Studienaufbau Bachelor Soziologie (ab Sommer 2012)

Struktur

Das Bachelorstudium der Soziologie führt nach einer Regelstudienzeit von sechs Semestern zum Abschluss Bachelor of Arts (B.A.) und umfasst 180 ECTS-Leistungspunkte. Der Studienaufbau des Bachelorstudiengangs Soziologie ist insgesamt auf das Erreichen der Ziele laut Studienprofil ausgerichtet.

Der Studiengang gliedert sich in sechs Studienbereiche, in denen jeweils unterschiedliche Anteile von Studienleistungen zu erbringen sind:

Grundkenntnisse in soziologischer Theorie und
Sozialstrukturanalyse sowie Grundlagen sozio-
logischen Arbeitens

Gesamtumfang 25 ECTS

Grundkenntnisse in den Methoden der empirischen
Sozialforschung und Wissenschaftstheorie, sozio-
logisches Forschungspraktikum und Grundlagen der
Statistik

Gesamtumfang 50 ECTS

Wahl aus einem der sechs angebotenen Studien-
schwerpunkte, Vertiefung spezifischer soziologischer
Kenntnisse und interdisziplinärer Blick auf einen tätig-
keitsfeldbezogenen Bereich

Gesamtumfang 50 ECTS

Frei wählbare Module aus soziologischen und nicht-soziologischen Modulen zur Vertiefung oder Erweiterung spezifischer Neigungen und zusätzlichen individuellen Profilierung

Gesamtumfang 30 ECTS

Zweimonatiges Pflichtpraktikum bei Behörden, Unternehmen, Verbänden, Parteien, Medien oder Forschungseinrichtungen zur Anwendung erlernter Inhalte

Gesamtumfang 10 ECTS

Bachelorarbeit inklusive Disputation oder Kolloquium
als Nachweis der Fähigkeit ein Thema eigenständig
und mittels wissenschaftlicher Methoden zu bearbeiten

Gesamtumfang 15 ECTS

Verbindung Studienaufbau - Qualifikationsziele

Über den Studienbereich Soziologische Grundlagen erfolgt eine umfassende Grundlegung der Disziplin hinsichtlich des theoretischen und empirischen Wissensbestands. Zusätzlich werden in Verbindung mit dem Studienbereich Methoden der empirischen Sozialforschung und Statistik Grundlagen in den wissenschaftlichen, insbesondere in den quantitativen Methoden erworben.

Das notwendige Handwerkszeug wird nicht nur theoretisch erlernt, sondern auch praktisch eingeübt. Im Studienbereich Soziologische Grundlagen werden die Grundzüge soziologischen Arbeitens vermittelt. Die grundlegenden methodischen und statistischen Kenntnisse werden im Studienbereich Methoden der empirischen Sozialforschung und Statistik erarbeitet. Vereint und angewendet werden diese Kenntnisse im Rahmen anwendungsbezogener Module in diesem Kernbereich, in denen die Statistik- und quantitativen Methodenkenntnisse am PC anhand von Anwendungsbeispielen eingeübt werden. Hierbei haben 28 der 50 zu erbringenden ECTS-Leistungspunkte unmittelbaren Praxisbezug in Form eines obligatorischen Forschungs- praktikums zur Datenerhebung und zur quantitativen Datenanalyse und einer Übung in angewandter Statistik am PC. Damit wird garantiert, dass alle Absolventinnen und Absolventen fundierte und umfangreiche Kenntnisse hinsichtlich soziologischer, quantitativ-statistischer Methoden haben. Zusätzlich ergänzt das zweimonatige Pflichtpraktikum den Anwendungsbezug des Studiums. Darüber hinaus verbleibt dieses Wissen nicht auf abstraktem Niveau, sondern wird unmittelbar in die Anwendung transferiert. In den Veran- staltungen des jeweils gewählten Studienschwerpunkts werden die handwerklichen Kenntnisse noch weiter vertieft.

Insgesamt stehen den Studierenden 80 ECTS-Leistungspunkte zur individuellen Profilierung zur
Verfügung. Hierbei entfällt der größte Anteil (50 ECTS-Leistungspunkte) auf den Studienschwer-
punkt. Folgende Studienschwerpunkte stehen im Bachelorstudiengang zur Wahl:

  • Bildung, Arbeit, Familie und Lebenslauf
  • Bevölkerung, Migration und Integration
  • Europäische und globale Studien
  • Kommunikation und Internet
  • Arbeitsmarkt, Arbeitsorganisation, Arbeitswissenschaft

Innerhalb dieser Schwerpunkte entfallen mindestens 20 ECTS-Punkte auf den soziologischen Kern-
bereich. Hier können verschiedene schwerpunktspezifische Soziologie-Module eingebracht werden.
Weitere mindestens 20 ECTS-Punkte entfallen auf den nicht-soziologischen Wahlbereich mit Mo-
dulen anderer Disziplinen. Hiermit wird gewährleistet, dass im tätigkeitsfeldbezogenen Schwerpunkt
nicht ausschließlich soziologisches Wissen erlernt wird, sondern auch aus jeweils angemessenen
anderen Wissenschaften Kenntnisse beigetragen werden. Dies garantiert einen interdisziplinären
Blick auf den eigenen Studienschwerpunkt. Abgeschlossen wird der Bereich Studienschwerpunkt
durch weitere Module im Umfang von bis zu 10 ECTS-Leistungspunkten. Hierunter fallen frei wähl-
bare Veranstaltungen aus den soziologischen und nicht-soziologischen Modulen des Studien-
schwerpunkts. Dadurch können entweder spezifische Neigungen und Interessen innerhalb des
Schwerpunktes vertieft werden oder der individuelle Schwerpunkt inhaltlich verbreitert werden.

Zusätzliche Flexibilität in der Ausrichtung des Studiengangs erhalten die Studierenden durch das
Kontextstudium im Umfang von 30 ECTS-Leistungspunkten. Dabei erfolgt eine Aufteilung der
Punkte in 15 ECTS aus den soziologischen Modulen der Studienschwerpunkte und 15 ECTS aus
den nicht-soziologischen Modulen der Studienschwerpunkte. Dadurch ist es möglich, entweder
den eigenen Schwerpunkt weiter zu vertiefen oder Veranstaltungen anderer Schwerpunkte zu
besuchen.

Diese Struktur bietet die Möglichkeit der stark tätigkeitsfeldbezogenen Ausrichtung des Studiums
und vermeidet dennoch eine zu starke Verschulung des Hochschulstudiums, da sie flexible Anpas-
sungsoptionen schafft. Damit wird ein Kernbestandteil des Bamberger Modells umgesetzt, wonach
individuelle Curricula ermöglicht werden sollen, aber dennoch tätigkeitsfeldbezogene Abschlüsse
erzielt werden. Die studentische Gestaltungsfreiheit der eigenen Ausbildung wird somit gewähr-
leistet und gleichzeitig wird vermieden, dass am Arbeitsmarkt „vorbei studiert“ werden könnte.

Diese vergleichsweise freie Gestaltung von beinahe 50% der Studienleistungen hat neben der indi-
viduellen Ausrichtung nach Interessen und Berufswünschen zahlreiche positive Nebeneffekte auf
das Erlernen dringend benötigter Schlüsselqualifikationen. Dabei wird auf folgende Kompetenzen
besonderer Wert gelegt:

Methodenkompetenz:

Neben den direkt gelehrten Kompetenzen in den Bereichen Wissenschaftliches Arbeiten und Metho-
den der empirischen Sozialforschung
fördert das Studium der Soziologie nach dem Bamberger Mo-
dell gezielt allgemeine Methodenkompetenz, insbesondere der quantitativen Methodik
. Ein elementarer Bestandteil ist hier die Fähigkeit des Verstehens. So sind Absolventinnen und Absolventen des B.A. Soziologie in Bamberg in der Lage
komplexe Sachverhalte nicht nur nachzuvollziehen und zu erklären, sondern auch ursächlich zu
verstehen. Hierzu dient das ausführliche Studium soziologischer Grundlagen insbesondere im Be-
reich soziologischer Theorie. Die umfassende Vermittlung der soziologischen Denkweise in diesen
Veranstaltungen schult die Fähigkeit der analytischen Auseinandersetzung mit und das Verständ-
nis von vielschichtigen Prozessen. Durch die Dominanz der seminaristischen Lehre in einem Groß-
teil der Studienbereiche sind die Absolventinnen und Absolventen jedoch auch in der Lage kom-
plexe Themen und Inhalte eigenständig zu erarbeiten. Seminare erhöhen deutlich die Beteiligung
der Studierenden, wodurch eine reine Wissensvermittlung durch eine Wissenserarbeitung ersetzt
wird. Dies erhöht einerseits die Nachhaltigkeit des Erlernten und stärkt andererseits die individuelle Methodenkompetenz. Nicht zuletzt wird über diesen Weg ein grundlegendes Verständnis inter-
national relevanter Forschungsliteratur erzeugt.

Sozialkompetenz:

Sowohl die hohen Praxisanteile als auch die seminaristische Organisation zahlreicher Lehrveran-
staltungen bilden die Sozialkompetenzen der Studierenden. Nach Abschluss des Studiums der
Soziologie im Bamberger Modell sind die Absolventinnen und Absolventen in der Lage komplexe
Zusammenhänge  
zu erfassen, analytisch zu systematisieren, zu präsentieren und zu diskutieren.
Diese Form der Kommunikation wird in zunehmend projektförmig organisierten Arbeitsabläufen
immer wichtiger. Daher ist es zentraler Bestandteil des Studiums eigene Fortschritte oder den
Forschungsstand zu bestimmten Themen im Rahmen der Lehrveranstaltungen zu präsentieren
und anschließend in der Gruppe zu diskutieren. Dies führt im Laufe des Studiums zu einer grund-
legenden Schulung im Bereich der Teamfähigkeit. Sowohl in der Vorbereitung der Präsentationen
in den praxisorientierten Lehrveranstaltungen als auch in der Konzeption von Vorträgen in den
übrigen Lehrveranstaltungen arbeiten die Studierenden in Teams. Dadurch erlernen Sie die Ko-
operation, Kommunikation und Dokumentation ihrer Arbeit, die für projektförmige Arbeitsabläufe
unerlässlich ist.

Individualkompetenz:

Die individuelle Profilierung der Absolventinnen und Absolventen ist eines der Ziele Soziologie-
Studiengänge. Diese individuelle Komponente beschränkt sich jedoch nicht nur auf die fachwis-
senschaftlichen Inhalte. Zentraler Aspekt des Studiums ist auch die Individualkompetenz. Ein
erster Schnittpunkt ergibt sich im Bereich der Methodenkompetenz. Hier werden individuelle
Fähigkeiten der Erarbeitung und des Verständnisses komplexer Themen und Inhalte gefördert.
Zudem erfordert die individuelle und flexible Gestaltung des Curriculums die Fähigkeit der Selbst-
organisation und Selbstreflexion. Da die Studierenden die Inhalte ihres Studiums auf ihre eigenen
beruflichen Ziele und angestrebte Weiterqualifikationen ausrichten können, müssen sie ihren bis-
herigen Stand reflektieren und ihre Ziele formulieren. Im Anschluss daran planen sie ihr Studium
innerhalb der Regularien der Prüfungsordnung möglichst frei und selbstständig.

Medienkompetenz:

Nicht zuletzt durch die Förderung in der seminaristisch organisierten Lehre verfügen die Absolven-
tinnen und Absolventen über eine hohe Medienkompetenz. Sie sind in der Lage aktiv zu kommuni-
zieren, kompetent zu rezipieren und kennen technische bzw. organisatorische Bedingungen. Die
erlernten Fähigkeiten reichen von der mündlichen und schriftlichen Präsentation über die Auswahl
geeigneter Kanäle bis hin zur angemessen filternden Wahrnehmung. Dabei schulen Referate und
Hausarbeiten die Präsentation von Wissen und Erkenntnissen sowie die Fähigkeit bei Recherchen
Wichtiges von weniger Wichtigem zu trennen. Die praxisorientierten Lehrveranstaltungen vertiefen
diese Aspekte noch. Überdies formen häufige Vorträge der Studierenden sowie aktivierende Me-
thoden in Lehrveranstaltungen die Fähigkeit eigene Gedanken oder Wissen verständlich und struk-
turiert vorzutragen. Der Einsatz von Tafel, Overhead-Projektor und Beamer je nach Angemessen-
heit fördert zudem die Fähigkeit den Medieneinsatz in Abhängigkeit von den zu vermittelnden
Inhalten zu wählen.

Alle Absolventinnen und Absolventen des B.A. Studiengangs Soziologie an der Otto-Friedrich-Uni-
versität Bamberg verfügen über die notwendigen Grundlagen, das Handwerkszeug, ein individuelles
Profil und umfassende Schlüsselqualifikationen. Zu diesem Zweck erfahren sie eine grundlegende
Einführung in den theoretischen und empirischen Wissensbestand der Soziologie und eine ausführ-
liche Schulung hinsichtlich der wissenschaftlichen Methoden. Diese Kenntnisse werden praxisorien-
tiert vertieft und erweitert. Zusätzlich dient ein individuell und flexibel gestaltetes Curriculum der
tätigkeitsfeldbezogenen Spezialisierung. Dieses Profil kann durch zusätzliche Praktika, Auslandsauf-
enthalte und Hilfskrafttätigkeiten in einem der zahlreichen Bamberger Forschungsprojekten weiter
geschärft werden.

Mit diesen Kenntnissen und Fähigkeiten gelingt eine erfolgreiche Positionierung auf dem Arbeits-
markt. Je nach individuellem Profil stehen vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten offen: als Consul-
tant, Researcher oder ReferentIn in der Meinungs- und Marktforschung oder als ReferentIn, Lek-
torIn oder RedakteurIn in der Medienbranche, der Öffentlichkeitsarbeit oder dem Verlagswesen.
Weitere Beschäftigungsschwerpunkte liegen in Personalabteilungen, in der Personalvermittlung,
der Personalentwicklung und der Organisationsentwicklung sowie als FachreferentIn für Sozialpoli-
tik, Bildung etc. Beschäftigungschancen bestehen hierbei in der öffentlichen Verwaltung wie Kom-
munalverwaltung, Landes- und Bundesministerien, statistischen Ämtern sowie weiteren Landes-
und Bundeseinrichtungen, in Non-Profit-Organisationen wie Parteien, Gewerkschaften und Arbeit-
geberverbänden oder den Sozialversicherungen und in der Privatwirtschaft. Nicht zuletzt steigen
zahlreiche SozialwissenschaftlerInnen in Beratungstätigkeiten ein. Darunter fällt nicht nur die all-
seits bekannte Unternehmensberatung, sondern häufig auch Berufsberatung, Politikberatung, Or-
ganisationsberatung, Kommunikationsberatung und vergleichbares. Dieser Bereich ebnet langfristig
auch den Weg in die Selbstständigkeit.

Ferner legt der B.A. Studiengang die Grundlage für eine wissenschaftliche Weiterqualifikation in einem konsekutiven Masterprogramm. Zahlreiche Absolventinnen und Absolventen der Soziologie suchen den Karriereweg in der Wissenschaft entweder in der direkten Hochschullaufbahn oder in Forschungsinstituten. Hierfür bildet der M.A. Soziologie die Basis.