Um was geht es uns im Teilprojekt BilVer?

Die Universität Bamberg verfügt über eine hohe Expertise in der empirischen Bildungsforschung sowie über bereits bestehende Kooperationen zwischen und innerhalb der fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und erziehungswissenschaftlichen Ausbildungsbereiche der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Diese Ressourcen sollen in Zukunft stärker zur Profilierung und Weiterentwicklung einer curricular abgestimmten bildungswissenschaftlichen Ausbildung genutzt werden. Im Mittelpunkt des Projektvorhabens stehen dabei vor allem die inhaltliche Abstimmung zwischen einzelnen Fächern, die Stärkung des Professions- und Schulbezugs sowie der darauf bezogene Ausbau fall- und themenbezogener Lehr-, Lern- und Prüfungsformate.

Was macht eine wirksame Lehrerbildung in den Bildungswissenschaften aus?

Im nationalen und internationalen Forschungsdiskurs zur Lehrerbildung wird als eine von mehreren zentralen Herausforderungen für die Weiterentwicklung der Lehrerbildung das Zusammenspiel von allgemeindidaktischen und bildungswissenschaftlichen Inhalten diskutiert und als bedeutungsvoll für die Qualität von Unterricht markiert. Von Bedeutung sind der Erwerb berufsrelevanter forschungsbasierter Wissensbestände, die auf evidenzbasierte Qualitätsmerkmale des Unterrichtens verweisen und die Situierung in berufsrelevanten Kontexten (vgl. u.a. Kunter et al., 2011, 2016; Seidel & Stürmer, 2014).

Damit sind die fachlichen wie organisatorisch-strukturellen Anforderungen verbunden, die Lehrinhalte und -formate a) in gegenseitigem Bezug der einzelnen Ausbildungsbereiche untereinander anzubieten und entsprechende Kommunikations- und Kooperationsformen zu ermöglichen, b) schulart- und schulstufenspezifisch zu differenzieren sowie c) mit engem Berufsfeldbezug zu verknüpfen (vgl. hierzu u.a. Kunter et al., 2011; Seidel & Stürmer, 2014). Diese Anforderungen stellen sich dabei nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der einzelnen Studienbereiche.

Woran möchten wir arbeiten?

An ein solches forschungsbasiertes bildungswissenschaftliches Konzept knüpft das Projektvorhaben BilVer mit dem erziehungswissenschaftlichen Ausbildungsanteil an. Hier werden diejenigen Wissensbestände erworben, die künftigen Lehrerinnen und Lehrern als Grundlage für das Verständnis von Lernprozessen und -bedingungen, von Lehr-Lernsituationen, von Unterricht (Planung, Durchführung und Analyse), Erziehung, Diagnose, Beratung, Konfliktlösung sowie für die Weiterentwicklung der Institution dienen (KMK, 2004).

Wir möchten uns in einer ersten Projektphase zunächst auf die bildungswissenschaftlichen Inhalte der drei Fächer konzentrieren, die in diesem Bereich in Bamberg die Pflichtmodule ausgestalten, welche die Studierenden aller vier Lehramtsstudiengänge sowie des Studiengangs Berufliche Bildung durchlaufen, also die Allgemeine Pädagogik, die Schulpädagogik und die Psychologie. In einer zweiten Projektphase sollen weiterhin die interdisziplinären Kooperationsbezüge zum erziehungswissenschaftlichen Wahlpflichtbereich (insbesondere zum Bereich der Gesellschaftswissenschaften mit den Fächern Soziologie, Politikwissenschaft und Volkskunde) sowie zu anderen Studienbereichen und -gängen in den Blick kommen, wie beispielsweise zum Fach der Grundschulpädagogik und -didaktik, dem Studiengang der Beruflichen Bildung/Fachrichtung Sozialpädagogik sowie zum Fachbereich Wirtschaftspädagogik und zum Praktikumsamt.

Wir möchten den bildungswissenschaftlichen Bereich der Bamberger Lehrerbildung in Zukunft besser auf folgende Zielhorizonte ausrichten:

Kommunikation und gegenseitige Abstimmung erhöhen: Wir arbeiten daran, die auf unterschiedliche Disziplinen und Professuren verteilten Ausbildungsinhalte im erziehungswissenschaftlichen Bereich gegenseitig genauer kennenzulernen und wahrzunehmen, damit wir besser aufeinander reagieren und aufbauen können.

Vernetzung bildungswissenschaftlicher Ausbildungsteile optimieren: Wir werden ausloten, welche Ausbildungsanteile wir gemeinsam anbieten könnten und welche Ausbildungsanteile in ihren disziplinären Bezügen zu organisieren sind.

Berufsbezüge stärken: Die evidenzbasierte Bildungsforschung hat in den vergangenen Jahren herausgearbeitet, auf welche Aspekte es beim Unterrichten in besonderer Weise ankommt. Diese Aspekte möchten wir im universitären Lehrangebot ausbauen und dafür auf andere verzichten. Zum Aufbau professioneller Expertise bei den Studierenden soll insbesondere der Professions- und Schulbezug unter Einbezug evidenzbasierter Forschungsbefunde vertieft werden.

Innovative Lehr-, Lern- und Prüfungsformate ausbauen: Wir möchten in Zukunft vermehrt mit Fallbeispielen, Konzepten forschenden Lernens, Unterrichtssimulationen und weiteren didaktisch innovativen Lehrformaten arbeiten. Gute didaktische Arrangements sollen sich auch in der universitären Lehre widerspiegeln. Die Anforderungen an Schule im Hinblick auf kompetenzorientiertes Lehren und Prüfen erfordern eine Entsprechung auf Seiten der Lehrerbildung.

In Kürze erfolgen hier weitere Informationen zu ersten konkret geplanten Projektmaßnahmen sowie zur internen Vernetzung von BilVer mit anderen Teilprojekten und Strukturmaßnahmen des Gesamtprojektvorhabens WegE.

Literatur

Kunter, M., Baumert, J., Blum, W., Klusmann, U., Krauss, S., & Neubrand, M. (Hrsg.) (2011). Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV. Münster: Waxmann.

Seidel, T., & Stürmer, K. (2014). Modeling the structure of professional vision in pre-service teachers. American Educational Research Journal, 20(10), 1-32.

Kunter, M., Kunina-Habenicht, O., Baumert, J., Dicke, Th., Holzberger, D., Lohse-Bossenz, H., Leutner, D., Schulze-Stocker, F., & Terhart, E. (2016). Bildungswissenschaftliches Wissen und professionelle Kompetenz in der Lehramtsausbildung – Ergebnisse des Projekts BilWiss. In C. Gräsel, & K. Trempler (Hrsg.), Entwicklung von Professionalität pädagogischen Personals. Interdisziplinäre Betrachtungen, Befunde und Perspektiven. Wiesbaden: Springer-Online.

Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. (2004). Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 16.12.2004.

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