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Altersvorsorge für Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH – Pensionszusage über ein Versorgungskonto

  1. Wer ist beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer?

Beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH (im folgenden GGF) sind natürliche Personen, die in der GmbH eine beherrschende Gesellschafterstellung innehaben. Diese ist dann gegeben, wenn mindestens 50 % des Kapitals gehalten werden. Ausnahmefälle, bei denen eine beherrschende Gesellschafterstellung bereits bei einem Kapitaleinsatz von unter 50 % gegeben ist, sollen hier ausgeklammert bleiben. Ein GGF unterliegt nicht dem persönlichen Geltungsbereich des Betriebsrentengesetzes nach § 17 Abs. 1 BetrAVG. Es gelten deshalb nicht die Unverfallbarkeitsfristen nach § 1b BetrAVG, der Insolvenzschutz nach §§ 7 ff. BetrAVG und der Numerus Clausus der Zusagearten nach § 1 BetrAVG. Allerdings sind steuerliche Besonderheiten zu beachten.

  1. Der GGF in der betrieblichen Altersversorgung

Zusätzlich zum Gehalt darf die Gesellschaft dem GGF eine angemessene betriebliche Altersversorgung versprechen. Das ist aber nur im Rahmen einer angemessenen Gesamtvergütung möglich. Dabei werden die Barvergütungen inkl. des steuerlich ermittelten Gegenwerts der Pensionszusage einem Fremdvergleich unterzogen, d.h. die Gesellschaft hätte ein Gehalt und eine Altersversorgung in dieser Höhe auch einem Geschäftsführer erteilen können, der Nichtgesellschafter ist.

In der Praxis haben sich als Durchführungswege einer betrieblichen Altersversorgung für GGF dieDirektversicherung, die rückgedeckte Unterstützungskasse, und die Pensionszusage etabliert.

Im Folgenden soll die innovative Idee einer Pensionszusage über ein Versorgungskonto näher erläutert werden.

  1. Die klassische Pensionszusage

Der Pensionszusage kommt die größte praktische Bedeutung zu. Nach Erläuterungen zur klassischen Pensionszusage wird eine Sonderform der Pensionszusage, nämlich die Pensionszusage über ein Versorgungskonto, näher erläutert.

3.1 Gesellschafterbeschluss notwendig

Für die Einführung einer Pensionszusage ist ein Gesellschafterbeschluss notwendig, um steuerlich anerkannt zu werden.

3.2 Selbstkontrahierungsverbot

Bei Verträgen des GGF mit der GmbH ist das Selbstkontrahierungsverbot gemäß § 181 BGB beachtlich. Dies gilt gem. § 35 Abs. 3 GmbHG auch für den Alleingesellschafter einer GmbH. In der Satzung der GmbH kann jedoch vorgesehen sein, dass der GGF vom Selbstkontrahierungsverbot befreit ist. Ist dies noch nicht geschehen, muss der Gesellschaftervertrag diesbezüglich geändert werden.

3.3 Unzulässigkeit einer Überversorgung

Die Versorgung muss nach der Rechtsprechung des BFH angemessen sein. Nach einer Rechtsprechung des BFH aus dem Jahre 1995 (BFH 17.05. 1995 DB 1995, 1992) galt bei Rentenzahlungen eine Überversorgungsgrenze von 75 % des Endgehalts. Die Rechtsprechung orientierte sich an der damals maximal möglichen Beamtenversorgung mit 75 % des Endgehalts.  Da die maximale Beamtenversorgung auf 71,75 % gesunken ist, dürfte heutzutage, um auf der sicheren Seite zu sein, die Überversorgungsgrenze bereits bei 70 % des letzten Gehalts liegen. Dies entspricht bei einem Zinssatz von 6 % einem Einmalbetrag in Höhe des 10,2-fachen des Endgehalts des GGF (Heubeck 2018 G). Leistungen aus der GRV wären hierauf anzurechnen[1].

3.4 Erdienbarkeit der betrieblichen Altersversorgung

Nach BFH-Rechtsprechung (BFH BB 1995, 861) müssen zwischen dem Vereinbarungszeitpunkt und dem Zeitpunkt des Beginns einer vorzeitigen Altersleistung (62. Lebensjahr) mindestens 10 Jahre liegen und der GGF darf zum Zusagezeitpunkt noch nicht 60 Jahre alt sein.

3.5 Wartezeit

Nach BFH-Rechtsprechung muss eine Wartezeit von 3 Jahren durchlaufen sein, dh der GGF muss diese Funktion seit mindestens 3 Jahren wahrgenommen haben.

3.6 Finanzierbarkeit der betrieblichen Altersversorgung

Die Pensionszusage muss finanzierbar sein, dh sie darf zu keinerÜberschuldung in der Bilanz führen (zur Ausfinanzierung bei einer Pensionszusage über ein Versorgungskonto siehe unten).

    1. Schriftform, Rechtsanspruch, Eindeutigkeit

Um nach § 6a EstG steuerlich anerkannt zu werden, muss die Zusage schriftlich erteilt worden sein, der GGF muss einen Rechtsanspruch auf die Pensionsleistung haben, die Pensionszusage muss eindeutige Angaben zu Art, Form, Voraussetzungen und Höhe der in Aussicht gestellten künftigen Leistungen enthalten, sie darf keinen steuerschädlichen Widerrufsvorbehalt enthalten und die Versorgungsleistungen dürfen nicht von zukünftigen gewinnabhängigen Bezügen abhängen (§ 6a Abs. 1 EStG).

3.8. Definition des Versorgungsfalles

Die Pensionszusage muss die Versorgungsfälle definieren, bei denen eine Auszahlung der betrieblichen Altersversorgung möglich ist. Als Versorgungsfälle sind grundsätzlich Alter, Invalidität oder Tod anerkannt.

In der Regel hat der GGF im Erlebensfall Anspruch auf eine Versorgung

als Altersleistung, wenn das Dienstverhältnis als GGF mit oder nach Erreichen der Regelaltersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung endet, oder als

vorzeitige Altersleistung, wenn das Dienstverhältnis als GGF nach Vollendung des 62. Lebensjahres und vor Erreichen der festen Altersgrenze endet, oder als

Invalidenleistung, wenn das Dienstverhältnis als GGF vor Erreichen der festen Altersgrenze endet und der Geschäftsführer berufsunfähig ist, weil er den Beruf eines Geschäftsführers aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann.

Der hinterlassene Ehegatte und die hinterlassenen Kinder, sofern für sie noch eine Kindergeldberechtigung besteht (§ 32 Abs. 3 und 4 Satz 1 Nr. 1 bis 3 sowie Absatz 5 EstG) erwerben eine Todesfallleistung, wenn das das Dienstverhältnis durch Tod endet.

3.9 Die Versorgungsformel

Der Pensionszusage muss die Höhe der Versorgung definieren, die der GGF bei Eintritt des Versorgungsfalles erhält. Dies ist der „Motor“ der betrieblichen Altersversorgung. Je höher die Versorgung, desto besser für den GGF, aber auch desto teurer für die GmbH. Die Höhe der Versorgung kann bei Leibrenten bis zur Höchstgrenze von 70 % des Endgehaltes (Verbot der Überversorgung, siehe oben) oder dem 10,2fachen des Endgehalts (Kapitalzusagen) frei vereinbart werden. In der klassischen Pensionszusage wird dem GGF in der Regel eine monatliche Leibrente zB in Höhe von 3000,00 € zugesagt.

3.10 Beitragszeit

In der Regel wird die Pensionszusage unbefristet erteilt. Es gibt nach den Grundsätzen der Vertragsfreiheit aber auch die Möglichkeit, nur eine bestimmte Beitragszeit festzulegen, die Beiträge nur für einen bestimmten Zeitraum zuzusagen und in der Folge gegebenenfalls zu prolongieren. So ist es ist möglich, dass die Gesellschaft die Zusage auf ein Jahr befristet und jedes Jahr neu entscheidet, ob und in welcher Höhe sie dem GGF eine Zusage macht.

3.11 Vertragliche Unverfallbarkeit

GGF gelten nicht als Arbeitnehmer oder arbeitnehmerähnliche Personen im Sinne des § 17 Abs. 1 BetrAVG. Die gesetzlichen Unverfallbarkeitsfristen gemäß § 1b BetrAVG gelten nicht. Es ist aber möglich, für den Fall des Ausscheidens des GGF aus den Diensten des Unternehmens eine vertragliche Unverfallbarkeit analog § 1b BetrAVG zu vereinbaren.

3.12  Vertraglicher Insolvenzschutz

Da GGF nicht als Arbeitnehmer oder arbeitnehmerähnliche Personen im Sinne des § 17 Abs. 1 BetrAVG gelten, gibt es auch keine Insolvenzsicherungspflicht durch den Pensionssicherungsverein nach §§ 7 ff. BetrAVG. Es ist aber ein vertraglicher Insolvenzschutz möglich. Hierzu bieten sich 2 Möglichkeiten an. Häufig schließt die GmbH eine Rückdeckungsversicherung mit einem Versicherungsunternehmen ab. Diese Rückdeckungsversicherung wird an den GGF verpfändet. Eine solche Rückdeckungsversicherung ist teuer. Billiger ist die Einzahlung von Kapital auf ein Versorgungskonto. Das Versorgungskontoguthaben wird sodann an den GGF verpfändet (siehe unten). Der BGH hat ein Verpfändungsmodell höchstrichterlich als vertragsrechtliches Mittel anerkannt (BGH DB 1997, 2113).

  1. Steuerliche Behandlung der Pensionszusage

Das Versorgungsguthaben ist in der Steuerbilanz bzw. in der Handelsbilanz in Höhe der Anschaffungskosten zu aktivieren. Das Unternehmen muss für die Zusage Rückstellungen bilden, die in der Steuerbilanz bzw. in der Handelsbilanz zu passivieren sind.

Rechtsgrundlage für die Verpflichtung zur Bildung von Rückstellungen in der Steuerbilanz ist § 6a EStG, in der Handelsbilanz § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB.

Der Zinssatz, mit dem die Rückstellungen abzuzinsen sind, beträgt in der Steuerbilanz gemäß § 6a Abs. 3 Satz 3 EStG 6%, in der Handelsbilanz gemäß § 253 Abs. 2 Satz 2 HGB aktuell (31.12. 2021) im 10-Jahres-Durchschnitt 1,98 %.

Die Zuführung zu den Rückstellungen sind Betriebsausgaben und in der Gewinn- und Verlustrechnung als Personalaufwand auszuweisen (§ 275 Abs. 2 Nr. 6b HGB). Die Auflösung sind Betriebseinnahmen.

Die Zuführung zu den Rückstellungen stellen für den GGF keinen Zufluss dar und sind nicht zu versteuern (Zuflussprinzip). Erst in der Auszahlungsphase ist die Auszahlung aus dem Versorgungskonto gemäß §§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 ; 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG vollumfänglich individuell zu versteuern. Bei Auszahlung eines Einmalkapitals ist die Anwendung der Fünftelungsregelung gemäß § 34 EStG möglich.

6. Die Vor- und Nachteile der klassischen Pensionszusage

Die klassische Pensionszusage hat den Vorteil, dass der Liquiditätsbedarf erst bei Eintritt des Versorgungsfalles auftritt. Von Nachteil ist allerdings, dass hier zum Zwecke des Insolvenzschutzes der Abschluss einer (teuren) Rückdeckungsversicherung angezeigt ist und die Pensionszusage – gerade auch im Hinblick auf die Reduzierung der Gewinnbeteiligungen auf Seiten der Lebensversicherer in den letzten 10-15 Jahren – typischerweise nicht ausfinanziert ist.

7.Unser Favorit: Die Pensionszusage über ein Versorgungskonto

Bei einer Pensionszusage über ein Versorgungskonto handelt es sich um eine rechtlich zulässige Abwandlung der klassischen Pensionszusage, die versucht, die Nachteile der klassischen Pensionszusage zu vermeiden. Es gelten die folgenden Besonderheiten:

7.1 Errichtung eines Versorgungskontos

Die GmbH legt für den GGF ein Versorgungskonto bei einem Kreditinstitut an. Das Versorgungskonto wird im Namen und auf Rechnung der Gesellschaft geführt.

7.2 Jährliche neue Zusage eines Kapitalbausteines

Die Zusage ist jeweils auf ein Jahr befristet. Die GmbH sagt dem GGF einen Kapitalbaustein jährlich neu zu und zahlt diesen Betrag auf das Versorgungskonto ein. Hinzu kommen evtl. die Kapitalerträge. Über die Höhe des Kapitalbausteins entscheidet die GmbH nach freiem Ermessen. Ein Rechtsanspruch des GGF auf eine bestimmte Höhe existiert nicht. Überversorgungsgrenzen sind zu beachten. Das heißt, dass zB in guten Geschäftsjahren mehr und in schlechten Jahren weniger eingezahlt werden kann. Es ist auch möglich, zukünftig überhaupt keine Einzahlungen mehr vorzunehmen. 

7.3 Nominalwertgarantie

Die betriebliche Altersversorgung besteht in dem jeweils aufgelaufenen Versorgungsguthaben, mindestens in der Summe der eingezahlten Beiträge.

7.4 Auszahlungsvarianten Einmalkapital oder Rate

Als Auszahlungsvarianten sind bei Eintritt des Versorgungsfalls die Auszahlung von Einmalkapital und die Verratung [2] des Einmalkapitals möglich.

7.5 Vertraglicher Insolvenzschutz

Das Guthaben aus dem Versorgungskonto wird vertraglich gegen Insolvenz geschützt, indem die GmbH das Versorgungskonto an den GGF bzw. im Falle seines Todes an seine Hinterbliebenen aufschiebend bedingt für den Insolvenzfall verpfändet und diese Verpfändung dem Kreditinstitut anzeigt.

7.6 Vertraglicher Unverfallbarkeitsschutz

Ein Unverfallbarkeitsschutz analog § 1b BetrAVG wird vertraglich vereinbart. In diesem Fall stehen dem GGF das bis dahin aufgelaufene Versorgungsguthaben zuzüglich weiterer zukünftiger Erträge analog § 2 Abs. 6 BetrAVG zur Verfügung.

7.7 Steuerliche Behandlung der Pensionszusage über ein Versorgungskonto

Das Unternehmen muss für die Zusage wie bei der klassischen Pensionszusage das Guthaben in der Steuerbilanz bzw. in der Handelsbilanz aktivieren und Rückstellungen bilden, die zu passivieren sind. Bezugsgröße für die Berechnung der Rückstellungen ist das jeweils angesparte Versorgungsguthaben, nicht die Beiträge, die eingezahlt werden.

7.9 Verzicht auf betriebliche Altersversorgung

Grundsätzlich ist es möglich, dass der GGF auf sein bereits erdientes Versorgungsguthaben teilweise oder vollständig unentgeltlich verzichtet. Dies kann zB angezeigt sein, um eine wirtschaftliche Notlage der Gesellschaft zu überbrücken. Die Gesellschaft kann dann über das Guthaben wiederum verfügen. Ein solcher Verzicht ist aber mit steuerlichen Nachteilen für den GGF verbunden (siehe BFH vom 23.06.2017 VI R 4/16) und sollte wohlüberlegt sein.  Bei einem Verzicht sind die Rückstellungen insoweit aufzulösen.  In Höhe der Auflösung der Rückstellung kommt es zu einer verdeckten Einlage (§ 8 Absatz 3 Satz 3 KStG). Die verdeckte Einlage entspricht dem Wiederbeschaffungswert des Teils der Pensionsansprüche, auf den verzichtet wird. Auf der Geschäftsführerebene kommt es zu einem Lohnzufluss, der als zusätzliche Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit nach §§ 19,34 EstG zu versteuern ist.

  

7.8 Die Vorteile einer Pensionszusage über ein Versorgungskonto

7.8.1 Hohe Flexibilität

Da die Höhe der Kapitalbausteine kann jährlich neu festgelegt werden kann, besteht eine hohe Flexibilität der Versorgungszusage

7.8.2 Ausfinanzierung der Zusage

Die Zusage ist bereits in der Anwartschaftsphase vollständig ausfinanziert. Bei Eintritt des Versorgungsfalles, beispielsweise bei unerwarteter Invalidität gibt es keinen Liquiditätsbedarf mehr. Auch eine Liquidierung oder eine Veräußerung der GmbH ist deshalb problemlos möglich, da keine Nachschusspflicht besteht.

7.8.3 Keine Rückdeckungsversicherung notwendig

Die klassische Pensionszusage arbeitet in der Regel unter Einschaltung einer Rückdeckungsversicherung, um einen Insolvenzschutz zu erzielen. Das hier vorliegende Modell arbeitet durch die Verpfändung des Kontos an den GGF ohne zusätzliche Rückdeckungsversicherung und ist deshalb kostengünstiger.

7.8.4 Rückführung des Versorgungskapitals an die Gesellschaft möglich

Durch einen Verzicht des GGF auf sein Versorgungskapital ist eine Rückführung des Kapitals – im Gegensatz zB zu einer Versorgung über eine Rückgedeckte Unterstützungskasse - an die Gesellschaft, allerdings verbunden mit steuerlichen Nachteilen, möglich.

8. Muster einer Pensionszusage über ein Versorgungskonto

Zwischen der ----  nachfolgend „Gesellschaft“

sowie

Herrn ---  nachfolgend „Geschäftsführer“

wird die folgende Versorgungskontovereinbarung abgeschlossen.

  1. Aufbau eines Versorgungskontos

 

Die Gesellschaft legt für den Geschäftsführer ein Versorgungskonto[3] an. Das Versorgungskonto wird bei ……………….. (Kreditinstitut) auf einem Konto   Kontonummer…… im Namen und auf Rechnung der Gesellschaft geführt.

Das Versorgungskonto muss in Geld geführt werden. Die Erträge aus den Versorgungskonto stehen dem Geschäftsführer zu. Die Kontoführungsgebühren trägt die Gesellschaft.

  1. Dotierung des Versorgungskontos

Das Versorgungskonto wird durch laufende oder einmalige Beiträge der Gesellschaft oder des Geschäftsführers dotiert.

Die Gesellschaft kann Beiträge in das Versorgungskonto entrichten. Ein Rechtsanspruch des Geschäftsführers besteht, auch im Falle von wiederholten Zahlungen, nicht.

Die Beiträge des Geschäftsführers finanzieren sich durch Bruttoarbeitsentgeltumwandlung. Durch die Umwandlung wird das an den Geschäftsführer auszuzahlende Bruttoarbeitsentgelt um den Umwandlungsbetrag gekürzt.

  1. Grenzen der Dotierung des Versorgungskontos

Die Dotierung des Versorgungskontos durch die Gesellschaft darf in einem Kalenderjahr maximal 25 % eines Bruttojahresgehaltes betragen. Erfolgt in einem Kalenderjahr keine Dotierung durch die Gesellschaft, kann sie in späteren Kalenderjahren vollständig oder teilweise nachgeholt werden. Eine Dotierung durch die Gesellschaft ist ausgeschlossen, sofern das Versorgungskonto einschließlich der Erträge das 10fache des Jahresgehalts des Geschäftsführers erreicht hat[4].

  1. Zweck des Versorgungskontos

Das Versorgungskonto dient der betrieblichen Altersversorgung des Geschäftsführers und wird bei Eintritt eines Versorgungsfalles an den Geschäftsführer oder seine Hinterbliebenen ausgezahlt.

5. Versorgungsfall

Der Geschäftsführer erwirbt im Erlebensfall Anspruch auf das Guthaben aus dem Versorgungskonto als

Altersleistung, wenn das Rechtsverhältnis als Geschäftsführer mit oder nach Erreichen der Regelaltersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung endet, oder als

vorzeitige Altersleistung, wenn das Rechtsverhältnis als Geschäftsführer nach Vollendung des 62. Lebensjahres und vor Erreichen der festen Altersgrenze endet, oder als

Invalidenleistung, wenn das Rechtsverhältnis als Geschäftsführer vor Erreichen der festen Altersgrenze endet und der Geschäftsführer berufsunfähig ist, weil er den Beruf eines Geschäftsführers aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann. Die Berufsunfähigkeit muss der Geschäftsführer durch geeignete medizinische Gutachten nachweisen.

Als Todesfallleistung erwirbt der hinterlassene Ehegatte einen Anspruch auf das Guthaben aus dem Versorgungskonto, wenn das Rechtsverhältnis als Geschäftsführer durch Tod endet.

Die hinterlassenen Kinder im Sinne von § 32 Abs. 3 und 4 Satz 1 Nr. 1 bis 3 sowie Absatz 5 EStG erwerben als Gesamtgläubiger Anspruch auf das Guthaben aus dem Versorgungskonto als Waisenleistung, wenn das Rechtsverhältnis als Geschäftsführer durch Tod endet und kein Anspruch eines hinterlassenen Ehegatten besteht.

  1. Auszahlung von Versorgungskonto

Die Auszahlung des Guthabens aus dem Versorgungskonto erfolgt als Einmalkapital[5].

Als Einmalkapital ist das Versorgungskonto am 31. März des auf den Versorgungsfall folgenden Jahres zur Auszahlung fällig. Auf Antrag des Geschäftsführers oder seiner Hinterbliebenen kann die Fälligkeit des Einmalkapitals einvernehmlich vorverlegt werden.

Auf Antrag des Geschäftsführers kann im Erlebensfall das Kapital in bis zu maximal 10 Jahresraten ausgezahlt werden. Die Jahresraten sind mit 1 % jährlich zu verzinsen.

  1. Nominalwertgarantie

Die Gesellschaft verpflichtet sich, im Zeitpunkt der Inanspruchnahme des Guthabens aus dem Versorgungskonto mindestens die Summe der eingezahlten Beiträge zur Verfügung zu stellen.

  1. Sofortige Unverfallbarkeit

Für den Fall des Ausscheidens des Geschäftsführers aus den Diensten des Unternehmens wird die Unverfallbarkeit[6] des Guthabens des Versorgungskontos vereinbart, wenn die Voraussetzungen des § 1b BetrAVG vorliegen. In diesem Fall stehen ihm die bis dahin eingezahlten Beiträge nebst Erträgen zur Verfügung.

  1. Vertraglicher Insolvenzschutz

Das Guthaben aus dem Versorgungskonto wird vertraglich gegen Insolvenz geschützt, indem die Gesellschaft hiermit ihre Forderungen gegen das Kreditinstitut auf Auszahlung des Guthabens aus dem Versorgungskonto an den Geschäftsführer bzw. im Falle seines Todes an seine Hinterbliebenen aufschiebend bedingt für den Insolvenzfall verpfändet und diese Verpfändung dem Kreditinstitut anzeigt.

Insolvenzfall ist die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Gesellschaft bzw. die Ablehnung mangels Masse.

Der Geschäftsführer bzw. seine Hinterbliebenen sind im Insolvenzfall zur Verwertung des Guthabens aus dem Versorgungskonto berechtigt, wenn der Versorgungsfall eingetreten ist.

 


[1] Mann, geb. 1992, Rentenalter 65, kein Rententrend, Zins 6%, Heubeck 2018 G und 60% Witwenrente (drei Jahre jünger)

 

[2] Eine zusätzliche Verrentungsvariante durch Einzahlung des Kapitals in eine Versicherung wäre möglich.

[3] Es handelt sich um eine Beitragszusage mit Mindestleistung analog § 1 Abs. 2 Nr. 2 BetrAVG als Direktzusage. Da das BetrAVG nicht unmittelbar gilt, ist eine Beitragszusage mit Mindestleistung mit einer Direktzusage kombinierbar.

[4] Das ist die Obergrenze, die sich ergibt, wenn man eine Monatsrente in Höhe von 70 % des letzten Gehaltes in einen Einmalbetrag umrechnet bei einem in der Steuerbilanz maßgeblichen Zinssatz von 6 %.

[5] Wenn das Guthaben zur Auszahlung kommt, sind die Rückstellungen in entsprechender Höhe aufzulösen. Die Auszahlung an den Geschäftsführer (oder seine Hinterbliebenen) sind Betriebsausgaben der Gesellschaft und durch den Geschäftsführer nach § 34 EStG steuerbegünstigt zu versteuern.

[6] Dies ist von Bedeutung, falls der Geschäftsführer die Gesellschaft verlässt. In diesem Fall stehen ihm die bis dahin eingezahlten Beiträge nebst Zinsen analog § 2 Abs. 6 BetrAVG zur Verfügung.

Prof. Dr. Ulrich-Arthur Birk Universität Bamberg