Zweigstelle der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V.

Die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V. (kurz: DGO) ist der größte Verbund für Osteuropaforschung im deutschsprachigen Raum. Sie bietet nicht nur eine Plattform zur Diskussion von Kultur, Wirtschaft und Politik in Ostmittel- und Osteuropa, sondern vermittelt auch Wissen über und Kontakte nach Osteuropa. Nach einer Übergangsphase ist die Zweigstelle Bamberg seit dem Herbst 2019 am Lehrstuhl für Slavische Sprachwissenschaft angesiedelt und wird von Prof. Dr. Sandra Birzer geleitet. 

Die Zweigstelle Bamberg unterhält eine enge Kooperation mit der Zweigstelle Erlangen am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas unter der Leitung von Prof. Dr. Julia Obertreis. 

 

Regionalgruppe Junge DGO Bamberg/Erlangen

Auf Ebene der Jungen DGO besteht seit 2019 ein Zusammenschluss von Studierenden aus Bamberg und Erlangen, der seit Juli 2020 offiziell als Regionalgruppe "Junge DGO Bamberg/Erlangen" anerkannt ist und gefördert wird. Wir möchten über das Angebot der Zweigstellen Bamberg und Erlangen hinaus ein abwechslungsreiches Programm mit neuen Formaten bieten und sowohl für die Angehörigen der beiden Universitäten als auch für eine interessierte Öffentlichkeit ein Forum zum Austausch über Osteuropa schaffen. Dafür stützen wir unser Programm grundlegend auf zwei Säulen: Neben der akademischen Säule, etwa in Form von wissenschaftlichen Vorträgen (vorrangig von Promovierenden) oder wissenschaftlichen Workshops, soll die vielfältige Kultur Osteuropas durch die kulturelle Säule, wie Filmabende oder künstlerische Workshops, repräsentiert werden. Die Vermittlung von Wissen über Osteuropa sowie die Möglichkeit zum Dialog sind dabei zentrale Anliegen.

Sprecherin in Bamberg ist Magdalena Burger, Sprecher in Erlangen ist Igor Biberman.
 

Unsere kommenden Veranstaltungen:
 


Buchpräsentation und Diskussion (online) am Dienstag, 29. Juni 2021 | 18:15 Uhr

Ivo Mijnssen  (Wien)

"Russia's Hero Cities: From Postwar Ruins to the Soviet Heroarchy"

 

NZZ-Korrespondent Ivo Mijnssen präsentiert sein kürzlich erschienenes Buch “Russia’s Hero Cities. From Postwar Ruins to the Soviet Heroarchy” (2021), das sich mit den sog. "Heldenstädten" und ihrer Bedeutung für die sowjetische und heutige russische Identität beschäftigt. Er zeigt darin auf, wie widersprüchliche nationale Erinnerungen in eine idealisierte Vergangenheit umgearbeitet wurden, die sowohl offiziellen Bedürfnissen diente als auch eine spezifische Erzählung des Heldentums bot.

Ivo Mijnssen wurde 1982 in Zürich geboren. Er hat Soziologie und osteuropäische Geschichte studiert. Im Mai 2015 schloss er an der Universität Basel seine Dissertation zur politischen und gesellschaftlichen Rolle der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion ab. Er absolvierte sein Bachelorstudium an der Brown University in den USA und weilte während seines Doktorates längere Zeit zu Forschungszwecken an der Stanford University, in der Ukraine und in verschiedenen russischen Städten. Daneben war er regelmässig journalistisch tätig, unter anderem für das «Velojournal», die Website truthdig.com und die NZZ. Nach einem Volontariat im Ressort International war er ab Mai 2015 als Redaktor für Mittel- und Osteuropa zuständig. Seit April 2019 ist er Korrespondent in Wien und schreibt über Österreich, Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei.

Die Veranstaltung wird von der Zweigstelle Bamberg organisiert und findet als virtuelle Veranstaltung via Zoom statt. Um Anmeldung wird gebeten bei: magdalena.burger(at)uni-bamberg.de

Zoom-Meeting beitreten
https://uni-bamberg.zoom.us/j/98925538497

Meeting-ID: 989 2553 8497
Kenncode: C4h.yq



Unsere vergangenen Veranstaltungen:

 

Vortrag und moderiertes Gespräch am Freitag, 23. April 2021 um 16 Uhr mit Robert Latypov und Ivan Vasilyev (Memorial, Perm): Russland auf dem menschenrechtlichen Holzweg? Zur aktuellen Lage von Erinnerungskultur und Menschenrechten

Der Fall Nawalny hat das Thema Menschenrechte in Russland der internationalen Gemeinschaft vor Augen geführt. Doch Nawalny ist aktuell nicht der einzige Aktivist, welcher für seine Aussagen im Gefängnis sitzt. Ein ähnliches Schicksal traf auch Menschenrechtler Juri Dimitrijew, Mitarbeiter von Memorial, der sich seit Juni 2020 in einem Straflager befindet. Er erinnerte an die Bedeutung und die Gefallenen unter der Stalinistischen Diktatur und dem sogenannten „Großen Terror“.  Zusätzlich zu den Individuen, schweben aktuell ganze Organisationsstrukturen wie NGOs in Gefahr, da ihre Handlungsmöglichkeiten seit Jahren von der russischen Regierung zunehmend eingeschränkt werden. Welche Möglichkeiten bleiben NGOs also heute noch, um sich weiter in den Bereichen der Menschenrechte und der Erinnerungskultur engagieren zu können? Was kann die internationale Gemeinschaft zur Stärkung der Menschenrechte und ihren Vertreter:innen in Russland tun? Wie geht es weiter in den Fällen Nawalny und Dimitrijew?

Mit all diesen Fragen werden wir uns mit Menschenrechtler Robert Latypov und Ivan Vasilyev von Memorial auseinandersetzen.  

Ablauf der Veranstaltung:                       

16.15 – 16.45 Uhr: Vortrag von Ivan Vasilyev über die NGO Memorial Perm und ihre Arbeit in Russland seit 1990

16.45 – 17.45 Uhr: Vortrag von Robert Latypov über die aktuelle Menschenrechtslage, unter anderem mit Bezug auf Nawalny und den Möglichkeiten der NGO in Russland

Anschließend laden wir zum moderierten Gespräch mit den Referenten ein.     

Eine Veranstaltung der Jungen DGO Ortsgruppe Bamberg-Erlangen.

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Deutsch-tschechischer Filmabend und Diskussion am Donnerstag, 10. Dezember 2020 um 18:15 Uhr mit der Filmemacherin Verena und den Filmemachern Ferdinand und Conrad. Zwei Kurzfilme geben einen Einblick in das aktuelle Schaffen junger Filmemacher*innen.
Verena Wagner (München) präsentiert ihren Dokumentarfilm „schichteln / keep shiftin‘“ (21 min.) aus dem Jahr 2019: Er handelt von einer Glashütte inmitten der deutsch-tschechischen Grenzregion. Durch die Nacht trägt der Zauber der Routine. Eine Symphonie aus Muskelmasse, glühend heißem Glas und Vögeln, die das Morgenlicht besingen.
In ihrem Dokumentarfilm „Die letzte erste Tanke | První a poslední pumpa“ (21 min.) aus dem Jahr 2020 beschäftigen sich Ferdinand Hauser (Wien) und Conrad Winkler (München) mit den Themen Heimat und Grenze, mit dem Tanktourismus und dem Leben an der Tankstelle: Zwei Tankstellen in der Mitte Europas. Zwei Nicht-Orte. Eine Grenze. Die Kunden kommen und fahren. Die Tankwarte bleiben.

Im Anschluss an die Filmvorführung sprechen die Filmemacherin und die zwei Filmemacher über ihre beiden Filme sowie die Besonderheiten und Herausforderungen, die sich bei ihrer Arbeit ergeben haben.

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Vortrag und Diskussion (online) am Donnerstag, 5. November 2020 von Sebastian Relitz (Jena): Herausforderungen internationaler Konfliktbearbeitung in postsowjetischen Sezessionskonflikten: Die EU in Abchasien

Der Zerfall der Sowjetunion ging mit Sezessionsbewegungen einher, welche von Gewalt begleitet wurden oder immer noch werden. Die daraus entstandenen De-facto-Staaten befinden sich Jahrzehnte später in einem frozen, bzw. protracted conflict mit den Staaten, zu welchen sie völkerrechtlich gehören. Abgesehen von den beiden Konfliktparteien versuchen außerdem verschiedene internationale Akteure das Geschehen in unterschiedliche Richtungen zu beeinflussen.

Sebastian Relitz ist Doktorand an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und engagiert sich als Direktor der NGO Corridors im zivilgesellschaftlichen Peacebuilding. In seinem Vortrag wird er eine Einführung in die Sezessionskonflikte im postsowjetischen Raum und Strategien und Handlungsdilemmata für internationale Akteure geben. Am Fallbeispiel Abchasien werden Implementierung von EU-Politik, Ergebnisse und zentrale Herausforderungen verdeutlicht. Vor der Diskussion wird Sebastian Relitz außerdem die Aktivitäten von Corridors mit ihren Chancen und Schwierigkeiten präsentieren.

Eine Veranstaltung der Jungen DGO Ortsgruppe Bamberg-Erlangen.

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Vortrag am Donnerstag, 28. Mai 2020 von Dr. Alina Jašina-Schäfer (Gießen): Everyday Belonging in Post-Soviet Borderlands: The Case of Russian Speakers  in Estonia and Kazakhstan

Focusing on the lives of Russian speakers, their visions of space and community in post-Soviet Estonia and Kazakhstan, this talk provides insights into the complex meanings of everyday belonging among linguo-cultural minorities. How do minorities define own surroundings? How do they respond to possible political and socio-cultural exclusions? How do they reconcile between claims of being excluded and attempts to call places like Estonia or Kazakhstan their home? To unpack these questions productively in this talk I draw not only on the broader political discourses but concentrate especially on the micro-level practices of Russian speakers in two borderland cities – Narva in Estonia and Petropavlovsk in Kazakhstan. Surveying these intersecting layers, I wish to reconstruct the life in the borderlands as that of ‘exterior interiority’ – a continuous spiral play of boundary construction, appropriation, and transgression between different versions of Estonianness/Kazakhness, Europeanness/Cosmopolitanness and Russianness.

Alina Jašina-Schäfer studierte Central and East European Studies with German in Glasgow und Mainz sowie International Relations and European Studies in Budapest. Sie promovierte sich am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) in Gießen. Für ihre Dissertation zum Thema "Places of Belonging, Places of Becoming: Narratives and Practices of Russian Speakers in post-Soviet Estonia and Kazakhstan" wurde sie mit dem diesjährigen Klaus-Mehnert-Preis der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde ausgezeichnet. 

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Filmabend am Donnerstag, 6. Februar 2020 mit einer Einführung von Eva Binder (Innsbruck): DONBASS (Sergei Loznitsa, 2018)

Sergei Loznitsa führt in seinem  Spielfilm in 13 Episoden durch die vom Krieg verwüstete Ostukraine und zeichnet das Bild einer in jeder Hinsicht verheerten Region. Krieg wird dort als Frieden bezeichnet, Propaganda als Wahrheit und Hass als Liebe. Eine Reise durch den Donbass entwickelt sich zu einer Reihe aufregender Abenteuer, in denen das Groteske und Dramatische so eng verbunden sind wie Leben und Tod. Der Film ist keine Geschichte einer Region, eines Landes oder eines politischen Systems: Es geht um eine von Post-Wahrheiten und Fake-Identitäten verseuchte Welt.

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Vortrag am Mittwoch, 11. Dezember 2019 von Niklas Zimmermann (München): Sudetendeutsch, katholisch und tschechisch: Die Ackermann-Gemeinde von 1946 bis heute

Die Ackermann-Gemeinde entstand 1946 als katholische „Gesinnungsgemeinschaft“ von Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Böhmen, Mähren und Schlesien vertrieben wurden. In den ersten zwei Jahrzehnten nach ihrer Gründung wirkte sie vor allem innerhalb der eigenen „Volksgruppe“, bevor sie nach Abtritt der „Erlebnisgeneration“ verstärkt „Osthilfe“ für Katholiken in der kommunistischen Tschechoslowakei betrieb. Im Zuge von heftigen vergangenheitspolitischen Debatten ab 1989 etablierte die Ackermann-Gemeinde verschiedene Dialogforen zur deutsch-tschechischen Verständigung. Der Vortrag geht der Frage nach, wie sich Ausrichtung und Wirken der religiös-politisch motivierten Organisation unter stark veränderten historischen Rahmenbedingungen entwickelt haben.

Niklas Zimmermann ist in Basel und Bern in der Schweiz aufgewachsen und promoviert seit 2016 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Studienbegleitend absolvierte er Aufenthalte in Mittel- und Osteuropa und sammelte journalistische Erfahrungen. Seit April 2019 ist er Volontär der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 

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Vortrag am Dienstag, 29. Oktober 2019 von Leonid Klimov (Wissenschaftsredakteur von dekoder): An der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Medien: das Online-Magazin zu Russland dekoder.org

Das mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete Online-Medium dekoder.org bringt russischen unabhängigen Journalismus und wissenschaftliche Kompetenz aus europäischen Universitäten auf eine gemeinsame Plattform und baut eine Schnittstelle zwischen Journalismus und Wissenschaft auf. Damit setzt sich dekoder zum Ziel die wissenschaftlichen und journalistischen Diskurse, die weitgehend unabhängig voneinander geführt werden, ineinander zu verflechten.

Im Vortrag werden praktische Erfahrungen sowie der theoretische Rahmen für den Aufbau einer solchen Schnittstelle skizziert. Anschließen diskutieren wir Fragen rund um Wissenschaft und Journalismus sowie um Russland und Russland-Bilder.