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Von Prof. Dr. Ute Franz und Dr. Bettina König

Vielfalt der Schüler als Charakteristikum der Grundschule

Die Grundschule ist die erste – und einzige – gemeinsame Schule für nahezu alle Kinder. Daraus resultiert eine große Vielfalt der Schülerinnen und Schüler, ihrer Lernvoraussetzungen und Interessen. Entsprechend  anspruchsvoll ist es, die Kinder zu unterrichten, sie zu erziehen sowie differenzierte Lernangebote und Fördermaßnahmen anzubieten.

In der Grundschule kommen Kinder unterschiedlicher familiärer, sozialer, ethnischer und religiöser Herkunft zusammen, um miteinander, voneinander und dennoch ganz individuell zu lernen. Damit war die Grundschule schon seit jeher vor das Problem gestellt, mit einer heterogenen Lerngruppe pädagogisch angemessen umzugehen. Die Heterogenität in der Grundschule ist heute neben der Individualität jeden einzelnen Kindes von Inklusion als gemeinsamen Unterrichtens wirklich aller Kinder, ohne Selektion oder Sonderbeschulung, geprägt. Dies birgt Chancen in sich und stellt gleichzeitig ganz besondere Anforderungen an die Lehrerinnen und Lehrer.

Vielfalt der Anforderungen für die Lehrkräfte

Ausgangspunkte für differenzierte Lernangebote und Fördermaßnahmen sind grundsätzlich die individuellen Bedürfnisse der Kinder. Zu ihrer Bestimmung sind diagnostische Kompetenzen notwendig. Auch die  Leistungsbeurteilung und die Schullaufbahnberatung beim Übertritt bauen auf Diagnosen auf, die ein hohes Maß an fachlich begründetem Urteilsvermögen erfordern. Eine anspruchsvolle und spezifische didaktische Herausforderung stellt zudem die Elementarisierung von Lerninhalten dar.

Dabei geht es im Unterricht nicht um bloße Vereinfachungen. Die Kinder sollen vielmehr grundlegende Zusammenhänge verstehen, eine grundlegende Bildung erwerben, ein solides Fundament aus anschlussfähigen Wissensinhalten und Kompetenzen ausbilden und Leistungsmotivation entwickeln. In pädagogischer Hinsicht stehen darüber hinaus erzieherische Fragen im Mittelpunkt. Hier spielt auch die Kooperation mit den Eltern eine zentrale Rolle. Die Sozial- und Werteerziehung sind gerade bei der Vielfalt und Verschiedenheit der Kinder eine wichtige Voraussetzung für das gemeinsame Lernen und  (Schul-)Leben.

Vielfalt als Kennzeichen des Studiums

Das Studium entspricht den vielfältigen Anforderungen der (förder-)diagnostischen, unterrichtlichen und erziehlichen  Arbeit in der Grundschule. Das erziehungswissenschaftliche Studium umfasst die Fächer Psychologie,  Pädagogik und Schulpädagogik. Hinzu kommen gesellschaftswissenschaftliche sowie theologische oder philosophische Studieninhalte. Hier werden Grundlagen für die pädagogischen und diagnostischen Aufgaben geschaffen. Im Unterrichtsfach erwerben die Studierenden fachwissenschaftliche Kenntnisse, die durch fachdidaktische Kompetenzen ergänzt werden. Hier sollte ein Fach von hohem inhaltlichem wie fachlichem Interesse gewählt werden.

Eine interessante Wahlmöglichkeit bietet das Unterrichtsfach ‚Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt‘, mit dem Berufsziel Schulpsychologin oder -psychologe. Außerdem kann das Erweiterungsstudium ‚Beratungslehramt‘ belegt werden. Hier werden ebenfalls vertiefte diagnostische Kompetenzen sowie Beratungs- und Förderkompetenzen erworben. Durch beide Studienangebote wird die Arbeit als Grundschullehrerin oder -lehrer um weitere berufliche Perspektiven bereichert.

In der Didaktik der Grundschule erfolgt die eigentliche Spezialisierung auf die Primarstufe. Im Unterschied zum Unterrichtsfach wird bei den Didaktikfächern der Fokus sehr viel stärker auf die unterrichtliche Umsetzung der Lerninhalte (Fachdidaktik) gerichtet. Die Studierenden können drei Didaktikfächer wählen. Das breite Fächerspektrum spiegelt die inhaltliche Vielfalt des Unterrichts in der Grundschule wieder. Insgesamt sind unterschiedliche Kombinationen, bestehend aus dem Unterrichtsfach und drei Didaktikfächern, möglich. Mathematik und Deutsch als Kernfächer der Grundschule müssen studiert werden – entweder als Didaktikfach oder, was in Bamberg im Fach Deutsch möglich ist, als Unterrichtsfach. Zudem ist entweder Musik, Sport oder Kunst verpflichtend. In den beiden anderen Fächern des musischen Bereichs erwerben die Studierenden zusätzlich in den Basisqualifikationen praxisbezogene Kompetenzen. Eines der wählbaren Didaktikfächer ist die Didaktik des Deutschen als Zweitsprache, was dem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in den Gruschulen Rechnung trägt.

Die Grundschulpädagogik und -didaktik umfasst den Bereich Grundschulpädagogik, in dem die Studierenden vertiefte Einblicke in die Themen des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule und von dort in die Sekundarstufe I, der Leistungserziehung, dem Umgang mit Heterogenität, der Unterrichtsqualität u.v.m. erhalten. In der Didaktik des Schriftspracherwerbs und des Sachunterrichts erfolgt die Auseinandersetzung mit der aktuellen didaktischen Fachdiskussion. Zudem wird großer Wert auf die Verzahnung von Schule und Universität, von Wissenschaft und Schulpraxis gelegt. Die Grundschulpädagogik und -didaktik ist der eigentliche Ort des Aufbaus der beruflichen Identität. Hier wird erfahrbar: Wir sind die (späteren) Grundschullehrkräfte!

Vielfalt als Kennzeichen des Studienstandortes Bamberg

Der prominente Forschungsstandort Bamberg ermöglicht die enge Verzahnung von Lehrerbildung und Bildungsforschung. Aktuelle Ergebnisse können so unmittelbar in die Lehre integriert werden, Studierende bei Erhebungen mitarbeiten und einen direkten Einblick in die empirische Forschungsarbeit gewinnen.  Besonderheiten sind auch die Lernwerkstatt Sachunterricht und Mathematik und das neu eingerichtete GreenLab der Didaktik der Naturwissenschaften. In der Lernwerkstatt Sachunterricht steht eine ausgewählte Sammlung von Unterrichtsmaterialien insbesondere zu physikalischen und chemischen Inhalten zum Kennenlernen und selbsttätigen Ausprobieren bereit. An Lernstationen zum Thema „Ernährung“,  „Verbrennung“, „Optik“, „Akustik“ „Stromkreis“ u. a. können sich Studierende einerseits in aktiver Auseinandersetzung fachliche und didaktische Erkenntnisse und Erfahrungen selbst erarbeiten und sich darüber austauschen. In der Didaktik des Schriftspracherwerbs können Studierende im Projekt STeP ihre theoretisch erworbenen förderdiagnostischen Fachkenntnisse in der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern anwenden, sichern und vertiefen. Die Kooperation von Studierenden mit den Lehrkräften vor Ort und den Dozierenden der Universität zeigt den konkreten Bezug von Theorie und Praxis auf und hebt die Relevanz der Lerninhalte für den schulischen Alltag hervor.

Andererseits können Mittel und Wege erarbeitet werden, wie Themen aufbereitet werden müssen, um sinnvolle Lernprozesse bei Kindern anzuregen, zu unterstützen und zu begleiten. In regelmäßig stattfindenden Fortbildungsveranstaltungen bringen Studierende, Referendarinnen und Referendare, Dozierende und erfahrene Lehrkräfte ihre spezifischen Kompetenzen als Vortragende oder Teilnehmende ein. Menschen aus allen Phasen der Lehrerbildung kommen in der Lernwerkstatt zusammen, um mit- und voneinander zu lernen.

Die Lage der Universität im Herzen der Weltkulturerbestadt eröffnet eine Vielfalt an weiteren Lerngelegenheiten: Der Kaiserdom ist einer von vielen Orten, die zum historischen Lernen herausfordern, und Regnitz und Hainpark mit ihrem reichhaltigen Pflanzen- und Tierleben bieten mannigfaltige Anknüpfungspunkte für die Erarbeitung biologischer Inhalte und fachgemäßer Arbeitsweisen. In der nahen Innenstadt laden nicht zuletzt viele Kneipen und all andere schöne ‚Locations‘ dazu ein, vielleicht über Inhalte des Studiums zu sprechen, ganz sicher aber, um sich – auch mit Studierenden aus anderen Lehrämtern und Fächern – zu begegnen.


Bildquelle (sofern nicht anders gekennzeichnet): Universität Bamberg

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