In der vierten Tandemveranstaltung wurde das Konzept "Slow Logistics" vorgestellt.

Im Rahmen der Tandemreihe Wissenschaft-Praxis kooperiert die Universität Bamberg mit der Handwerkskammer Oberfranken und der IHK Oberfranken Bayreuth.

Dr. Jonas Wiese vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktion und Logistik, wies darauf hin, klimaneutral zu handeln.

Außerdem erfuhren die Zuschauer, wie das Konzept in die Praxis umgesetzt werden kann.

- Ivana Peric

Warum schnell, wenn es auch langsam geht?

Vierte Tandemveranstaltung stellt das Konzept Slow Logistics vor

Heute bestellen, morgen erhalten – Schnelligkeit ist in der Logistik ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Das Konzept Slow Logistics stellt diese Gesetzmäßigkeit in Frage, indem es Zeitpotentiale in der Wertschöpfungskette ausschöpft, zugunsten von Nachhaltigkeit und Effizienz, aber auch von Wirtschaftlichkeit.

Wie wichtig die Anwendbarkeit der Theorie für die Praxis ist, verdeutlicht die regelmäßig stattfindende Tandemreihe Wissenschaft-Praxis. Die Kooperation zwischen der Universität Bamberg, der Handwerkskammer für Oberfranken und der IHK Oberfranken Bayreuth regt den Ideenaustausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft an, indem Unternehmensvertreterinnen und -vertreter als Tandempartner aus dem Nähkästchen plaudern und zeigen, wie das Wissen aus der Forschung erfolgreich umgesetzt werden kann. Das Tandemmotiv steht dabei geradezu sinnbildlich für das Thema der aktuellen Veranstaltung zum Konzept Slow Logistics am 23. Januar: „Ein Tandem ist ursprünglich ein Wagen mit zwei Pferden. Diese 2 PS bilden das Gegenteil von Schnelligkeit, ebenso wie  das Konzept der Slow Logistics es tut“, erklärt Prof. Dr. Maike Andresen, Vizepräsidentin Forschung an der Universität Bamberg bei ihrer Begrüßung. Durch Slow Logistics werden logistische Prozesse in der Wertschöpfungskette gezielt entschleunigt, um dem Unternehmen ökologische, ökonomische und soziale Vorteile zu bringen.

Nachhaltig und Effizienz als Kern des Konzepts

Nachhaltigkeit und Effizienz werden in unserer Gesellschaft großgeschrieben und durchziehen fast alle ihre Bereiche. In der Politik ist von der Reduktion von CO2-Emissionen die Rede, Discounter bieten vermehrt Fairtrade-Produkte an und auch die Wirtschaft wird angehalten, nachhaltig zu produzieren. Laut einer Umfrage haben sich bereits 2013 über 50 Prozent der befragten Unternehmen Nachhaltigkeitsaspekte auf die Fahnen geschrieben. Besonders in der Logistik spielt das Thema eine große Rolle. Der Anteil am weltweiten CO2-/GHG-Ausstoß beträgt je nach Studie zwischen 8 und 23 Prozent. „Das Ziel muss es sein klimaneutral zu handeln, das heißt, keinen Nettoausstoß von Treibhausgasen zu produzieren oder den Ausstoß an einer anderen Stelle im Wertschöpfungsprozess einzusparen“, erklärt Dr. Jonas Wiese, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktion und Logistik.

Das Konzept Slow Logistics lasse sich dabei in einer der drei Basisstrategien zur Emissionsreduktion einordnen, nämlich in das Handlungsfeld der nachhaltigen Prozessgestaltung. Indem vorhandene Zeitfenster bei logistischen Prozessen in der Wertschöpfungskette identifiziert und genutzt werden, kann auf eine sozial-ökologische Wertschöpfung geachtet werden. Die in Kauf genommene Prozessentschleunigung wirkt sich dabei keinesfalls zulasten der ökonomischen Effizienz aus, sondern setzt vielmehr bei Produkten an, die eine Schnelligkeit in der Zustellung nicht verlangen. Anstelle von Geschwindigkeit treten die Kriterien Ressourcenschonung und Lieferzuverlässigkeit an erste Stelle, so Wiese.

Slow Logistics in der Praxis

In der Praxis kann Slow Logistics zum Beispiel in Form einer Sendungsbündelung umgesetzt werden. In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Produktion und Logistik der Universität Bamberg entwickelte die Ofa Bamberg GmbH ein System, dass das Konzept in den Verpackungsprozess verlagert und die Versandströme bündelt. „Die Sammellagerfächer ermöglichen uns einen gebündelten Versand und sehen eine Reduktion der Versandkosten um 20 Prozent vor“, berichtet Dr. Hartwig Frinke, Geschäftsführer des Medizinproduktherstellers. Der Inhaber der Firma Denk Keramik, Fabian Denk, referierte über die logistischen Erfolgsfaktoren im Endkundengeschäft. „Unsere Produkte und Prozesse sind auf Nachhaltigkeit ausgelegt“, betonte der Diplom-Kaufmann. In seinem Unternehmen werde Kundenzufriedenheit durch eine „Wohlfühllogistik“ generiert, gesichert durch eine schnelle, zuverlässige, aber zugleich auch transparente, sichere, wunschgemäße und freundliche Lieferung.

Die nächste Veranstaltung in der Tandemreihe Wissenschaft-Praxis findet am 29. Mai zum Themenbereich „Marketing" statt.