Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte

Denkmalwissenschaften

Labor für Dendrochronologie und Gefügekunde

Das Labor für Dendrochronologie und Gefügekunde wurde 1993-97 im Rahmen des DFG-Projektes "Gefügekunde und Dendrochronologie in Thüringen und Sachsen-Anhalt" an der Otto-Friedrich-Universität aufgebaut. In dieser Zeit wurden historische Dachkonstruktionen untersucht und dendrochronologisch datiert und die bis dahin fehlenden Nadelholzchronologien erstellt. Ein wesentliches Ziel bestand im Aufbau von kleinräumigen Regionalchronologien. Dabei wurde erstmalig die systematische Holzflößung bei dem Aufbau von Chronologien berücksichtigt, denn durch den Holztransport sind Gebäudestandort und Waldstandort nicht mehr identisch. Daher wurden die Regionalchronologien längs der historischen Holztransportwege zusammengestellt, um das Bauholz den ursprünglichen Wuchstandorten zuordnen zu können. Ab 1997 wurde dieser Ansatz auf Bayern übertragen und in einem weiteren DFG-Projekt von 2006/07-2011 auch älteres Probenmaterial aus den Jahren vor dem systematischen Einsatz der EDV mit einbezogen. Auch in Bayern konnte gezeigt werden, dass das Holz für viele Städte an größeren Flüssen geflößt wurde.
Insgesamt wurden bis 2011 über 5500 historische Gebäude mit über 45.000 Proben ausgewertet. Jedes Jahr kommen zwischen 200-300 Objekte hinzu. Darin sind auch die Proben der assoziierten Labore von Georg Brütting in Ebermannstadt und von Friederike Gschwind in München enthalten. Die Proben und die Messungen werden in Bamberg archiviert. Es besteht über die DFG-Projekte hinaus eine enge Zusammenarbeit mit diversen Landesdenkmalämtern und Bauforschern, die ihre Proben in Bamberg auswerten lassen. Dadurch ist ein dichtes Netz an Regionalchronologien entstanden, die einen hohen Datierungserfolg ermöglichen. Weitere Projekte in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie im europäischen Ausland weiten die Arbeitsgebiete des Labors aus. Dazu tragen neben eigenen Forschungen wesentlich studentische Seminar-, Master- und Doktorarbeiten bei, die das Labor und die dort aufgebauten Chronologien nutzen können.