Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Katholische Theologie

Gender und Theologie

Start des Theologischen Forums 2016/2017

Das »Theologische Forum« des Instituts für Katholische Theologie widmet sich im Wintersemester 2016/2017 den Herausforderungen, die durch die Genderdebatte auch für das theologische Denken erwachsen.

Wie kommen Genderdiskurs und Theologie zusammen? An fünf Abenden wird dieser Frage mit Hilfe renommierter Referenten auf den Grund gegangen. Nachdem leider der Auftaktvortrag ausfallen musste, setzte Sandra Lassak ein erstes Ausrufezeichen mit ihrem Vortrag zur Geschlechterverschiedenheit und -vielfalt in weltkirchlicher Perspektive. Dr. Sandra Lassak, Dozentin an der ökumenischen Fakultät Lima in Peru, promovierte in Münster über Geschlechterfragen. Im Auftrag der Organisation der Commundo ist sie außerdem Koordinatorin für Fachkräfte, die nach Peru kommen.

Eröffnet wurde das »Theologische Forum« von Stefanie Wahl, M.A.. Als eine der Organisatorinnen der Reihe verortete sie das Thema in Theologie, Kirche und Gesellschaft und verwies auf die Relevanz und produktive Kraft, die der Geschlechterforschung und der Frage nach dem Geschlechterverhältnis innewohne. Zum einen offenbare sie Ungleichheiten und ungerechten Strukturen. Über die Kritikfunktion hinaus, habe die Geschlechterforschung außerdem sich insgesamt ausdifferenziert und verschiedene Forschungsstränge und -traditionen, auch in Theologie, hervorgebracht. Das diesjährige Forum soll Einblicke in die verschiedenen Bereiche der theologischen Geschlechterforschung gewähren.

Sandra Lassak widmete sich in ihrem Vortrag dem Problem der „(Geschlechter)Diversität als notwendiger Beitrag zu weltkirchlicher Veränderung – feministisch-theologische Überlegungen aus dem Süden.“ Dabei nahm sie sowohl den Genderdiskurs innerhalb der Kirche, wie auch die gesellschaftliche Lage ihrer ‚Wahlheimat‘ Peru in den Blick.

Ihre Ausgangsbeobachtung: Innerhalb der katholischen Kirche gibt es aus der Perspektive feministischer Theologie eine strukturelle Diskriminierung von Frauen, eine Geschlechterungleichheit, die konträr steht zu der Idee einer Gemeinschaft der Gleichen. Mehr noch: In Kirche und Theologie ist lange und wird bis heute ein bestimmtes Geschlechterverhältnis tradiert und konstruiert, das Ungleichheiten produziert.

Gesellschaftlich, so betonte Lassak, hat sich hier vor allem in den westlichen Gesellschaften vieles verändert. Die Ungleichheiten, gegen den sich der Feminismus wehrte, sind aufgrund einiger Fortschritte nicht mehr im Fokus gesellschaftlicher Debatten. Doch aus globaler Perspektive verschiebt sich dieses Bild. Hier lassen sich, wie etwa in vielen Ländern Südamerikas, massive Ungleichheiten feststellen. Die Kulturen des Sexismus und Machismo werden dabei vor allem als Erbe der Kolonialisierung angesehen und kritisiert.

Die Auseinandersetzung mit Kirche und Gesellschaft über die Frage nach Gender und Geschlechtergerechtigkeit lässt sich, so Lassak, mit dem Begriff der Dekolonialisierung verknüpfen. Dabei muss auch aus europäischer Perspektive beachtet werden, dass die Rede von ‚dem Geschlecht‘ und mehr noch ‚der Frau‘ auch eine Form der Kolonialisierung und Unterdrückung darstellen kann. Die westlichen Diskurse über Geschlecht, Frauen und Männer oder Geschlechterrollen stehen immer auch in der Gefahr zu verallgemeinern und mehr über andere oder alle Menschen auszusagen, als auszusagen möglich ist. Das betrifft sowohl die, die den Genderdiskurs betreiben, als auch die, die diesen ablehnen oder sogar bekämpfen.

Unter Rückgriff auf Theologinnen wie Elisabeth Schüssler-Fiorenza und Marcella María Althaus-Reid machte Lassak vor allem deutlich, dass Sie den Genderdiskurs als Form der Kritik an herrschenden Diskursen in der Gesellschaft versteht. Sein theologisches Potential liege darin, so schloss die Referentin, dass dieser Diskurs durchkreuzenden Charakter habe. Und so befreiend wirken könne.

Dem Vortrag schloss sich eine intensive und lebhafte Diskussion des Publikums mit der Referentin an.

Hinweis

Diesen Text verfassten Thomas Weißer (Laubach) und Stefanie A. Wahl. Er steht Journalistinnen und Journalisten zur freien Verfügung.