Forschungsinteressen
- Polnische und russische Literatur des 18.–21. Jahrhunderts
- Literatur und Poetik im Kontext von Ideengeschichte, Intellectual History und Religion
- Polnische und russische Lyrik
- Theorien der Literatur und Ästhetik
- Komparatistik und Literaturkontakte
- Literatur und Formen der Reduktion (u.a. Askese, Lakonismus)
- Inoffizielle Kulturen (Konspiration in Warschau 1939–45; sowjetischer Underground)
- Emigration (v.a. Große Emigration der polnischen Romantik; polnische und sowjetische Emigration nach 1945)
- Ost-/mitteleuropäischer Film
- Ethical Criticism
Schwerpunkte
Das Hauptmerkmal meines Zugangs zu Literatur liegt in einer engen Verschränkung formal-ästhetischer mit ideengeschichtlichen Fragestellungen. Beide Sphären – so die Grundannahme – sind nicht selbsterklärend, sondern verweisen fundamental auf die je andere. Hierfür stehen exemplarisch die Monographien zu Boris Pasternaks Poetik des Lichts (Axiome der Dämmerung, 2015) und zu Neuschreibungen des romantischen Aktivismus in der polnischen Literatur (Handlungsspielraum, 2022): Während erstere ein metaphorologisches Modell philosophischen Schreibens nach der Philosophie entwickelt (Pasternak war bis zu seinem Studienabschluss ‚Marburger‘ Neukantianer), untersucht letztere Aktualisierungen des aufständischen Erbes der polnischen Romantik (Cyprian Norwid, Stanisław Brzozowski sowie eine Reihe von Dichtern der Kriegsgenration um die Zeitschrift Sztuka i Naród [Kunst und Nation], 1942–1944), die den Aktivismus weitertradieren, indem sie ihn als poetisches Material polemisch neu modellieren. Jüngere Beispiele für den Grenzgang zwischen Poetik und Ideengeschichte finden sich in Beiträgen zu Entwürfen der menschlichen Person bzw. des Gesichts in Literatur, Film und Theorie oder zur Idee des Poetischen als eigenständiger Denk- und Lebensform in Literaturen der Emigration vom exilpolnischen Kultura-Kreis bis zur neuen russischen Emigration (‚fünfte Welle‘).
Aktuelles Buchvorhaben
Derzeit sammle ich Material für ein komparatistisches Buchvorhaben zu Stilen des Maßes, Taktes und der leichtfüßigen Ironie in erzählender Prosa der 1920er bis 1940er Jahre unter dem Arbeitstitel „Zurückhaltung als Form“. So verschiedene Autoren wie Gajto Gazdanov, Antal Szerb, Cesare Pavese, Vsevolod Petrov oder Jerzy Stempowski verbindet, dass sie einen Weg jenseits der modernen Erzähloptionen von ‚Bewusstseinsstrom‘ und ‚kurzem Satz‘ suchen. Das macht sie auf je eigene Weise zu Vertretern einer internationalen neuen Sachlichkeit. Noch mehr jedoch wenden sie sich im Zeitalter der Weltkriege – mit Michail Kuzmins Ausdruck – einer „wunderbaren Klarheit“ (prekrasnaja jasnost′) zu, die Stilideal und existenzielle und vielleicht auch gesellschaftliche Aussage zugleich ist.
