Forschungsprojekt des Quartals

"Attention, please! Wie die Allokation von Aufmerksamkeit Management Entscheidungen beeinflusst“

Projektleitung: Prof. Dr. Martin Friesl

Förderer: -

Inhalt und Ziele

Strategische Entscheidungen in Organisationen basieren auf einer knappen Ressource, der begrenzten Aufmerksamkeit von Führungskräften. Diese Einsicht ist nicht neu, geht sie doch auf den Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert Simon zurück. Simon betonte bereits vor über 70 Jahren, dass nicht die Knappheit an Informationen, sondern vielmehr die Knappheit an Aufmerksamkeitsressourcen um diese zu verarbeiten, das zentrale Problem in der (strategischen) Entscheidungsfindung darstellt. Gerade in den letzten Jahren hat sich die Forschung mit frischer Energie den Ursachen und Wirkungen der Allokation von Aufmerksamkeit in Unternehmen gewidmet. Anstelle Aufmerksamkeit als ein rein individuelles, kognitives Phänomen zu betrachten, werden zunehmend die strukturellen und inter-individuellen Bedingungen der Allokation von Aufmerksamkeit hinterfragt.

Unser Forschungsprojekt setzt an dieser Stelle an. Das Projekt des Bamberger Teams Prof Martin Friesl und Christoph Brielmaier besteht aus verschiedenen empirischen und theoretischen Arbeiten in Kollaboration mit Prof Florian Bauer (Lancaster University Management School), sowie Moritz Reis und Dr Roland Pfister (Universität Würzburg. Folgende Fragestellungen stehen im Zentrum.

Synergien in Akquisitionsprozessen: Florian Bauer von der Lancaster University und Martin Friesl untersuchten in Kollaboration mit dem Beratungsunternehmen EY, warum bei Akquisition häufig Kostenargumente überwiegen, obwohl strategische, umsatzorientierte Aspekte ggf. einen größeren Werthebel bieten würden. Das Projekt untersucht explizit die strukturellen Mechanismen, welche die Allokation von Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Synergietypen im Rahmen von M&A Transaktionen lenken.

Partizipation im Strategieprozess: Christoph Brielmaier und Martin Friesl argumentieren im Rahmen einer theoretischen Arbeit dass die (Nicht-)Teilnahme an offenen Strategieprozessen von aufmerksamkeitslenkenden Strukturen abhängt. Die Arbeit schlägt das Konzept sog. ‚Attention Contests‘ vor, die dann Auftreten, wenn Aufmerksamkeit durch unterschiedliche Strukturen in unterschiedliche Richtungen lenkt.

Situative Aufmerksamkeit und Social Media: Ein dritter, zentraler Arbeitsstrang in Zusammenarbeit mit Moritz Reis und Roland Pfister an der Universität Würzburg ist die Erforschung situativer Faktoren auf die Allokation von Aufmerksamkeit. Dieses Teilforschungsprojekt wird in einem ersten Schritt insbesondere den Einfluss von sozialen Medien auf die strategische Entscheidungsfindung im Rahmen eines experimentellen Designs untersuchen. Soziale Medien werden in einer Vielzahl von Situationen, sei es zwischen zwei Meetings oder während des Wartens auf den Zug, konsumiert.

Methode

Dieses Forschungsprojekt basiert auf zwei unterschiedlichen Forschungsdesigns:

Qualitatives Forschungsdesign: In Zusammenarbeit mit EY wurde eine qualitative Studie der Synergiebewertung bei M&A durchgeführt. Dies umfasst die Datenerhebung über Interviews als auch Dokumentenanalyse.

Experimentelles Design: Für die Analyse situativer Aufmerksamkeit werden aktuell experimentelle Designs zur Datenerhebung erarbeitet.

(Erste) Ergebnisse oder Zentrale Ergebnisse

Die Ergebnisse des Projekts zeigen die Macht struktureller Kontexte für die Allokation von Aufmerksamkeit. Im Rahmen der Synergiebewertung konnte unsere Studie einen ‚attentional crowding out‘ Effekt zeigen, welcher Aufmerksamkeit auf Kostensynergien fokusiert.

Obwohl die Studie zu situativen Faktoren noch nicht abgeschlossen ist, so lassen die Daten des Pre-tests bereits vermuten wie stark sich unsere Umwelt (wie z.B. unser Social Media Konsum) auf die Beurteilung langfristiger strategischer Fragen auswirkt.

Gesellschaftliche Relevanz und Nutzungsmöglichkeiten der Ergebnisse

Das kritische Hinterfragen von Entscheidungen ist von enormer Konsequenz für alle Organisationen. Ein detaillierteres Verständnis darüber warum bestimmte Probleme Aufmerksamkeit gewinnen und adressiert werden und andere nicht ist gerade in Zeiten zunehmender ökologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen von zentraler Bedeutung.

Aktuelle Publikationen

  • Bauer, F. & Friesl, M. (fc) Synergy Evaluation in Mergers and Acquisitions: An Attention-Based-View. Journal of Management Studies
  • Brielmaier, C. and Friesl, M. (fc) Pulled in all Directions: Open Strategy as an Attention Contest. Strategic Organization
  • Brielmaier, C. and Friesl, M. (fc) The Attention-Based-View: Review and Conceptual Extension Towards Situated Attention. International Journal of Management Reviews