Von Valentina Ringelmann lernten die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Kinder-Uni nicht nur, wie man sich im Mittelhochdeutschen begrüßt, sondern erfuhren auch, was Welterbe eigentlich genau bedeutet.

Carmen Enss reiste mit ihren Studierenden nach Bari, Italien, und verriet einen Trick der Wissenschaft, nämlich wie man anhand der Fenster, das Alter von Häusern, Burgen und Kirchen bestimmen kann.

Gesellschaft und Kultur im Mittelalter Erschließung und Erhalt von Kulturgut Lehre & Studium

Von geerbten Städten und dicken Rittern

Ein Rückblick auf die Kinder-Uni im Wintersemester 2018/2019

Im Wintersemester 2018/2019 lockten zwei Kinder-Uni-Vorlesungen der Universität Bamberg junge Studierende in den Hörsaal. Anlässlich des 25. Geburtstag der UNESCO-Welterbestadt Bamberg widmeten sich beide Vorlesungen Forschungen zum Welterbe – hier in Bamberg und in der italienischen Stadt Bari.

Mit Hugo von Trimberg durch das mittelalterliche Bamberg

„Edeler recke und hêre mait!“ Hä?? Was hat der alte Mann in der Mönchskutte und mit dem grauen Vollbart gerade gesagt? „Das war eine Begrüßung auf Mittelhochdeutsch, einer älteren Form der deutschen Sprache“, erklärte Valentina Ringelmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters, am vergangen Samstag, dem 1. Dezember. Die komisch klingenden Wörter bedeuten so viel wie "edler junger Mann und ehrenwertes Mädchen" und kommen aus dem Mund von Hugo von Trimberg, der vor 500 Jahren in Bamberg gelebt hat.

Er begleitete Valentina Ringelmann als Comicfigur in den Hörsaal und half ihr dabei, zu erklären, was Welterbe bedeutet. Denn nicht nur Geld, Briefmarkensammlungen oder Omas Perlenkette lassen sich erben, sondern auch Pyramiden, Korallenriffe und sogar ganze Städte. „Dabei geht es um das Welterbe“, weiß Valentina Ringelmann.

Was bedeutet Welterbe eigentlich?

Das Wort „Welterbe“ schauten sich die Kinder genauer an: Das Ergebnis: „Welt“ meint die Erde, auf der sich die gesamte Menschheit und alle vorstellbaren Gegenstände befinden. Und „Erbe“ bedeutet so viel wie ein Geschenk, das jemand bekommt, wenn einer seiner Vorfahren stirbt. „Welterbe ist also etwas, das alle Menschen auf der ganzen Welt von den Menschen erben, die vor uns gelebt haben“, fasste Valentina Ringelmann zusammen. Die großen Pyramiden in Ägypten gehören zum Welterbe, denn sie sind der älteste Friedhof der Welt. Auch das Great Barrier Reef ist Teil des Welterbes, das ist ein großes Korallenriff in Australien. Und: Bambergs Altstadt ist auch Welterbe!

Fenster, Augen der Häuser

Wie Bamberg hat auch das italienische Bari eine Altstadt, die zum Welterbe zählt, nur sehen viele der alten Häuser eher aus wie Burgen. Das erklärte Dr.-Ing. Carmen Enss, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Denkmalwissenschaft, am 21. November. Um herauszufinden, welche Burg zuerst gebaut wurde, haben Forscherinnen und Forscher einen Trick: Sie sehen sich die Fenster, die Augen der Häuser, ganz genau an. Viele der Burgen haben oben an den Türmen noch ganz alte Fenster. Die sind schmal und ziemlich hoch. „Warum sie diese Form haben, wissen wir Forscher nicht“, gibt Carmen Enss zu. „Kein Maurer hat das damals aufgeschrieben.“

Waren die Ritter zu dick?

Manche vermuten, dass die Fenster deshalb so schmal waren, damit feindliche Ritter in ihren Rüstungen nicht durchpassten. „Außerdem ist erst im Mittelalter das Glas erfunden worden.“ Erst dann konnte man die Fenster bei Kälte zumachen und sie wurden größer. „Auch die Form des Fensters verrät uns etwas über sein Alter.“ Richtig alt sind Fenster, die oben rund sind. Sie entstanden im Zeitalter der Romanik vor rund 1000 Jahren. „Danach wurden die Fenster oben spitz“, das war im Zeitalter der Gotik, also im Mittelalter. Übrigens: Besondere Gebäude, wie zum Beispiel der Bamberger Dom, haben sowohl romanische als auch gotische Fensterformen, weil ihr Bau mehrere Hundert Jahre gedauert hat.

Im Sommersemester 2019 finden weitere Kinder-Uni-Vorlesungen statt. Sobald nähere Informationen bekannt sind, stehen sie hier online.

Die Artikel verfasste Isabelle Epplé vom Fränkischen Tag. Hier geht es zu den ausführlichen Berichten zur ersten und zweiten Vorlesung.