Forschung
Der Lehrstuhl für Soziologie, insbesondere soziale Ungleichheit, beschäftigt sich mit sozialen Ungleichheiten im Lebenslauf, unter anderem im Zusammenhang mit Gesundheit, Arbeitsmarkt und Bildungsentscheidungen. Methodisch sind wir eher quantitativ ausgerichtet mit einem besonderen Interesse an Kausalitätsfragen. In Bezug auf die COVID-19-Pandemie erforschen wir die Auswirkungen der Pandemie auf die mentale Gesundheit, das Vertrauen der Bevölkerung in soziale Institutionen, politische Orientierungen und Impfentscheidungen. Weitere Forschungsthemen sind soziale Ungleichheit und Körpergewicht, Stigmatisierung, soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und Umweltsoziologie.
Am Lehrstuhl wird aktuell an folgenden Projekten gearbeitet:
The German Labor Market und Social Trust
Leitung: Dr. Alexander Patzina
Förderung: Daimler & Benz Stiftung
Laufzeit: 2024-2026
Das Vertrauen in fremde Menschen ist zentral für den Zusammenhalt von Gesellschaften. Da Vertrauen in Interaktionen zwischen Menschen entsteht, erscheinen Arbeitsmärkte als Arenen sozialer Begegnungen bedeutsam. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt, ob ein Arbeitsplatzverlust zu einem Rückgang des Vertrauens in Fremde führt und ob die substanzielle Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro die Vertrauensbildung beeinflusst. Das Projekt nutzt Längsschnittdaten sowie quasi-experimentelle Methoden, um kausale Beziehungen zu bestimmen. Insgesamt zielt das Projekt darauf ab, unser Verständnis von den nicht-monetären Konsequenzen von Arbeitslosigkeit sowie Arbeitsmarktpolitik zu verbessern und die Bedeutung von Arbeitsmarktprozessen für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland zu beleuchten.
Wechselwirkungen zwischen Gesundheit und Verrentung: Soziale Ungleichheit vor dem Hintergrund einer Anhebung des Rentenalters
Leitung: Prof. Dr. Rasmus Hoffmann, Prof. Dr. Martina Brandt (Technische Universität Dortmund)
Förderung: Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Laufzeit: 2025-2027
Gesundheit ist eine wichtige Determinante des Renteneintritts. Personen mit schlechter Gesundheit und geringerer Bildung gehen häufiger unfreiwillig in Rente und dies hat negative Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden nach der Verrentung. Gleichzeitig müssen Menschen mit wenig Einkommen häufiger trotz schlechter Gesundheit weiterarbeiten. Die bisherigen Forschungsergebnisse zu Wechselwirkungen zwischen Gesundheit und Rente sind nicht eindeutig, vermutlich deshalb, weil der sozioökonomische Status diesen Zusammenhang moderiert und dies bisher selten berücksichtigt wurde.
In Deutschland und vielen europäischen Ländern steigt die Altersgrenze für die Regelaltersrente.
Dies gilt politisch aus mehreren Gründen als geboten:
1. Zunahme der Lebenserwartung,
2. Verbesserung von Gesundheit und Arbeitsfähigkeit,
3. schwierige finanzielle Lage der gesetzlichen Rentenversicherung und
4. Arbeitskräftemangel.
Gleichzeitig ist die generelle Anhebung des Renteneintrittsalters ein gesellschaftliches Thema mit erheblichem Konfliktpotential, zwischen politischen Lagern, zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen und zwischen Generationen. Die sozial gerechte Ausgestaltung einer Anhebung des Rentenalters ist dabei ein entscheidender Faktor, um politischen Handlungsspielraum zu gewinnen und die beteiligten Interessengruppen zu überzeugen. Ob die aktuellen Rentenregelungen zu weniger sozialer Ungleichheit und mehr Gerechtigkeit beitragen, wie es sozialstaatlich geboten wäre, oder der Rentenübergang soziale Ungleichheit erhöht, ist in Gesellschaft und Wissenschaft umstritten (Haan et al. 2019; Shi & Kolk 2023). Unser Projekt adressiert den Forschungsbedarf in diesem entscheidenden sozialpolitischen Handlungsfeld, um evidenzbasierte Entscheidungen zu erleichtern.
Die Wechselwirkungen von Gesundheit, Rente und sozioökonomischem Status stehen im Zentrum unseres Verbundprojekts. Es teilt sich auf in zwei Arbeitspakete, die an der Universität Bamberg und an der TU Dortmund bearbeitet werden. Auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) untersucht das erste Arbeitspaket (1) Determinanten, die zusammen mit einem schlechten Gesundheitszustand den Zeitpunkt der Verrentung beeinflussen, und (2) wie sich Gesundheit und Wohlbefinden in unterschiedlichen sozioökonomischen Gruppen nach Renteneintritt verändern. Das zweite Arbeitspaket untersucht anhand des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE), ob durch die Erhöhung der Altersgrenze für die Regelaltersrente in europäischen Ländern die Gesundheit und das Wohlbefinden sinken. Es werden fortgeschrittene Verfahren der Kausalanalyse (u. a. Interrupted Time-Series, Difference-In-Differences-Modelle mit Propensity Score Matching und Fixed-Effects Modelle) verwendet.
Weitere Kooperationen
Zur Stärkung der betrieblichen Gesundheitsförderung und der Zusammenarbeit mit den Krankenkassen besteht eine Kooperation unseres Lehrstuhls im Bereich der Medizin- und Gesundheitssoziologie mit dem Institut für Leiblich Emotionale Bildung (Prof. Kalinowski) auf der Ebene der Durchführung von Präventionsmaßnahmen zur Gesundheitsförderung und mit dem Internationalen Institut für Soziale Praxis (Prof. Halsband) auf der Forschungsebene.