Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Katholische Theologie

Podiumsdiskussion: Was kostet ein Mensch? Politisches Handeln unter Druck

Was kostet ein Mensch? Diese durchaus provokante Frage stand im Zentrum einer öffentlichen Debatte am 03. Dezember 2015. Im Rahmen des Theologischen Forums diskutierten der Zweite Bürgermeister der Stadt Bamberg, PD Dr. Christian Lange, die Sozialethikerin Stefanie Wahl M.A. und der Bamberger Dogmatiker Prof. Dr. Jürgen Bründl, inwiefern politisches Handeln unter finanziellem Druck jedem Menschen gerecht werden kann und muss.

Prof. Dr. Joachim Kügler, Inhaber des Lehrstuhls für Neutestamentliche Wissenschaften, eröffnete die Veranstaltung mit Überlegungen zu Levitikus 27,1-7 und der in dieser alttestamentlichen Schriftstelle aufgeworfenen Problematik, ein Menschenleben in Geld aufzuwiegen. Damit legte er die Grundlage für die Statementrunde zur Leitfrage: Warum "müssen" wir helfen?

Der Dogmatiker Prof. Dr. Jürgen Bründl entfaltete eine Kriteriologie zur Frage danach, was die Reichen den Armen schulden. Zweiter Bürgermeister Dr. Christian Lange veranschaulichte im Bezug auf die gegenwärtige Flüchtlingsproblematik die Hilfsangebote der Stadt Bamberg und legte anhand tagesaktueller Zahlen dar, welche politischen Ideen diskutiert werden und welche Gestaltungsräume sich - trotz finanzieller Zwänge - in dieser Hinsicht auftun. Die Bamberger Sozialethikerin Stefanie Wahl M.A. wiederum konkretisierte, was die Option einer "Kirche der Armen" bedeutet, wenn Armutsfragen verstärkt ins Zentrum rücken. Unter anderem ging sie auf Handlungsoptionen der Kirche, aber auch auf die Herausforderungen ein, die sich aus politischer und zivilgesellschaftlicher Verantwortung heraus ergeben.

In der sich anschließenden Diskussion wurden Fragen danach, was Hilfe kosten darf oder inwiefern die Unterscheidung "politische vs. Wirtschaftsflüchtlinge" hilfreich ist, durchaus kontrovers diskutiert. Auch die so genannte "Neiddebatte" kam in den Blick: Dabei wurde klar, dass die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen sind und der Staat seine fürsorgende Funktion ebenso hinsichtlich der eigenen Bürger wahrnehmen muss. 

Auch die Besucherinnen und Besucher der Podiumsdiskussion schalteten sich mit ihren Anfragen, eigenen Beiträgen und mit kritischen Rückfragen ein, so dass am Ende viele Anwesende angesichts der Komplexität der Thematik durchaus nachdenklich, aber um manche Perspektive bereichert das Fazit ziehen konnten: eine gelungene Veranstaltung!