Open Science Policy

1. Präambel

Open Science wird als umfassendes Konzept definiert, das beabsichtigt, wissenschaftliche Erkenntnisse offen zugänglich und nachnutzbar zur Verfügung zu stellen, die wissenschaftliche Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zu fördern und die Prozesse der Wissenserstellung, -bewertung und -vermittlung transparent und über die Wissenschaft hinaus verfügbar zu machen.

Open Science stützt sich auf die Grundprinzipien Transparenz, Wiederverwendbarkeit, Reproduzierbarkeit und offene Kommunikation im gesamten Forschungs- und Lehrprozess, in allen Disziplinen und in allen Einrichtungstypen. Wissenschaftliche Kooperationen und Informationsaustausch innerhalb der Wissenschaft sowie mit der Gesellschaft werden ermöglicht.

Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg setzt sich nachdrücklich für eine offene Wissenschaftskultur ein und fordert ihre Angehörigen dazu auf, die Open-Science-Transformation und den damit einhergehenden Kulturwandel aktiv mitzugestalten.

Dabei folgt sie dem Grundsatz „as open as possible, as closed as necessary“. Open Science verändert das wissenschaftliche Arbeiten in den Bereichen, in denen keine rechtlichen, ethischen oder sonstigen Gründe entgegenstehen. Die Universität nimmt Rücksicht auf fachspezifische Anforderungen und Einschränkungen bei der Umsetzung der in dieser Policy genannten Empfehlungen.

Open Science umfasst alle Disziplinen, ist Teil guter wissenschaftlicher Praxis und stützt sich nach der UNESCO Recommendation on Open Science (2021) auf folgende Grundpfeiler:

  • Offener Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen (Open scientific knowledge): offener Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen, Forschungsdaten, Metadaten, Lehr- und Lernmaterialien, Software und Quellcode sowie Hardware.
  • Offene Forschungsinfrastrukturen (Open science infrastructures): virtuell oder physisch, wissensbasierte Ressourcen (Sammlungen, Zeitschriften, Open-Access-Publikationsplattformen, Repositorien).
  • Offene Einbindung gesellschaftlicher Akteur*innen (Open engagement of societal actors): erweiterte Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Akteur*innen außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, Öffnung (von Teilen) des Forschungsprozesses.
  • Offener Dialog mit anderen Systemen der Wissensproduktion (Open dialogue with other knowledge systems).

Diese Policy stützt sich auf die Leitlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (2021), den DFG-Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“, die „Empfehlung (EU) 2018/790 der Kommission vom 25. April 2018 über den Zugang zu wissenschaftlichen Informationen und deren Bewahrung“ und die UNESCO Recommendation on Open Science (2021).

Die vorliegende Open Science Policy bildet zudem den Rahmen für die Open Access Policy, die Forschungsdaten-Policy (2022) und die Open Educational Resources Policy der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, die bestimmte Teilbereiche von Open Science spezifizieren.

Mit dieser Open Science Policy stärkt die Otto-Friedrich-Universität ihre strategische Ausrichtung hin zu einer offenen Wissenskultur und gibt ihren Angehörigen Leitlinien und Empfehlungen zur Öffnung des wissenschaftlichen Lehr- und Forschungsprozesses an die Hand.

2. Geltungsbereich

Die vorliegende Open Science Policy richtet sich an alle an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg tätigen Forschenden, Lehrenden, Studierenden und Gastwissenschaftler*innen.

Wird eine Forschungstätigkeit durch Dritte gefördert und enthält der Fördervertrag besondere Bestimmungen zu Open Science, so haben diese Vorrang vor der universitären Policy.

Entstehen im Rahmen von Forschungsprojekten Policies, die gleichwertige oder strengere Vorgaben beinhalten, haben diese ebenfalls Vorrang vor dieser Policy.

3. Allgemeine Empfehlungen

Um Open Science nachhaltig umzusetzen, stellt die Universität die dazu erforderliche organisatorische und technische Infrastruktur bereit und unterstützt Initiativen und das Engagement ihrer Angehörigen im Bereich Open Science.

Die Universität empfiehlt ihren Einrichtungen, Fakultäten, Forschenden, Lehrenden und Studierenden, Open Science u. a. durch folgende Maßnahmen zu unterstützen:

  1. Die Berücksichtigung der Grundsätze, die in dieser Policy zum Ausdruck kommen, im gesamten Lehr- und Forschungsprozess.
  2. Die Verwendung persistenter Identifikatoren wie z. B. Digital Object Identifier (DOI), Open Researcher and Contributor ID (ORCID) und Research Organization Registry ID (ROR).
  3. Die standardisierte Angabe der Universitätsbezeichnung (Affiliation) Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Rahmen von Veröffentlichungen.
  4. Die offene Lizenzierung von Forschungsergebnissen, unter Berücksichtigung des Urheberrechts und weiterer Schutzrechte. Konkret wird die Nutzung der open-access-konformen Creative-Commons-Lizenzen CC-BY oder CC-BY-SA empfohlen.
  5. Die frühzeitige Abstimmung neuer Forschungsvorhaben mit den zuständigen wissenschaftsstützenden Service-Einrichtungen und Dezernaten.
  6. Die Beantragung von bei dem jeweiligen Fördermittelgeber förderfähigen Mitteln für die Umsetzung von Open-Science-Praktiken.
  7. Die Unterstützung von Open Science durch Gutachtenden- oder Herausgebendentätigkeit.
  8. Die Eingabe ihrer Forschungsergebnisse in das Forschungsinformationssystem (FIS) der Universität.
  9. Die Umsetzung von Qualitätssicherungsmaßnahmen, wie beispielweise einer transparenten Dokumentation und Prä-Registrierung von Studien und die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in zertifizierten, vertrauenswürdigen Repositorien und in seriösen Publikationsorganen mit Review-Verfahren (Vermeidung unseriöser Publikationsangebote wie predatory publishers oder Paper Mills).
  10. Die nachhaltige Bereitstellung von Forschungsergebnissen mit persistenten Identifikatoren, in geeigneten Repositorien.
  11. Den nachhaltigen Betrieb der Open-Science-Infrastrukturen und Bereitstellung von finanziellen und personellen Ressourcen für Open-Science-Dienste im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel.
  12. Die transparente und kritische Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Rahmen des Forschungsprozesses und die Offenlegung der KI-Nutzung und Gewährleistung der Reproduzierbarkeit bei einer Veröffentlichung der Forschungsergebnisse.
  13. Die Bereitstellung der offenen Forschungsergebnisse in einer möglichst barrierefreien Form gemäß der „Allgemeinen Erklärung zur Barrierefreiheit“ der Universität Bamberg.

4. Spezifische Empfehlungen

Open Access

Als Teil von Open Science ist Open Access eine zukunftsweisende Strategie der Wissenschaftskommunikation. In Verbindung mit entsprechenden Nutzungsrechten ermöglicht der freie und direkte Zugang zu wissenschaftlichen Inhalten die volle Nutzbarkeit von Forschungsergebnissen in Forschungsumgebungen und Wissenschaftsnetzwerken.

Die Otto-Friedrich-Universität unterstützt die umfassende freie Zugänglichmachung von an der Universität entstandenem Wissen mit ihrer 2011 veröffentlichten und 2025 aktualisierten Open Access Policy. Diese spezifiziert die vorliegende Open Science Policy hinsichtlich des offenen Zugangs zu wissenschaftlichen Inhalten.

Die Forschungs- und Publikationsservices der Universitätsbibliothek unterstützen Forschende mit Informations-, Beratungs- und Schulungsangebot.

Open Research Data 

Unter Open Research Data werden Daten verstanden, die ohne rechtliche, finanzielle oder technische Einschränkung zur freien Nutzung, Weiterverbreitung und Weiterverwendung zusammen mit sie beschreibenden Metadaten zugänglich gemacht werden.

Offenheit und Transparenz bei Forschungsdaten sind aufgrund unterschiedlicher Gründe nicht immer zu einhundert Prozent umsetzbar. Daher gilt der Grundsatz „as open as possible, as closed as necessary“. In diesem Zusammenhang wird auch von FAIR Data gesprochen, die darauf abzielen, Forschungsdaten menschen- und maschinenlesbar optimal aufzubereiten und zugänglich zu machen. Die Nachnutzbarkeit muss dabei nicht uneingeschränkt gegeben sein, sondern sollte im Rahmen des rechtlich und technisch Möglichen umgesetzt werden.

Die Universität fordert ihre Forschenden dazu auf, Forschungsdaten unter Einhaltung der rechtlichen und ethischen Vorgaben und Beschränkungen, gemäß der FAIR-Prinzipien in etablierten disziplinübergreifenden oder fachlichen Repositorien ohne Zugangsbeschränkung öffentlich zugänglich zu machen.

Mehr Details sind in der am 30.11.2022 von der Universitätsleitung verabschiedeten Forschungsdaten-Policy zu finden, die den Angehörigen der Universität Leitlinien für den Umgang mit Forschungsdaten an die Hand gibt.

Der institutionelle Forschungsdatenmanagement-Service (FDM-Service) unterstützt Forschende mit seinem Informations-, Beratungs- und Schulungsangebot.

Open Educational Resources (OER)

OER werden, der UNESCO-Empfehlung zu Open Educational Resources (2019) folgend, als Lehr-, Lern- und Forschungsmaterialien verstanden, die in unterschiedlichen Formaten vorliegen können und unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden, sodass sie kostenlos zugänglich, zu beliebigen Zwecken weiterverwendbar, nutzbar, bearbeitbar und weiterverbreitbar sind.

Offene Bildungsressourcen leisten einen substanziellen Beitrag zur Digitalisierung der Lehre und tragen zur Förderung einer offenen und kollaborativen Lehr- und Lernkultur bei.

Die Universität Bamberg fördert den Zugang zu sowie die Erstellung und Weiterverwendung von offenen Bildungsressourcen, um eine offene Lehr- und Lernkultur mit frei zugänglichen Lehr- und Lernmaterialien zu schaffen. Sie appelliert an ihre Angehörigen, OER, die wissenschaftlichen Standards entsprechen, unter einer offenen Lizenz zu veröffentlichen.

Der Umgang mit Open Educational Resources wird in der Open Educational Resources Policy konkretisiert.

Open Source / Open Research Software

Open Research Software bezeichnet Software, deren Quellcode unter einer offenen Lizenz veröffentlicht ist. Open Research Software trägt zur Transparenz, Reproduzierbarkeit und Kollaboration in der Wissenschaft bei, indem sie es anderen Forschenden ermöglicht, Methoden nachzuvollziehen, Ergebnisse zu verifizieren und auf bestehenden Entwicklungen aufzubauen.

Die Universität Bamberg begrüßt den Ansatz zur Bereitstellung von Open Research Software und Quellcode unter Berücksichtigung der geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Eine Veröffentlichung von Software sollte idealerweise den gesamten Entstehungs- und Nutzungskontext sowie die Quelltexthistorie enthalten. Software sollte möglichst ohne Nutzung von Produkten auskommen, die eine kommerzielle Lizenz zur Ausführung benötigen.

Der Quellcode von öffentlich zugänglicher Software sollte, den Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der DFG folgend, „persistent, zitierbar und dokumentiert“ sein.

Open Peer Review / Open Abstracts

Open Peer Review umfasst verschiedene Modelle, in denen weitere Teile des Begutachtungsprozess, von der Offenlegung der Identitäten der Gutachtenden über die Veröffentlichung der Gutachten bis hin zur Einbeziehung einer breiteren Forschungsgemeinschaft, offen und transparent gemacht werden können.

Open Abstracts sind frei zugängliche Zusammenfassungen wissenschaftlicher Publikationen, die ohne Paywall oder Zugangsbeschränkungen verfügbar sind. Sie dienen der Sichtbarkeit und ermöglichen grundlegende Literaturrecherche, bibliometrische Analysen, und die Bewertung der Relevanz von Texten und können mit offenen Lizenzen versehen von anderen Diensten wie Repositorien oder Wissensgraphen weiterverwendet werden.

Die Universität ermutigt ihre Forschenden, sich an offenen Review-Verfahren zu beteiligen, in Publikationsorganen mit Open-Peer-Review-Verfahren bzw. Open Abstracts zu veröffentlichen und in (mit-)herausgegebenen Publikationsorganen umzusetzen.

Open Methodology

Unter Open Methodology wird die Transparenz des gesamten Forschungsprozesses einschließlich vollständiger Beschreibung der Forschungsmethoden, Datenerhebung, -analyse sowie ggf. genutzter Hard- und Software verstanden. Die Offenlegung des Forschungsprozesses ermöglicht es anderen Forschenden, die angewandten Methoden nachzuvollziehen, zu reproduzieren und weiterzuentwickeln. Open Methodology geht über die bloße Beschreibung in Publikationen hinaus und umfasst die proaktive Bereitstellung detaillierter methodischer Informationen.

Ein zentraler Baustein offener Methodologie ist die Prä-Registrierung von Studien, bei der Hypothesen, Methoden und Analysepläne vor der Durchführung öffentlich in einem Repositorium oder in einem Journal in Form eines preregistered report dokumentiert werden.

Die Universität ermutigt ihre Forschenden, ihre Forschungsmethoden – als integralen Bestandteil guter wissenschaftlicher Praxis – offen und transparent zu machen, um anderen Forschenden zu ermöglichen, Ergebnisse zu reproduzieren und zu verifizieren.

Citizen Science

Im Rahmen von Citizen Science werden geeignete Forschungsprozesse für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Interessierte Bürger*innen beteiligen sich in unterschiedlicher Art und Weise an Forschungsprojekten, z. B. an der Erhebung oder Analyse von Daten. Citizen Science kann als Form des lebenslangen Lernens und der Wissenschaftskommunikation verstanden werden und stärkt den Dialog und das Vertrauen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Die Universität erkennt Citizen Science als wertvollen Ansatz zur Förderung des gesellschaftlichen Engagements an der Forschung an. Forschende werden ermutigt, Projekte zu entwickeln, die Bürger*innen eine aktive Beteiligung ermöglichen.

Open Infrastructure

Unter Open Infrastructure werden die Ressourcen und Dienste zusammengefasst, die die Umsetzung der anderen Handlungsfelder von Open Science unterstützen. Sie umfassen Repositorien, Publikationsplattformen, Forschungsinformationssysteme sowie Infrastrukturen für Rechen- und Datenverarbeitungsdienste. 
Die Universität verpflichtet sich zur aktiven Unterstützung und Nutzung offener Infrastrukturen als Grundlage für eine offene Wissenschaft. 

Open Research Information

Offene Forschungsinformationen sind Informationen, die sich auf die Durchführung und Kommunikation von Forschung beziehen und frei zugänglich und wiederverwendbar zur Verfügung stehen.

Die Universität setzt sich dafür ein, dass Forschungsinformationen frei zugänglich sind, und verwendet Systeme, die offene Forschungsinformationen unterstützen. Sie sorgt mit für die Nachhaltigkeit der verwendeten Systeme und unterstützt die Transformation zu offenen Forschungsinformationen. In diesem Rahmen ist die Universität Bamberg Erstunterzeichnerin der Barcelona Declaration on Open Research Information.

Mit dem Forschungsinformationssystem (FIS), das Informationen zu Publikationen, Forschungsprojekten, Forschungsdaten, Auszeichnungen, Personen und Einrichtungen enthält, stellt die Universität ein Instrument zur offenen Verfügbarmachung von Forschungsinformationen bereit. Darüber hinaus ist die Universität in regionalen, nationalen und internationalen Arbeitsgruppen vertreten, die die Systeme weiterentwickeln.

Die Universität fordert ihre Forschenden dazu auf, ihre Forschungsinformationen (Publikationen, Forschungsdaten, Projekte, Auszeichnungen etc.) kontinuierlich in das Forschungsinformationssystem (FIS) einzutragen bzw. bei Bedarf zu aktualisieren und zu ergänzen.

5. Gültigkeit und Kontakt

Die Open Science Policy der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wurde am 05.08.2026 von der Universitätsleitung verabschiedet. Sie wird regelmäßig evaluiert und an aktuelle Standards angepasst.