Profilschwerpunkt: Nachhaltigkeit

Nähere Informationen zum Profilschwerpunkt des Instituts für Katholische Theologie und zu den 17 SDGs finden Sie hier.

Auch der Lehrstuhl für Alttestamentliche Wissenschaften beteiligt sich an der gemeinschaftlichen Zielsetzung des Instituts für Katholische Theologie, theologisches und nachhaltiges Denken miteinander zu verbinden. In Forschung und Lehre ist es uns daher ein Anliegen, immer wieder Bezug auf die 17 »SDGs« (Sustainable Development Goals = Ziele für nachhaltige Entwicklung) zu nehmen.

Altes Testament und Nachhaltigkeit

In den alttestamentlichen Texten findet sich zwar das Wort »Nachhaltigkeit« nicht. Aber sie kennen viele der Überzeugungen, die mit dem Konzept verbunden sind: Sie spiegeln die Überzeugung, dass der Schöpfung eine gute und gerechte göttliche Ordnung eingestiftet ist, die vom Menschen handelnd zu realisieren ist. Sie zeigen den Menschen als in eine soziale Gemeinschaft eingebunden, in der das Wohlergehen der Menschen in prekären Verhältnissen oberster Rang zukommt. Mit Bezug auf biblische Texte wurden und werden aber auch Unrecht und Ausbeutung legitimiert.

Nachhaltig exegetisch zu arbeiten kann man also auf zwei Weisen verstehen:

  1. Welche Vorstellungen entwickeln die Texte thematisch in Bezug auf Nachhaltigkeit?
  2. Wie können Texte nachhaltig gelesen werden, so dass keine Lesarten begünstigt werden, die nachhaltigen Zielen entgegenstehen, sondern sie selbst für Nachhaltigkeit sprechen?

Beide Fragen sind Grundfragen, denen in den Lehrveranstaltungen am Lehrstuhl für Alttestamentliche Wissenschaften nachgegangen wird.

Nachhaltigkeit in den Lehrveranstaltungen im SoSe 22

Seminar: Die Makkabäer. Krieg, Frieden und Königtum im 2. Jh. v. Chr. (Jana Hock)

Welche Rolle spielen Frauen in einem von teils exzessiver Gewalt geprägten Text? Sind Texte, die von Frauen handeln, auch von Frauen verfasst worden? Diesen und anderen Fragen geht das Methodenseminar am Beispiel des Zweiten Makkabäerbuchs nach und möchte zu einer kritischen, gendersensiblen Lektüre der alttestamentlichen Texte anleiten.

Seminar: Sozialkritische Exegesen (Alexander Schmitt)

Das Seminar möchte die Studierenden grundsätzlich an ein sozialkritisches Paradigma von Exegese heranführen, die Unterschiede zu ›klassischen‹ Methoden erarbeiten und konkrete sozialkritische Ansätze exemplarisch an Bibeltexten veranschaulichen. Dabei werden zahlreiche Themen angesprochen und Konzepte thematisiert, die für eine nachhaltige Entwicklung in großem Maße relevant sind, z.B.:

  • Die Frage nach Geschlechtergerechtigkeit und nach dem spezifischen Beitrag der biblischen Exegese zur Fortschreibung oder Dekonstruktion von Kategorien und Argumentationen, die zu Ungerechtigkeit im Bereich der Geschlechterverhältnisse beitragen.
  • Die Frage nach der sozialgeschichtlichen Verortung biblischer Texte und ihre Rolle für eine (un)gerechtere sozioökonomische Entwicklung bzw. Befreiung von Ausbeutung.
  • Die Frage nach der Rolle biblischer Texte und deren Rezeption bei der Fortführung oder Infragestellung imperialer und (neo)kolonialer Muster.

Seminar: »Wissen ist besser als Macht.« (Koh 9,16) Kontroverse Texte des Alten Testaments (Jana Hock / Alexander Schmitt)

Die Wahrnehmung des Alten Testaments ist häufig vorurteilsbeladen und Texte des Alten Testaments werden vielfach dafür verwendet, antisemitische Vorurteile zu reproduzieren oder die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zu begründen. Im EWS-Seminar möchten wir solche Lesarten aufbrechen und Vorurteile überwinden, indem wir uns mit den Themen Schöpfung, Gewalt, Feminismus und Homosexualität im Alten Testament beschäftigen.

Nachhaltigkeit im Lehrprogramm

  • GM I Einführung: Am Beispiel der biblischen Schöpfungserzählungen wird gefragt, wie Nachhaltigkeit biblisch gedacht werden kann. Indem nach einer Verhältnisbestimmung dem Judentum gegenüber gesucht wird, wird ein Beitrag zur interreligiösen Verständigung geleistet.
  • GM I Methodenseminar: Im Rahmen der Erschließung eines alttestamentlichen Textes oder Buches werden exemplarisch nachhaltige Themen aufgezeigt. So zeigt z.B. die Rezeptionsgeschichte der Erzelternerzählungen, wie diese einseitig als »Geschichte der Patriarchen« gelesen wurden. Damit wird nach Geschlechtergerechtigkeit gefragt. Oder anhand der Josefserzählung können Bedingungen des Zusammenlebens verschiedener Ethnien im Rahmen von Migrationsbewegungen in den Fokus rücken.
  • VM II / IV Seminar: Die Lehrveranstaltung als Ganze dient in der Regel dazu, nachhaltig exegetisches Arbeiten einzuüben. An verschiedenen Texten können z.B. unterschiedliche Konzeptionen im Verhältnis von »Israel und den Völkern« behandelt werden. Damit kann der Frage nachgegangen werden, welche verschiedenen Konzepte der Ko-Existenz von Nationen deutlich werden und welche Rolle in diesem Zusammenhang Religion(en) spielen.
  • VM II / IV Projekt: In Projekten wird nachhaltigen Fragestellungen nachgegangen, auch mit außeruniversitären Partnern. Z.B. können Strategien zum Umgang mit Konflikten in alttestamentlichen Texten erhoben und deren Relevanz für ein Streitschlichterprogramm im schulischen Text erörtert und auch erprobt werden.
  • Heilige Stätten und Traditionen: Durch Exkursionen wird ein Beitrag zu interreligiösem und interkulturellem Lernen geleistet. Am Beispiel Israel zeigt sich wie in einem Brennglas die Notwendigkeit nachhaltiger Politik für das friedliche Zusammenleben von Völkern und Religionen.

Nachhaltigkeit und Prüfungen

  • Im Kontext der Modulprüfungen GM I und GM II / IV sind die Studierenden aufgefordert, nachhaltige Fragestellungen einzubeziehen.
  • In Abschlussarbeiten können die Studierenden Themenschwerpunkte wählen, die mit dem Konzept der Nachhaltigkeit verknüpft sind.