Forschungs- und Entwicklungsprojekte am Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik Prof. Dr. Silvia Annen

Das Forschungsprofil der Professur für Wirtschaftspädagogik ist insbesondere geprägt durch eine hohe Interdisziplinarität (Nutzung unterschiedlicher Perspektiven und disziplinärer Zugänge), die Internationalität der Projekte (Schwerpunkte Europa und Nordamerika) sowie die externe Vernetzung mit Unternehmen vor allem mit kaufmännischem Schwerpunkt sowie den Universitätsschulen.

Zentrale Themenbereiche, mit denen sich die Forschungsprojekte der Professur beschäftigen, sind die Anerkennung von Kompetenzen (national und international), Bildungsentscheidungen und Bildungsverläufe sowie den Auswirkungen der digitalen Transformation vor allem auf den kaufmännischen Berufsbereich. Gesamtgesellschaftliche und migrationspolitische Rahmenbedingungen und Problemlagen führen dazu, dass diese Themen auch künftig für die Vereinbarkeit von wirtschaftlichem Wachstum und individuellen Lebensperspektiven bedeutsam sein werden. Die Forschungserkenntnisse sollen genutzt werden, um daraus resultierende Implikationen für die zukünftige Gestaltung der beruflichen Bildung zu entwickeln.

Konkrete Fragestellungen, mit denen sich das Team der Professur für Wirtschaftspädagogik beschäftigt sind beispielsweise: Wie lassen sich individuelle Kompetenzen unabhängig von ihrem Erwerbskontext identifizieren und sowohl für die Individuen als auch für Unternehmen und Gesellschaft nutzbar machen? Wie werden betriebliche Bildungskonzepte künftig gestaltet, um im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte und Talente bestehen zu können? Welche politischen Rahmenbedingungen sind notwendig, um vorhandenes Potenzial insbesondere von Migranten sowie von informell oder non-formal qualifizierten Personen besser zu nutzen? Welchen Beitrag kann und muss die berufliche Bildung in Schulen sowie in Betrieben hierzu leisten?

Laufende Projekte

DigiTrain VET

DigiTrain VET – Anforderungen an das betriebliche Ausbildungspersonal hinsichtlich der Gestaltung von Lernumgebungen in digitalisierten Berufsbildungssystemen

Kurzbeschreibung: Die Digitale Transformation verändert die Prozesse sowie die Organisation betrieblicher Arbeit. Dies führt zu veränderten Kompetenzanforderungen und bringt für die betriebliche Aus- und Weiterbildung die Notwendigkeit mit sich, eine berufliche Handlungsfähigkeit der Mitarbeiter/innen für zunehmend digital strukturierte Prozesse zu fördern. Gleichwohl diese Zielstellung internationaler Konsens bei den Akteuren in der beruflichen Bildung ist, ist der Weg zur Erreichung dieses Ziels meist unklar. Aus diesem Grund sollen auf Basis problemzentrierter Interviews mit Prozessverantwortlichen (Funktionsexperten) sowie Ausbildungsverantwortlichen (Bildungsexperten) in 10 Großunternehmen in Deutschland und in Brasilien die Herausforderungen sowie die betrieblichen und didaktischen Strategien zur Umsetzung der digitalen Transformation in der betrieblichen Ausbildung identifiziert werden. Konkret sollen Funktionsabteilungen und betriebliche Bildungsabteilungen in Unternehmen der Automobilbranche zu Veränderungen der Arbeits- und Geschäftsprozesse im Zuge der digitalen Transformation und zu handlungsleitenden didaktischen Konzepten in diesen Zusammenhang befragt werden.

Die zentralen Erkenntnisinteressen dieses Projektes sind:

• Welche Veränderungen ergeben sich in den Arbeits- und Geschäftsprozessen durch die digitale Transformation in der Automobilindustrie?
• In welchen Umgang und mit welchen Konzepten nimmt die betriebliche (Aus)Bildungsarbeit diese Veränderungen bisher auf verbunden mit den Ziel, die Beschäftigten durch berufliche Bildung (Vocational Education and Training) auf die Bewältigung digital strukturierter Arbeitsprozesse vorzubereiten?
• Welche didaktisch-organisatorischen Referenzkonzepte im Zuge der digitalen Transformation können beobachtet werden und wo besteht hier Entwicklungsbedarf?

Kooperationspartner: Instituto Federal do Rio Grande do Sul (IFRS; Website: www.ifrs.edu.br)

Promotionsprojekte

Gamification in der beruflichen Bildung

Abstract:

Durch die zunehmende Fokussierung von Lernprozessen auf den Lernenden und dessen Leistungsfähigkeit sowie motivationaler Aspekte sind didaktische Methoden noch relevanter geworden. Nicht zuletzt die digitale Transformation von Lernprozessen fordert Adaptionen und Innovationen von Lehr-Lern-Arrangements (u.a. Gerholz & Dormann 2017). Dabei ist die Zielsetzung, dass Lernen sowohl Spaß machen als auch Wissen vermitteln soll. Diese Komponenten werden im Rahmen des Promotionsprojektes Gamification in der beruflichen Bildung näher betrachtet. Ziel ist es dabei, motivationale Effekte und Dynamiken durch gamifizierte Wissensvermittlung im Kontext didaktischer Spiel-Settings sowie unter Berücksichtigung verschiedener Spiel-Typen (angelehnt an Bartle 1996) zu identifizieren und Potentiale von Gamification für die berufliche Bildung aufzuzeigen.

Promovendin:

Sabrina Sailer

Kontakt:

sabrina.sailer(at)uni-bamberg.de

 

Mit Abitur in die Ausbildung – Näherung mittels eines Mixed-Methods-Designs

Abstract:

Die Zahl der Abiturient:innen steigt seit Jahren kontinuierlich an (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2020). Während vor allem die gymnasiale Oberstufe auf den Besuch einer Universität vorbereitet, zieht es auch immer mehr Abiturient:innen in die Ausbildung.

Hierzu gab es in den vergangenen Jahren verschiedene quantitative sowie qualitative Befunde und Studien (vgl. z. B. Arusoglu und Thielen 2017; Dohmen, Hurrelmann und Yelubayeva 2021; Flake, Malin und Risius 2017; Oechsle 2009), in denen teilweise auch die jungen Erwachsenen selbst zu Wort kamen. Daran anknüpfend sollen in diesem Promotionsprojekt beide Zugänge in einem Mixed-Methods-Design verknüpft werden: Unter Bezug auf Berufswahl- und Sozialisationstheorien werden in einer quantitativen Teilstudie zentrale Faktoren der Bildungsentscheidung herausgearbeitet. Im qualitativen Teil werden problemzentrierte Interviews mit Auszubildenden mit Abitur geführt, um ihnen als Expert:innen ihrer Situation sowie ihren individuellen Erfahrungen den nötigen Raum zu geben. In einer Meta-Analyse werden die Ergebnisse beider Teilprojekte verbunden und zentrale Entscheidungsfragen, die quantitativ oder qualitativ begründet werden können, identifiziert.

Promovendin:

Tanja Preböck

Kontakt:

tanja.preboeck(a)uni-bamberg.de

 

Abgeschlossene Projekte

TyBi

Typische Bildungsverläufe und Karrierewege in ausgewählten kaufmännischen Berufsbereichen - Konkurrenz und Komplementarität zwischen beruflich und akademisch Qualifizierten (Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Berufsbildung)

Kurzbeschreibung: Das Verhältnis zwischen Abschlüssen der Berufsbildung und der Hochschulbildung – speziell im Hinblick auf deren Arbeitsmarktverwertbarkeit - wurde im Zuge der Studienstrukturreform und im Kontext der verankerten Gleichwertigkeit hochschulischer und beruflicher Qualifikationen im Deutschen Qualifikationsrahmen diskutiert. Vermutet werden ein Wettbewerb und Substitutionstendenzen zwischen beruflichen und hochschulischen Qualifikationen. Im Beschäftigungssystem können Konkurrenzsituationen zwischen beruflichen Aus- und Fortbildungsabschlüssen und Bachelor- sowie Masterabschlüssen insbesondere dort auftreten, wo es vergleichbare Anforderungen bei den auszuübenden Tätigkeiten gibt. Gleichzeitig lassen sich jedoch komplementäre Qualifikationsprofile beobachten, die je nach Betrieb unterschiedliche Aufgaben und Einsatzbereiche aufweisen können. Untersuchungen zeigen, dass Unterschiede zwischen den Branchen bestehen und die betrieblich vorhandene Personalstruktur sowie die Ausbildungsaktivität der Betriebe die Konkurrenzverhältnisse beeinflussen. In diesem Projekt wurden typische Qualifizierungsverläufe und Karrierewege in ausgewählten Branchen (Handel, Banken, Logistik, Tourismus) nachgezeichnet und Konkurrenzen zur akademischen Bildung (Bachelor und Master) aufgezeigt. Die Arbeitsmarktverwertbarkeit (beispielsweise Erwerbsstatus, Position, Einkommen) ausgewählter Qualifikationen wurde überprüft, um Hin-weise für die künftige Gestaltung beruflicher Bildungsgänge zu entwickeln. Zur Beantwortung dieser Fragestellungen wurden entsprechende berufliche und akademische Qualifikationen mittels einer Dokumentenanalyse unter Berücksichtigung der Systematik des Deutschen Qualifikationsrahmens betrachtet. Zudem wird eine Stellenanzeigenanalyse entsprechender betrieblicher Positionen und Tätigkeiten durchgeführt. Des Weiteren wurden die Rekrutierungsstrategien der Unternehmen und die dabei relevanten Kriterien in den obigen Branchen anhand von Fallstudien und einer Betriebsbefragung näher untersucht. Schließlich wurde eine Nachbefragung zur Erwerbstätigenbefragung 2017/18 hinsichtlich der Arbeitsmarktverwertbarkeit der beruflichen und akademischen Qualifikationen vor allem aus der Sicht der Individuen durchgeführt.

Mehr Informationen:https://www.bibb.de/dienst/dapro/de/index_dapro.php/detail/4.1.303

Anerkennung und Verwertbarkeit ausländischer Qualifikationen und Kompetenzen auf dem kanadischen Arbeitsmarkt

Analyse des Status Quo sowie der Methoden, Entscheidungsgrundlagen und Bezugspunkte der Rekrutierung

Kurzbeschreibung: Die kanadische Gesellschaft ist durch eine Vielzahl von Immigranten gekennzeichnet. Migrationspolitik und Anerkennungsverfahren orientieren sich stark an ökonomischen Kriterien sowie an Bildung, Fähigkeiten und Qualifikationen. Ziel des vorliegenden Projektes ist, Erkenntnisse zu gewinnen, inwiefern Immigranten ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen bei ihrer Berufstätigkeit in Kanada nutzen können. In einem quantitativen Zugang werden die PIAAC-Daten mittels verschiedener Regressionsmodelle analysiert. Die Ergebnisse sollen Hinweise liefern, inwieweit sich Annahmen der Humankapitaltheorie sowie der Theorie des Credentialism belegen lassen. Die quantitativen Analysen vergleichen die Immigranten mit der einheimischen Bevölkerung hinsichtlich des Phänomens der Skill Under-utilization sowie der Lohnungerechtigkeit. In einem qualitativen Zugang werden Fallstudien in kanadischen Unternehmen durchgeführt, um Verfahren und Methoden zu analysieren, die von Arbeitgebern und weiteren beteiligten Akteuren zum Treffen von Anerkennungsentscheidungen genutzt werden. Hier werden die Grundlagen und Bezugspunkte dieser Entscheidungen sowie die zu Grunde liegenden Informationen ermittelt. Weiter werden Gründe für den Einsatz bestimmter Verfahren und Methoden identifiziert sowie deren Zusammenhänge mit betrieblichen Anforderungen. Aus individueller Perspektive wird untersucht, wie Immigranten ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen gegenüber Arbeitgebern, Bildungsinstitutionen und weiteren relevanten Akteuren nachweisen und inwieweit sie über Informationen hinsichtlich der Anforderungen bei der Anerkennung verfügen. Daneben werden die Auswahl und das Angebot weiterer Qualifizierungsmaßnahmen durch Arbeitgeber und Bildungsanbieter, die Grundlagen und Bezugspunkte dieser Entscheidungen sowie die Zusammenhänge mit der Anerkennungsentscheidung untersucht. Methodisch geschieht dies durch Ergänzung der Fallstudien um Experteninterviews mit weiteren zentralen Akteuren. Im Rahmen der Fallstudien wird insbesondere Bezug genommen auf die theoretischen Konzepte des Signaling und Screening. Das Sampling berücksichtigt die Branchen Gesundheit und Informationstechnologie, die sich durch den Grad der Regulierung sowie differente Arbeitsmarktbedarfe unterscheiden. Es werden die Provinzen Ontario, British Columbia und Quebec untersucht, die sich durch besonders hohe Bevölkerungsanteile von Immigranten auszeichnen und sich bezüglich rechtlicher und institutioneller Rahmenbedingungen unterscheiden. Die Projektergebnisse leisten einen empirischen Beitrag hinsichtlich der Skill Under-utilization sowie der Lohnungerechtigkeit zum Nachteil von Immigranten und der Bedeutung von Informationen bei der Beurteilung ausländischer Qualifikationen und Kompetenzen. Darüber hinaus lassen sich aus den Erkenntnissen Hinweise für die Weiterentwicklung der obigen Theorien hinsichtlich der Bedeutung von Berechtigungsnachweisen sowie Berufserfahrungen ableiten.

Mehr Informationen: https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/317164952 ; http://dx.doi.org/10.1080/13636820.2018.1473469 ; https://doi.org/10.18848/2327-0004/CGP/v18i01 ; https://doi.org/10.1111/ijtd.12204

MoVA

Modelle und Verfahren zur Anerkennung im Ausland erworbener beruflicher Qualifikationen und Kompetenzen in ausgewählten Staaten - Gestaltungsprinzipien, Konstruktion, Umsetzung (Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Berufsbildung)

Kurzbeschreibung: Das Projekt MoVA zielte darauf ab, Strategien und Konzepte zur Anerkennung von im Aus-land erworbenen Berufsabschlüssen zu identifizieren, die in ausgewählten europäischen und außereuropäischen Staaten zur Anwendung kommen. Im Kern wurde versucht, eine Bestandsaufnahme und Systematisierung von entsprechenden Ansätzen in den Ländern vorzulegen, die ggf. als „Modelle guter Praxis“ in Deutschland Verwendung finden können. Seinen Begründungszusammenhang zieht MoVA aus den Diskussionen um das 2012 eingeführte Anerkennungsgesetz in Deutschland, mit dem hohe Erwartungen verbunden waren. Der Blick ins Ausland sollte zeigen, welchen Stellenwert dort die Anerkennung beruflicher Abschlüsse im Hinblick auf ökonomische, politische und/oder gesellschaftliche Zielvorgaben einnimmt und wie entsprechende Modelle konzipiert und institutionell eingebunden sind. Neben diesem auf der Ebene der Bildungssysteme angesiedelten Monitoringansatz bildeten die zur Anwendung kommenden Verfahren – und damit die Betrachtung der konkreten Umsetzungsebene – einen weiteren Schwerpunkt des Projektes. Untersucht wurden die Kriterien der Beurteilung, Verbreitung und de-facto-Nutzung der Verfahren sowie der potenzielle Nutzen aus Sicht unterschiedlicher Akteure. Konkret wurden in dem Projekt Länderstudien in Kanada, Australien, Großbritannien (England und Schottland) sowie der Schweiz durchgeführt.

Mehr Informationen: https://www.bibb.de/dienst/dapro/de/index_dapro.php/detail/1.3.301

GuK

Gemeinsamkeiten und Unterschiede kaufmännisch-betriebswirtschaftlicher Aus- und Fortbildungsberufe (Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Berufsbildung)

Kurzbeschreibung: Die kaufmännischen Aus- und Fortbildungsberufe haben sich sowohl quantitativ als auch qualitativ zu einem der bedeutendsten Segmente des deutschen dualen Berufsbildungssystems entwickelt. Dabei haben sie sich auch entlang der zunehmenden Spezialisierung von Branchen und Tätigkeiten weiter ausdifferenziert, so dass man nun von bundeseinheitlich über 50 kaufmännischen Aus- und über 30 kaufmännischen Fortbildungsordnungen sprechen kann. Zugleich ist die geregelte kaufmännische Berufsbildung verglichen mit der auf den mittelalterlichen Zunftregelungen des Handwerks basieren-den und davon abgeleiteten gewerblich-technischen industriellen Qualifizierung noch relativ jung. Dies mag auch ein Grund dafür sein, weshalb die kaufmännischen Berufe bislang weniger Gegen-stand der Berufsforschung waren. Dies waren Beweggründe, um die kaufmännischen Berufe in ihrer Gesamtheit in den Fokus eines BIBB-Forschungsprojektes zu stellen.

Das Projekt liefert Erkenntnisse über Gemeinsamkeiten, kaufmännische Kernqualifikationen und die Unterschiede kaufmännischer Berufe auf der Basis von:

  • systematischen Inhaltsanalysen bestehender Aus- und Fortbildungsordnungen,
  • einer repräsentativen Nachbefragung von erwerbstätigen Kaufleuten im Nachgang zur BIBB-BAuA Erwerbstätigenbefragung 2012,
  • zwei hermeneutischen Studien, die sich auf die Geschichte der Kaufleute und die kaufmännischen Angestellten in der Industriesoziologie beziehen,
  • eigenen Analysen betriebswirtschaftlicher und wirtschaftspädagogischer Modelle und
  • Vergleichsstudien zu kaufmännischen Berufsschneidungen und Anforderungen in der Schweiz und in Österreich.

Diese Erkenntnisse münden in eine Konzeption kaufmännischen Denkens und Handelns, die als Ausgangspunkt für die künftige Gestaltung kaufmännischer Aus- und Fortbildungsverordnungen herangezogen werden kann. Neben der Herausarbeitung der Gemeinsamkeiten liefert das Projekt Beschreibungen der Unterschiede zwischen den Ausbildungsberufen und zwischen der Aus- und Fortbildungsebene und gibt Hinweise auf die kaufmännische Berufsfamilie und Berufsgruppen. Schließlich werden auf der Grundlage der Analysen auch Hinweise auf übergreifende Anforderungen an Berufe vor dem Hintergrund wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und globaler Veränderungen gegeben, die auf eine ethisch verantwortete und nachhaltige Wirtschaft zielen.

Mehr Informationen: https://www.bibb.de/dienst/dapro/de/index_dapro.php/detail/4.2.202

CS3L

Credit-Systeme als Instrumente zur Förderung des lebensbegleitenden Lernens (Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Berufsbildung)

Kurzbeschreibung: Untersuchungen der OECD stufen Credit‐Systeme als äußerst effektive Instrumente zur Förderung des lebenslangen Lernens ein (OECD 2007). Ihnen wird die Funktion zugeschrieben, Transparenz, Vergleichbarkeit, Transferierbarkeit und wechselseitige Anerkennung von nachgewiesenen Lernleistungen zu ermöglichen und zu einer verbesserten Durchlässigkeit beizutragen. Gegenwärtig werden in Europa mit dem Begriff „Credit‐System“ ausschließlich die Instrumente ECTS (für die Hochschulen) und ECVET (für die Berufsbildung) verbunden. Es ist auffällig, dass in den europäischen Initiativen zur Einführung von Credit‐Systemen die Gestaltungsprinzipien wie die Vergabe von Credits (oft übersetzt mit „Leistungspunkten“) sowie Akkumulation und Transfer von zertifizierten Lernergebnissen auf der Grundlage von modular strukturierten Qualifikationseinheiten im Vordergrund stehen. Der Kern von Credit‐Systemen liegt insofern darin, Zu‐ und Übergänge zwischen verschiedenen Lernkontexten zu erleichtern und Bildungszeiten zu verkürzen.

Es ist zu fragen, ob in den Systemen ausgewählter Länder bereits Modelle existieren, die ebenfalls darauf ausgerichtet sind, Transparenz, Vergleichbarkeit und Anerkennung durch Anrechnungsverfahren zu gewährleisten und die sich ggf. auf andere Gestaltungsprinzipien gründen. In Dänemark, den Niederlanden, Deutschland und Schottland lassen sich entsprechende Beispiele finden, die implementiert sind bzw. gegenwärtig diskutiert werden. Sie reichen von Portfolio‐Verfahren über gesetzlich regulierte Ansprüche auf Anrechnungsprozeduren bis zu fest im Bildungssystem verankerten Anrechnungsmechanismen zwischen den einzelnen Lernkontexten.

Das im Forschungsprojekt zugrunde gelegte Verständnis von „Credit‐System“ ist nicht mit einem Leistungspunktesystem gleichzusetzen, da ‐ mit Ausnahme von Schottland ‐ die Verfahren in den betreffenden Ländern ohne die Vergabe von Credits/ Leistungspunkten praktiziert werden. Obwohl in allen untersuchten Ländern ein institutioneller oder gesetzlicher Rahmen existiert, der die Anrechnung von Lernleistungen ermöglicht, ist jedoch das Wissen über die konkrete Anwendung und Durchführung, die de‐facto‐Nutzung und die Wirkung dieser Verfahren und Modelle unzureichend. Darüber hinaus ist zu fragen, ob die implementierten Verfahren als ein die verschiedenen Lernkontexte des Bildungssystems übergreifendes „System“ verstanden werden können, das in der Lage ist, lebenslanges Lernen und Durchlässigkeit zu fördern. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass

  • in Dänemark und in den Niederlanden die Anrechnung von Lernleistungen von einem Kontext in einen anderen mehrheitlich nach Prinzipien der „recognition of prior learning“ erfolgt
  • die Anrechnung in allen Ländern mehrheitlich eine Einzelfallbetrachtung voraussetzt und mit keinem Automatismus verbunden ist
  • in allen untersuchten Ländern die aufnehmende Stelle entscheidet, ob eine Anrechnung erfolgt und
  • die praktizierten Verfahren sich in keinem der untersuchten Ländern explizit auf das europäische Leistungspunktesystem ECVET beziehen.

 

Mehr Informationen: https://www.bibb.de/dienst/dapro/de/index_dapro.php/detail/1.5.203