(Fest-)Redner unter sich (v.l.): Nevfel Cumart, Godehard Ruppert und Ludwig Spaenle beim Dies Academicus 2016

Hiltrud Huhn nahm die Benedikt-Kraft-Medaille aus den Händen von Godehard Ruppert und Dagmar Steuer-Flieser entgegen.

Fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhielten Preise für ihre Habilitationen beziehungsweise Promotionen.

Das NMUN-Team sowie Cara Koehler und Janina Schel waren die diesjährigen studentischen Preisträger.

Gegen den Trend handeln – und deshalb wachsen

Dies academicus im Zeichen der Kleinen Fächer

Ähnlich wie das fast vergangene akademische Jahr stand der diesjährige Dies academicus am 7. November ganz im Zeichen der Kleinen Fächer. Das neue Institutsgebäude für die Orientalistik, der kürzlich eingeweihte Bachelor-Studiengang Jüdische Studien oder die Nominierung des Latinisten Markus Schauer für den Bayerischen Buchpreis zeigen laut Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert vor allem eines: „Dass das Stärken der sogenannten Kleinen Fächer nicht nur besondere interdisziplinäre Herausforderungen schafft, sondern auch Chancen birgt.“ Sichtbar werden diese Chancen zum Beispiel in den anhaltend hohen Studierendenzahlen, einem außergewöhnlichen Umstand bei einer Bildungseinrichtung mit klarem Profil in den Geistes- und Sozialwissenschaften: „Dass wir gegen den Trend wachsen, liegt unter anderem darin, dass wir gegen den Trend handeln.“

„Aus dem geisteswissenschaftlichen Erbe eine Tugend gemacht“

Kleine Fächer in den Geisteswissenschaften, eine auf Synergien setzende Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik, die dieser Ausrichtung mit dem Zentrum für Innovative Anwendungen in der Informatik gleich eine ganze Einrichtung gewidmet hat, und ein stark ausgebauter Bildungsschwerpunkt in den Sozialwissenschaften: Profilschärfung und der gezielte Aufbau von Alleinstellungsmerkmalen sind zwei grundlegende Strategien, die die Bamberger Hochschulpolitik in den vergangenen Jahren geprägt haben. Auch finanziell zahlt sich dies langsam aus, wie eine umfängliche Analyse zu Forschung und Publikationskultur der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften zeigt: In den Erziehungswissenschaften ist Bamberg mit 4,67 Millionen Euro der mit Abstand DFG-stärkste Standort.

Wissenschaftsstaatsminister Dr. Ludwig Spaenle, der eigens für ein Grußwort aus München angereist war, zeigte sich beeindruckt – nicht nur von der generalsanierten AULA, sondern auch von den immer stärker sichtbar werdenden Ergebnissen der Bamberger Hochschulpolitik: „Die Otto-Friedrich-Universität ist in den letzten 20 Jahren einen bemerkenswerten Weg gegangen und hat aus dem geisteswissenschaftlichen Erbe eine Tugend gemacht. Sie darf das wohl geschärfteste geisteswissenschaftliche Profil der Republik ihr eigenen nennen, was eine herausragende Leistung ist.“ Minister Spaenle richtete seinen Blick noch auf einen weiteren Aspekt: „Die Universität Bamberg erweist sich als innovativ und zukunftsorientiert und ihr gelingt in besonderer Weise die Synthese zwischen langer akademischer Tradition und aktueller wissenschaftlicher Forschung und Lehre.“

Der etwas andere Festvortrag: Nevfel Cumarts persönlicher Rückblick auf 60 Jahre türkische Migration in Deutschland

Den Bogen von der Standort- zur Außen und Innenpolitik spannte der Schriftsteller, Übersetzer und Journalist Nevfel Cumart in seinem Festvortrag, den er bewusst nicht als solchen bezeichnete. Er führte das Publikum durch 60 Jahre türkische Migration in Deutschland und veranschaulichte ein Stück Geschichte zweier Länder, die sich hin- und her bewegten zwischen Anwerbeabkommen, Anwerbestopp, Kühn-Memorandum, Islamkonferenz und Integrationsgipfel. Angereichert und gespickt mit biografischen Reminiszenzen gab Cumart Einschätzungen zum Thema aus der Sicht eines Menschen, der als Kind türkischer Einwanderer die Auswirkungen dieses Ringens um Integrität und Identität hautnah miterlebt hat.

Spätestens bei seinem Blick auf das gegenwärtige Deutschland als „Einwanderungsland ohne Einwanderungsbewusstsein“ und die türkischstämmige Bevölkerung, der es vielfach an Einwanderungsverständnis mangele, sprang ins Auge, wie bedeutsam interkulturelles Bewusstsein und Kenntnisse über gesellschaftliche, historische und politische Zusammenhänge in internationalen Kontexten für gelungene Integration war und ist. Ein eindringlicheres Plädoyer für die Kleinen Fächer hätte es kaum geben können, leisten doch beispielsweise Turkologie oder Islamwissenschaft hierzu entscheidende Beiträge.

Preise und Ehrungen für herausragende Leistungen und außergewöhnliches Engagement

Besondere Errungenschaften hatte auch die Vizepräsidentin für Forschung und Wissenschaftlichen Nachwuchs Prof. Dr. Maike Andresen im Blick. Sie zeichnete fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus: Dr. Diana Forker erhielt den Habilitationspreis der Universität Bamberg, Dr. Maximilian Pfost den Habilitationspreis der Sparkasse Bamberg. Dr. Stefanie Herber, Katharina Kellermann und Dr. Eike Henning Michl wurden für ihre herausragenden Promotionen ausgezeichnet. Den Preis für studentisches Engagement verlieh Prof. Dr. Sebastian Kempgen, Vizepräsident für Lehre und Studierende, dieses Jahr gleich an ein ganzes Team: National Model United Nations, die die Universität Bamberg seit Jahren höchst erfolgreich auf internationalem Parkett repräsentieren. Den DAAD-Preis für hervorragende ausländische Studierende überreichte er der Amerikanerin Cara Koehler. Mit dem Fritzi!-Preis für gute Abschlussarbeiten Studierender mit Kind wurde Janina Schel ausgezeichnet.

Eine besondere Ehrung wurde Hiltrud Huhn zuteil. Sie erhielt die Benedikt-Kraft-Medaille für ihr jahrzehntelanges Engagement als Diplom-Bibliothekarin und Gleichstellungsbeauftragte der Universität.

Hinweis

Weitere Informationen und einen Überblick über Kleine Fächer an der Universität Bamberg gibt die aktuelle Ausgabe des Forschungsmagazins uni.vers