quellen anzureichern und so den Weg für sozialwissenschaftliche Forschung zu zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen weiter zu ebnen. Durch die Kombination verschiedener disziplinärer Perspektiven, Schwerpunkte und Ansätze baut das SPP den Anwendungsbereich und die Aussagekraft sozialwissenschaftlicher Panelstudien in Deutschland deutlich aus. Eine Besonderheit des SPP ist sein problemzentrierter Ansatz, der Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Fachrichtungen zusammenbringt, um gemeinsam an spezifischen Forschungsfragen zu arbeiten. Durch den Einsatz von Prototypen bestehender Technologien und ihre Weiterentwicklung im Hinblick auf die Ziele, Beschränkungen und Erfordernisse des Datenschutzes groß angelegter Panelstudien werden Synergien geschaffen. Durch die Erforschung neuartiger Methoden und Ansätze eröffnet das Programm neue Wege in der Forschung und schlägt Brücken zwischen bisher isolierten Forschungsbereichen (z.B. Informatik und Surveymethoden). Die Erforschung dieser Methoden und Technologien kann den Ressourcenaufwand für die Durchführung von Surveys verringern und Datenräume systematisch durch neue Datentypen und -qualitäten bereichern. Insgesamt werden im SPP neue Datentypen entwickelt und eingeführt und für die Forschung zugänglich gemacht. Zudem erforscht das Programm Methoden zur Erhebung und Verarbeitung von Surveydaten und zur Integration verschiedener Datentypen.
Die Gesamtkoordination des SPP 2431, das Management sowie ein Teil des zentralen Infrastrukturservice- und Forschungscenters ENTAILab sind am LIfBi angesiedelt.
Probabilistische Bevölkerungsprognose für Oberfranken (ProBe-Pro-Oberfranken)
Leitung: Prof. Dr. Henriette Engelhardt-Wölfler, Prof. Dr. Anne Leucht
Förderung: Oberfrankenstiftung
Laufzeit: 2023 - 2026
Ziel des Projekts ist die Entwicklung probabilistischer Modelle für Mortalitäts-, Fertilitäts- und Migrationsraten für die oberfränkischen Landkreise, um darauf aufbauend die regionale Bevölkerungsentwicklung zu prognostizieren. Bisher kommen probabilistische Bevölkerungsprognosen fast ausschließlich auf nationaler Ebene zum Einsatz. Auf Landkreis- oder sogar Stadtteilebene ist die Anwendbarkeit der Standardmethoden und die Interpretierbarkeit ihrer Ergebnisse aufgrund kurzer Datenreihen, häufig fehlender Daten und größerer Datenungenauigkeit praktisch kaum gegeben, weshalb entsprechend spezialisierte Verfahren konstruiert werden müssen. Um die Spezifika der einzelnen Regionen geeignet abbilden zu können, bedarf es der Einbeziehung von Abhängigkeiten der Kreise untereinander. Zu diesem Zweck wird zusätzlich untersucht, inwieweit durch die explizite Aufnahme regionaler Kenngrößen eine Verbesserung der Prognosen erzielt werden kann. Zur Analyse der hochdimensionalen Daten sollen moderne Methoden des statistischen Lernens eingesetzt werden, die hinreichend allgemein sind, dass sie in adaptierter Form auf andere Regionen Deutschlands bzw. international für kleinräumige Bevölkerungsanalysen anwendbar sind.
The German Labor Market und Social Trust
Leitung: Dr. Alexander Patzina
Förderung: Daimler & Benz Stiftung
Laufzeit: 2024 - 2026
Das Vertrauen in fremde Menschen ist zentral für den Zusammenhalt von Gesellschaften. Da Vertrauen in Interaktionen zwischen Menschen entsteht, erscheinen Arbeitsmärkte als Arenen sozialer Begegnungen bedeutsam. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt, ob ein Arbeitsplatzverlust zu einem Rückgang des Vertrauens in Fremde führt und ob die substanzielle Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro die Vertrauensbildung beeinflusst. Das Projekt nutzt Längsschnittdaten sowie quasi-experimentelle Methoden, um kausale Beziehungen zu bestimmen. Insgesamt zielt das Projekt darauf ab, unser Verständnis von den nicht-monetären Konsequenzen von Arbeitslosigkeit sowie Arbeitsmarktpolitik zu verbessern und die Bedeutung von Arbeitsmarktprozessen für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland zu beleuchten.
Wechselwirkungen zwischen Gesundheit und Verrentung: Soziale Ungleichheit vor dem Hintergrund einer Anhebung des Rentenalters
Leitung: Prof. Dr. Rasmus Hoffmann, Prof. Dr. Martina Brandt (Technische Universität Dortmund)
Förderung: Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Laufzeit: 2025 - 2027
Gesundheit ist eine wichtige Determinante des Renteneintritts. Personen mit schlechter Gesundheit und geringerer Bildung gehen häufiger unfreiwillig in Rente und dies hat negative Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden nach der Verrentung. Gleichzeitig müssen Menschen mit wenig Einkommen häufiger trotz schlechter Gesundheit weiterarbeiten. Die bisherigen Forschungsergebnisse zu Wechselwirkungen zwischen Gesundheit und Rente sind nicht eindeutig, vermutlich deshalb, weil der sozioökonomische Status diesen Zusammenhang moderiert und dies bisher selten berücksichtigt wurde.
In Deutschland und vielen europäischen Ländern steigt die Altersgrenze für die Regelaltersrente.
Dies gilt politisch aus mehreren Gründen als geboten:
1. Zunahme der Lebenserwartung,
2. Verbesserung von Gesundheit und Arbeitsfähigkeit,
3. schwierige finanzielle Lage der gesetzlichen Rentenversicherung und
4. Arbeitskräftemangel.
Gleichzeitig ist die generelle Anhebung des Renteneintrittsalters ein gesellschaftliches Thema mit erheblichem Konfliktpotential, zwischen politischen Lagern, zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen und zwischen Generationen. Die sozial gerechte Ausgestaltung einer Anhebung des Rentenalters ist dabei ein entscheidender Faktor, um politischen Handlungsspielraum zu gewinnen und die beteiligten Interessengruppen zu überzeugen. Ob die aktuellen Rentenregelungen zu weniger sozialer Ungleichheit und mehr Gerechtigkeit beitragen, wie es sozialstaatlich geboten wäre, oder der Rentenübergang soziale Ungleichheit erhöht, ist in Gesellschaft und Wissenschaft umstritten (Haan et al. 2019; Shi & Kolk 2023). Unser Projekt adressiert den Forschungsbedarf in diesem entscheidenden sozialpolitischen Handlungsfeld, um evidenzbasierte Entscheidungen zu erleichtern.
Die Wechselwirkungen von Gesundheit, Rente und sozioökonomischem Status stehen im Zentrum unseres Verbundprojekts. Es teilt sich auf in zwei Arbeitspakete, die an der Universität Bamberg und an der TU Dortmund bearbeitet werden. Auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) untersucht das erste Arbeitspaket (1) Determinanten, die zusammen mit einem schlechten Gesundheitszustand den Zeitpunkt der Verrentung beeinflussen, und (2) wie sich Gesundheit und Wohlbefinden in unterschiedlichen sozioökonomischen Gruppen nach Renteneintritt verändern. Das zweite Arbeitspaket untersucht anhand des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE), ob durch die Erhöhung der Altersgrenze für die Regelaltersrente in europäischen Ländern die Gesundheit und das Wohlbefinden sinken. Es werden fortgeschrittene Verfahren der Kausalanalyse (u. a. Interrupted Time-Series, Difference-In-Differences-Modelle mit Propensity Score Matching und Fixed-Effects Modelle) verwendet.
