Zusammen lernt es sich besser: In kleinen Kursgruppen feilen die Teilnehmenden an ihren Sprachkenntnissen.

Um Kurdisch schreiben zu können, lernen die Teilnehmenden auch das arabische Alphabet.

Jaffer Sheyholislami von der Carleton Universität in Kanada ist einer der Lehrer bei der Kurdish Language Autumn School.

- Vera Katzenberger

Mehr als nur Grammatik und Vokabeln

Kurdish Language Autumn School als weltweit einzigartiges Angebot

Etwa 20 bis 30 Millionen Menschen sprechen Kurdisch. Im heutigen Deutschland ist Kurdisch sogar eine der meistgesprochenen Sprachen. Unter anderem deswegen findet an der Universität Bamberg vom 4. bis zum 15. September 2017 die Kurdish Language Autumn School (KLAS) statt, der erste und weltweit bislang einzige mehrwöchige Sprachkurs für das Kurdische mit seinen zwei Hauptdialektgruppen. 40 Teilnehmende aus aller Welt lernen Sprachbausteine und feilen mit internationalen Kurdologinnen und Kurdologen an Wortschatz oder Grammatik. Organisiert hat die Veranstaltung Prof. Dr. Geoffrey Haig vom Lehrstuhl für Allgemeine Sprachwissenschaft zusammen mit Prof. Jaffer Sheyholislami, von der Carleton University in Kanada, und Dr. Ergin Öpengin, von der Uppsala University in Schweden.

Doch warum gibt es dieses Angebot? Kurdisch gelte als Minderheitensprache, die vor allem im Osten der Türkei, aber auch im Iran, Irak, Syrien und Armenien gesprochen werde, sagt Haig. In den Schulen dort werde sie aber oft nicht gelehrt, die Zahl der Muttersprachlerinnen und Muttersprachler sinkt. Auch wenn die Sprachgemeinschaft klein ist, Kurdisch als Ausdruck der kulturellen Geschichte und Entwicklung dieser Gemeinschaft dürfe nicht verloren gehen, so Haig. „Alle Sprachen, unabhängig von ihrer Größe, sind wichtig. Je mehr von ihnen erhalten bleiben, desto besser können wir die menschliche Sprache als kognitives und kulturelles Spezifikum der Menschheit begreifen“, sagt Haig. Die Kurdish Language Autumn School will einen Beitrag dazu leisten, das Kurdische zu erhalten, und Interessierten helfen, ihre Kenntnisse zu verbessern oder auch erste Grundlagen zu lernen.

Kombination aus Sprachkursen und Freizeitangeboten

Im Kurs lernen die Teilnehmenden verschiedene Dialekte des Kurdischen. Die meisten der Teilnehmenden sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende oder interessierte Privatpersonen, einige von ihnen sind ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Weil viele der Flüchtlinge aus kurdischsprachigen Regionen kommen, sind Sprachkenntnisse in der Praxis oft hilfreich, berichten einige der Teilnehmenden.

Gelernt wird in Kleingruppen bei Lehrerinnen und Lehrern, die zum Teil extra für die Autumn School nach Bamberg gereist sind. Baydaa Mustafa, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bamberg, lehrt beispielsweise den Dialekt Kurmanji. „Wer Kenntnisse der Linguistik hat, kann Kurmanji relativ einfach lernen“, sagt Mustafa. Das liege auch daran, dass das Kurdische insgesamt zu den indoeuropäischen Sprachen zähle und somit unter anderem mit dem Deutschen verwandt sei – wenn auch nur entfernt. In Mustafas Kurs dreht sich aber nicht alles um Grammatik und Wortschatz. Landeskunde steht ebenso im Mittelpunkt: „Themen wie beispielsweise typische Gerichte und Getränke helfen den Kursteilnehmenden, die kurdische Kultur kennenzulernen und besser zu verstehen.“ Daneben stehen Freizeitaktivitäten wie kurdischer Tanz oder Gesang auf dem Stundenplan.

Bamberger Autumn School als Vorbild

Mehr über kurdische Kultur und Sprache erfahren will Dr. Sara Belelli. Die 28-jährige Italienerin ist eine der Teilnehmenden der Kurdish Language Autumn School. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Neapel ist auf iranische Linguistik spezialisiert und erforscht unter anderem die verschiedenen kurdischen Dialekte. Für die Autumn School ist sie extra an die Universität Bamberg gekommen, um ihre Sprachkenntnisse weiter zu verbessern. Bislang suchte sie vergeblich nach einer Veranstaltung wie dieser: „Mehrtätige Angebote wie eine Summer School an einer Universität gab es bisher nicht, ich habe da lange gesucht und bisher nie etwas gefunden.“ Umso mehr freut sie sich, dass sie nun zwei Wochen lang in Bamberg ihr Kurdisch verbessern kann.

Das Bamberger Konzept der Autumn School hat sie bisher überzeugt. Die lockere Atmosphäre, die kleinen Kursgruppen und die Kombination aus Sprachunterricht bei anerkannten Kurdologinnen und Kurdologen sowie gemeinsamen Freizeitaktivitäten seien gerade richtig, um eine Sprache wie Kurdisch zu lernen. „Ich glaube, dass so etwas wie die Autumn School ein gutes Vorbild sein könnte für andere Kurdisch-Kurse in der Zukunft.“ Und von denen, das wünscht sich die Italienerin, gibt es hoffentlich bald mehr.