Benedikt Kraft

Ein Rektor mit Weitblick

Benedikt Kraft, Rektor der ehemaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule Bamberg, einer Vorläuferinstitution der Universität Bamberg, hatte ein großes Ziel: Er setzte sich vehement dafür ein, die Hochschule zur damals vierten Landesuniversität zu machen. Die 2015 ins Leben gerufene Benedikt Kraft-Medaille möchte an sein Wirken erinnern. Mit ihr zeichnet die Universitätsleitung besondere Leistungen im nichtwissenschaftlichen Bereich aus.

Krafts Lebensweg begann 1888 im Landkreis Lindau in Schwaben. Ab 1909 studierte er an der Universität München Theologie. Nach seiner Priesterweihe arbeitete Kraft als Kaplan und Religionslehrer. Wenig später promovierte und habilitierte er an der Universität München in neutestamentlichen Wissenschaften.

Als Professor kam Kraft 1930 schließlich nach Oberfranken an die Philosophisch-Theologische Hochschule Bamberg. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er deren Rektor. Obwohl die Nationalsozialisten diese 1939 schlossen, blieb er weiter im Amt. Unter seiner Führung konnte sie als eine der ersten Hochschulen Deutschlands schon 1945 den Vorlesungsbetrieb wiederaufnehmen.

Zwar galt Bamberg nach Kriegsende als begehrter Studienort, die Philosophisch-Theologische Hochschule hatte allerdings nicht den Status einer Universität wie München, Erlangen oder Würzburg. Neben Theologie wurden damals Philosophie, Philologie, Geschichte, Geographie, Kunstgeschichte, Archäologie, Natur-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in der Domstadt gelehrt. Auch die heimkehrenden Soldaten hatten großen Nachholbedarf an akademischer Bildung, besonders für sie setzte Kraft sich ein. Und so kam es, dass die Bamberger Hochschule kurz nach Kriegsende im Sommersemester 1948 schon 1742 Studierende zählte. Erschwert wurde deren Studium aber dadurch, dass sie dort zwar Vorlesungen besuchen konnten, viele Prüfungen aber an einer der drei Landesuniversitäten ablegen mussten.

Schnell wurden deswegen die Forderungen laut, die Hochschule zu einer vierten Landesuniversität zu erheben. Vor allem Kraft als Rektor stand hinter den Plänen. Dabei berief er sich auf die Tradition der 1647 gegründeten Academia Ottoniana Bambergensis, deren theologische und philosophische Fakultäten 1803 rechtlich nicht aufgehoben worden waren und damit in der Philosophisch-Theologischen Hochschule fortbestanden.

Zusammen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard regte Kraft im Rahmen der 300-Jahr-Feier der Hochschule die Errichtung einer vierten Landesuniversität in Bamberg an. 1947 stellte er beim Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus einen entsprechenden Antrag. „In einer Zeit, in der die ideellen und geistigen Güter unseres Volkes immer mehr von dem furchtbaren Strudel der materiellen Krisis vernichtet zu werden drohen, soll die neue Universität ein Hort echten Idealismus und wahrer Geistigkeit werden“, forderte Benedikt Kraft im Antrag.

Viele Bamberger standen hinter Krafts Vorhaben. Vor allem die Studierenden setzten sich für ihre Hochschule ein. In einer Resolution der Studentenschaft baten 1350 Studierende – viele darunter ehemalige Kriegsvertriebene oder Soldaten – um die Verleihung des Universitätscharakters.

Doch Krafts Pläne fanden nicht nur Unterstützer: Die Hochschule in Regensburg bemühte sich, den Titel einer vierten Landesuniversität in Bayern für sich zu gewinnen. Krafts Vorschlag einer Aufteilung, der zufolge Bamberg mit Jura und Naturwissenschaften, Regensburg mit Philologie und Medizin ausgestattet worden wäre, wurde wenig Gehör geschenkt. Eher evangelisch geprägt befürchtete die Regensburger Universität zudem die „Missionierung des evangelischen Frankens“ (Kock) und kämpfte gegen eine Universitätserhebung der Bamberger Hochschule.

Bei der Entscheidung über den Antrag im Jahr 1950 schlugen die Emotionen hoch: Bis drei Uhr nachts verhandelte der Ausschuss und vereinbarte letztendlich, den Antrag Bambergs zurück zu stellen. Der Studienbetrieb sollte allerdings weitergeführt werden.

Trotz dieses Rückschlags setzte sich Kraft weiter für Bamberg als Universitätsstandort ein. So konnte er den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hochzeitshauses sowie des Concordia-Gebäudes und die Nutzung beider für die Hochschule durchsetzen. 1955 wurde Kraft emeritiert, 1963 starb er. Die Verwirklichung seines Traumes hat der Theologe nicht mehr erlebt: Erst 1979 wurde Bamberg zur Universität erhoben. Trotzdem gilt Krafts Einsatz für die Hochschule bis heute als wegweisend.

Mit der Benedikt Kraft-Medaille erinnert die Universitätsleitung aber nicht nur an den Einsatz ihres Namensgebers für die Errichtung einer neuen Landesuniversität. Auch seine Fürsorge, die Kraft selbst in schwierigen Zeiten allen Hochschulangehörigen zukommen ließ, soll dadurch gewürdigt werden. So engagierte er sich unter anderem für die Gründung eines Studentenhauses im „Deutschen Haus“, in dem heute die Bamberger Stadtbücherei untergebracht ist. Darüber hinaus gilt Kraft als geistiger Vater des damaligen Vereins Studentenhilfe Bamberg.  „Als ehemaliger Rektor war er ein Vorbild in politischem Weitblick wie sozialem Engagement“, begründet Universitätspräsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert die Entscheidung „Benedikt Kraft hat sich in außerordentlicher Weise um unsere Universität verdient gemacht.“

Text: Vera Katzenberger/Dezernat Kommunikation & Alumni

Benedikt Kraft im Bamberger Professorinnen- und Professorenkatalog

Quellen:

Konstantin Klein: "Ein Hort echten Idealismus und wahrer Geistigkeit". In: uni.kat.Zeitung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (2005), Heft 4, S. 5-7.

Peter Jakob Kock: Bayerns Weg in die Bundesrepublik. In: Studien zur Zeitgeschichte 22 (1988), S. 120-126.

Franz Machilek: Von der Academia Ottoniana zur Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Eine Ausstellung des Staatsarchivs Bamberg anlässlich des 37. Deutschen Historikertages. München: Selbstverlag der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns 1988.

Karl Möckl: Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg: Nachkriegsuniversität – Vierte bayerische Landesuniversität? - Ostuniversität. In: Haus der Weisheit. Von der Academia Ottoniana zur Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Katalog der Ausstellungen aus Anlaß der 350-Jahrfeier. Hrsg. von Franz Machilek. Bamberg: Universitätsverlag 1998, S. 245-259.

Universitätsarchiv Bamberg, Signatur V A 102.