Forschungsprojekt des Quartals

"Der Einfluss von Nachhaltigkeitsinformationen auf Investitionsentscheidungen“

Projektleitung: Prof. Dr. Matthias Muck

Förderer: VR Bank Bamberg-Forchheim, RB Hochfranken-West, Sparkasse Nürnberg

Inhalt und Ziele

Nachhaltiges Investieren hat sich in den letzten Jahren zu einem Megatrend entwickelt. Aufsichtsbehörden und politische Entscheidungsträger stehen dabei vor der Herausforderung entsprechende Maßnahmen und Regelwerke zu entwickeln, um Gläubiger und Investoren zu schützen aber auch Finanzmittel in nachhaltige Industrien zu lenken. Das Forschungsprojekt zur Untersuchung des Einflusses von Nachhaltigkeitsinformationen auf Investitionsentscheidungen leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Insbesondere ist in der derzeitigen Debatte unklar, was nachhaltiges Investieren für Investoren wirklich bedeutet.

Auf der einen Seite könnte nachhaltiges Investieren als eine Art von Umwelt-Aktivismus betrachtet werden. Investoren wären somit intrinsisch motiviert Unternehmen mit guten Nachhaltigkeitsratings zu fördern und/oder solche mit schlechten zu vermeiden. Alternativ könnte nachhaltiges Investieren auch nur als Mittel zum Zweck dienen, um bessere Informationen hinsichtlich der zukünftigen Unternehmensentwicklungen zu erhalten. In diesem Kontext wird derzeit diskutiert, ob für Investoren die Unterscheidung zwischen finanziell wesentlich und nicht-wesentlichen Nachhaltigkeitsinformationen von Bedeutung ist. Letztendlich könnte nachhaltiges Investieren auch als reine Werbemaßnahme betrachtet werden, wenn nicht-nachhaltige Finanzprodukte durch willkürlich vergebenen Zertifikate dem Anleger als nachhaltig verkauft werden. Durch das Fehlen einer einheitlichen Klassifizierung für nachhaltige Finanzprodukte ist ein solches „Greenwashing“ bis heute möglich.

Ziel des Forschungsprojektes ist es zu bestimmen, warum Investoren sich für nachhaltige Finanzprodukte entscheiden und welche Aspekte von Nachhaltigkeit für diese wichtig sind. Die Ergebnisse sind für die aktuelle akademische Diskussion ebenso wie auch die Ausgestaltung von politischen und regulatorischen Maßnahmen von hoher Relevanz.

Methode

Zur Untersuchung der Forschungsfrage wurde ein Choice-Experiment durchgeführt. Dabei wurde im Rahmen einer Online-Umfrage analysiert, wie sich Investoren bei der Wahl zwischen verschiedenen Investmentfonds verhalten. Durch die beobachteten Wahlentscheidungen konnten die Präferenzen für die einzelnen Charakteristika der Fonds, wie beispielsweise der erwarteten Rendite, dem Risiko oder dem jeweiligen Nachhaltigkeitsrating bestimmt werden. Abbildung 1 zeigt ein beispielhaftes Wahlszenario des Choice-Experiments.

Die Umfrage wurde mit Unterstützung dreier regionaler Banken durchgeführt, welche Ihre Kunden über verschiedene Kanäle auf die Umfrage aufmerksam machten. Zusätzlich wurde der Fragebogen deutschen und französischen Studierenden vorgelegt. Insgesamt konnten somit 379 erfahrende Investoren in das Studiensample aufgenommen werden.

Neben dem Choice-Experiment beantworteten die Studienteilnehmer verschiedene Fragen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitspräferenzen, finanziellen Bildung sowie grundsätzlicher Charaktereigenschaften.

(Erste) Ergebnisse oder Zentrale Ergebnisse

Die gewonnenen Ergebnisse zeigen, dass Anleger insbesondere Unternehmen mit schlechten Nachhaltigkeitsratings vermeiden wollen. Die Unterscheidung von finanziell wesentlichen und nicht-wesentlichen Nachhaltigkeitsinformationen ist für die Anleger dagegen nur von nachrangiger Bedeutung. Nachhaltige Investoren lassen sich dabei in ein finanziell und nicht-finanziell motiviertes Segment aufteilen, wobei sich die beiden Gruppen ihrer Charakteristiken stark ähneln. Nachhaltige Investoren unterscheiden sich jedoch von nicht-nachhaltigen Investoren durch die Absicht etwas Gutes tun zu wollen.

Des Weiteren zeigt sich eine hohe Nachfrage nach zuverlässigen Nachhaltigkeitsinformationen. Im Rahmen der Untersuchung nutzten 26.5% mehr Investoren die vorgelegten Nachhaltigkeitskriterien im Vergleich zum angegebenen Anlageverhalten im echten Leben. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die prominente Aufbereitung von Nachhaltigkeitsinformationen Investoren auch unbewusst verleitet, diese als Entscheidungskriterium zu berücksichtigen. Die Studie deutet zudem daraufhin, dass Nachhaltigkeitspräferenzen und die Art und Weise wie Nachhaltigkeitsinformationen verwendet werden landes- und kulturabhängig sind.

Gesellschaftliche Relevanz und Nutzungsmöglichkeiten der Ergebnisse

Nachhaltigkeitskriterien haben sich zu einem Megatrend bei der Geldanlage entwickelt. Verschiedene Organisationen wie beispielsweise die Europäische Union arbeiten derzeit an der Ausgestaltung von Richtlinien zur Klassifizierung von nachhaltigen Anlagen. Das Forschungsprojekt liefert Anhaltspunkte, wie Nachhaltigkeitsinformationen von Investoren benutzte werden. Dadurch werden Erkenntnisse erzielt, wie Nachhaltigkeitsinformationen an Anleger kommuniziert werden müssen, um ein nachhaltigeres Anlageverhalten herbeizuführen.

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