Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch überreicht Dr. Johannes Schmidt, Dozent am Lehrstuhl für Politikwissenschaft I an der Universität Bamberg, den "Preis für gute Lehre an Universitäten".

Den eigenen Kopf einsetzen

Dr. Johannes Schmidt erhält „Preis für gute Lehre an Universitäten“

Schlechte Lehre kann die Studierenden demotivieren, frustrieren oder ihnen sogar das Fach verleiden, für das sie sich per se interessieren. Gute Lehre hingegen kann ihr Interesse und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Fach in andere Sphären katapultieren. Die Lehre von Dr. phil. Johannes Schmidt, Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Politikwissenschaft I, gehört ausgezeichneterweise zur letzteren Kategorie.

Seit zwölf Jahren verleiht das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst jedes Jahr den mit 5000 Euro dotierten „Preis für gute Lehre an Universitäten“. Er soll nicht nur eine Auszeichnung für hervorragende Dozierende sein, sondern auch die Universitäten motivieren, in die Lehre zu investieren und dem akademischen Nachwuchs eine erstklassige Ausbildung zu ermöglichen.

Seither wurde der Preis an 183 Lehrende bayerischer Universitäten vergeben. Bei der diesjährigen Preisverleihung am 3. November in München würdigte Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch das außergewöhnliche Engagement von 15 Dozentinnen und Dozenten in der Hochschullehre. Gerade im Hinblick auf die steigenden Studierendenzahlen werde Spitzenqualität in der Lehre immer wichtiger: „Vorbildlicher Unterricht und intensive Betreuung der Studierenden gehören zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren des Wissenschaftsstandorts Bayern“, sagte Heubisch.

Ausgezeichnete Lehre

Unter den zwei Preisträgerinnen und dreizehn Preisträgern wurde auch Politikwissenschaftler Dr. Johannes Schmidt von der Universität Bamberg ausgezeichnet. Der Dozent und Akademische Direktor am Lehrstuhl für Politikwissenschaft I lehrt seit 1993 an der Universität Bamberg. Seine Dissertation hat er an der Universität der Bundeswehr München über das Thema „Gerechtigkeit, Wohlfahrt und Rationalität“ geschrieben. Bereits viermal hat er innerhalb seiner Fakultät einen Preis für gute Lehre erhalten. Doch was zeichnet ‚gute Lehre’ eigentlich aus?

Statt am Telefon Fragen zum Preis zu beantworten, bat er in sein Büro zu kommen – das wäre persönlicher, sagte Johannes Schmidt. Und vielleicht ist es genau das: das Persönliche an ihm, weswegen Schmidt unter den Studierenden und Kollegen für seine Lehre geschätzt wird.

Er holt die Studierenden dort ab, wo sie stehen. Es bringe nichts ein Seminar zu halten, wenn es keine gemeinsame Grundlage gäbe, sagt der Politikwissenschaftler im Gespräch. Oft sitzen Studierende aus sehr unterschiedlichen Semestern in einem Kurs. Man könne nicht einfach das Niveau der höheren Semester als Maßstab nehmen und die Studienanfänger mitschleifen. Keinesfalls sollte ein Dozent von Studierenden erwarten, dass sie ohne weiteres mit ihm auf seinem Niveau über den Stoff diskutieren können. „Als Dozent muss man gemeinsame Grundlagen schaffen. Deswegen halte ich meistens ein, zwei, drei Sitzungen selber, bis ich merke: Jetzt gibt es eine Grundlage, auf die ich bauen kann“, sagt Schmidt.

Nicht zu lange referieren lassen

Auf die Frage, wie man ein guter Dozent wird, muss der preisgekrönte Politikwissenschaftler lachen. „Es gibt nicht den ‚Ideal-Dozenten’. Verschiedene Fächer erfordern verschiedene Methoden, sogar verschiedene Themen innerhalb eines Faches. Aber es gibt natürlich Dinge, auf die man Wert legen sollte“, sagt Johannes Schmidt. Ihm sei zum Beispiel wichtig, dass in einem Seminar das reine Referieren nicht zu viel Raum einnimmt, so dass viel Zeit bleibt, den Stoff gemeinsam zu erarbeiten.

Schmidt hat in seiner eigenen Studienzeit nicht nur gute Lehre erfahren. Als er im Seminarraum die Seite wechselte, versuchte er für sich zu analysieren, was gute Seminare gut und schlechte Seminare schlecht gemacht hat. „Manche Dozenten überfordern die Studierenden total. Wir haben für eine einzige Sitzung schon mal Literaturlisten von fünf bis sechshundert Seiten bekommen! Das kann kein Mensch lesen. Die Konsequenz: man liest gar nichts.“ Schmidt versucht daher die Portionen immer so groß zu machen, dass sie zu schaffen sind. Aber sein Hauptziel in der Lehre – neben der obligatorischen Vermittlung des Stoffes – ist, „dass die Studierenden ihren eigenen Kopf einsetzen.“