Matthias Vaskovics

Wir trauern um Prof. Dr. Dr. h.c. László A. Vaskovics

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Dr. h.c. László A. Vaskovics, dem Gründer der Soziologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Gründungsdekan der Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Er ist im Alter von 90 Jahren verstorben.

Geboren am 19. Juni 1936 in Trstená na Ostrove in der Slowakei, besuchte er die Schule in Ungarn, studierte Soziologie, Philosophie und Psychologie in Wien, promovierte 1962 an der Universität Wien und habilitierte 1966 in Linz. Nach Lehrtätigkeit an der Wirtschaftsuniversität Linz und der Universität Trier wechselte er an die Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der er auch nach seiner Emeritierung 2002 bis zuletzt eng verbunden war.

László Vaskovics hat die Soziologie in Bamberg wie kaum ein anderer geprägt. Als er 1976 den Lehrstuhl für Soziologie I übernahm, begann er mit dem Aufbau unseres Faches sowie der Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bamberg. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2002 war er Inhaber dieses Lehrstuhls. Zugleich leitete er über viele Jahre die Sozialwissenschaftliche Forschungsstelle der Universität Bamberg. Von 1976 bis 1980 war er Gründungsdekan der Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, von 1980 bis 1984 Vizepräsident der Universität. Von 1996 bis 2003 stand er zudem dem Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg vor. In all diesen Funktionen hat er die wissenschaftliche Entwicklung und das analytische Profil der Bamberger Sozialwissenschaften nachhaltig mitgestaltet.

Sein wissenschaftliches Werk war breit angelegt und zugleich von einer klaren inhaltlichen Handschrift geprägt. Zu seinen zentralen Forschungsfeldern gehörten die Familiensoziologie, die Soziologie des Lebenslaufs und der Lebensspanne, Demografie, soziale Ungleichheit und die Soziologie sozialer Probleme. In zahlreichen, auch international ausgerichteten Forschungsprojekten verband er theoretische Fragestellungen mit empirischer Forschung und gesellschaftlicher Relevanz. Er erwarb national und international große Anerkennung für seine wissenschaftlichen Ergebnisse und Publikationen. 1991 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Corvinus-Universität Budapest und seit 1998 war er Mitglied der Akademie der ungarischen Wissenschaften. Dabei war László A. Vaskovics zutiefst geerdet. Ein wesentliches Merkmal seiner Arbeiten ist, dass er seine wissenschaftliche Perfektion auf die fühlbaren und substanziellen Lebensbedingungen von Menschen, deren Herausforderungen und deren Veränderungspotentiale richtete.

Doch wer László Vaskovics begegnete, wird sich nicht allein an seine wissenschaftlichen Leistungen erinnern. Er war dem Institut und seinen Menschen bis zuletzt in besonderer Weise zugetan. Auch nach seiner Emeritierung blieb er ein aufmerksamer und interessierter Begleiter der Soziologie in Bamberg. Er verfolgte unsere Arbeit, kommentierte Entwicklungen und Vorhaben, fragte nach und mischte sich ein – manchmal kritisch, häufig mit einem Augenzwinkern und immer mit großem Interesse an den Menschen, die das Fach weiterführten. Seine Verbundenheit war persönlich und uns lieb und wichtig.

Wir werden seine wissenschaftlichen Beiträge und seine Rolle als Gründerpersönlichkeit und kritischen und wohlmeinenden Diskutanten vermissen. Wir werden aber vor allem ihn selbst vermissen: seine sehr herzliche und außerordentlich zugewandte Art, seine Höflichkeit, seinen Anstand, seine Kommentare zu unserem Tun, seine Geschichten und seine Neugier auf neue Entwicklungen. Und uns werden seine Einladungen zu Wein – aus eigenem Anbau – und die guten Gespräche fehlen, die Begegnungen, bei denen durch sein Beisein wissenschaftliche Fragen, persönliche Hobbys, Politik, Gesellschaft und das Leben ganz selbstverständlich ineinander übergingen.

Auch außerhalb der Wissenschaft war László Vaskovics bis zuletzt sehr aktiv. Er nahm engagiert Anteil, er bewegte unentwegt viel und blieb immer aufmerksam. Dass er bis ins 90. Lebensjahr ein hervorragender Tänzer und Läufer war, den Weltkulturerbelauf in Bamberg über all die Jahre nicht ausließ und auch beim Unilauf nicht fehlte, ist Ausdruck seiner Tatkraft. Wir verlieren seine Ausdauer, Lebensfreude und seine bemerkenswerte Zugewandtheit zur Stadt, in der er so viel aufgebaut und bewirkt hat.

Für viele Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern war er Lehrer, akademischer Wegbereiter, Kollege und Gesprächspartner. Für das Institut für Soziologie war und bleibt er eine Gründungspersönlichkeit, der wir sehr viel verdanken. Vieles von dem, was heute selbstverständlich erscheint, wäre ohne seinen Aufbauwillen, seine wissenschaftliche Arbeit und sein institutionelles Engagement nicht entstanden. Er hat die Basis für eine bis heute reichende Erfolgsgeschichte des Instituts für Soziologie gelegt.

Wir nehmen Abschied von einem großen Soziologen, einem prägenden Hochschullehrer und einem Menschen, der unserer Soziologie in Bamberg über Jahrzehnte verbunden war.

Vor allem aber nehmen wir Abschied von einem warmherzigen, lebenszugewandten Menschen, dessen Rat, Humor, Widerspruch und Freundschaft uns fehlen werden.

Wir werden László Vaskovics in dankbarer und herzlicher Erinnerung behalten.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden.

Für das Institut für Soziologie
Olaf Struck