Thomas Saalfeld (l.) war 2015 zum ersten Mal Gastgeber der ECPR Winter School.

Vorträge sind elementarer Bestandteil der Winter School, die neue Methoden vermittelt.

Doktorandinnen und Doktoranden knüpfen internationale Kontakte.

Anfang 2020 fand die Winter School zum letzten Mal in Bamberg statt.

- European Consortium for Political Research

Gastgeber für Top-Forschende aus aller Welt

Nach sechs Jahren hat die BAGSS zum letzten Mal die ECPR Winter School veranstaltet. Ein Resümee von Thomas Saalfeld.

Über 2.500 Gäste aus aller Welt haben in den letzten sechs Jahren die Winter School for Methods and Techniques an der Universität Bamberg besucht. Sie wird vom European Consortium for Political Research (ECPR) angeboten. Die Bamberg Graduate School of Social Sciences (BAGSS) hat diese seit 2015 jedes Jahr organisiert. Nach zwei Bewerbungszyklen endet ihre Zeit als Gastgeberin turnusgemäß. In den nächsten drei Jahren richtet die Katholische Universität Leuven in Belgien die Winter School aus. BAGSS-Sprecher Prof. Dr. Thomas Saalfeld spricht im Interview mit dem ECPR-Veranstaltungsteam über Erwartungen, Erfahrungen und Ratschläge.

Was war Ihre erste Erfahrung mit der ECPR Methods School?

Thomas Saalfeld: Meine allererste Erfahrung habe ich als Gastgeber der ersten Winter School in Bamberg gemacht. Ich kannte bereits die Methodenschulen und mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sie gegründet haben. Aber ich bin mit ihnen bis dahin nicht direkt in Berührung gekommen.

Was hat Sie daran gereizt, die Winter School zu veranstalten?

Wir haben uns als Gastgeber für die erste Winter School beworben, weil wir unser Profil stärker sichtbar machen wollten: Die Universität Bamberg ist eine internationale Institution, an der wir empirische Forschungsmethoden in den Sozial- und Humanwissenschaften lehren und anwenden. Damals haben wir zum ersten Mal eine Winter School ausgerichtet. Bamberg ist eine kleine Stadt, die auf der internationalen, akademischen Landkarte kaum bekannt war – trotz der Bekanntheit einiger unserer Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Zum Beispiel hatten Ulrich Beck, Hans-Peter Blossfeld und Ursula Hoffmann-Lange Professuren an der Universität Bamberg inne. Aber wir wollten beweisen, dass wir uns nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen.

Außerdem haben wir gehofft, dass die Winter School unserem wissenschaftlichen Nachwuchs neue Möglichkeiten eröffnet: Wir wollten für sie nicht nur eine Vielzahl erstklassiger Kurse nach Bamberg holen, sondern ihnen auch die Chance geben, als Lehrassistentinnen und -assistenten mitzuarbeiten.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja, die Winter School hat geholfen, Bamberg auf der Landkarte besser zu positionieren. Für viele unserer Doktorandinnen und Doktoranden haben sich neue berufliche Möglichkeiten ergeben. Durch die Kontakte, die sie während der Winter School geknüpft haben, sind auch gemeinsame Projekte mit renommierten Forschenden und Institutionen entstanden.

Was hat Ihnen am Organisieren der Winter School am meisten gefallen?

Am meisten mochte ich die Zusammenarbeit mit den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und dem ECPR-Veranstaltungsteam. Es war wunderbar, so viele hochqualifizierte, junge Forschende in unserer Schule willkommen zu heißen. Nicht zuletzt kamen dadurch zahlreiche großartige Kolleginnen und Kollegen – einige von ihnen gute Freunde – als Kursleiterinnen und -leiter zurück nach Bamberg. Der Austausch mit den Dozentinnen und Dozenten hat meinen Horizont bezüglich fortgeschrittener Methoden sicherlich erweitert.

Wie hat die Bamberg Graduate School of Social Sciences davon profitiert, die Winter School zu veranstalten?

Die Veranstaltung hat der Bamberg Graduate School of Social Sciences sehr viele Vorteile eingebracht. Wie bereits erwähnt, hat uns die Winter School international sichtbar gemacht. Wir konnten unsere Arbeit an gute Beispiele anpassen, die wir in Methodenkursen gelernt haben. Außerdem haben wir unser Wissen über das Ausrichten großer, internationaler Bildungsveranstaltungen geschult – vom allgemeinen akademischen Konzept bis hin zur detaillierten Umsetzung vor Ort.

Was raten Sie künftigen Gastgebern?

Eine Methodenschule zu veranstalten, ist eine ernstzunehmende Verpflichtung. Das ECPR-Veranstaltungsteam und die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bieten professionelle Hilfe an. Aber unterschätzen Sie nicht das Wohlwollen und die Ressourcen, die Sie innerhalb Ihrer Institution erzeugen müssen. Unerwartete Vorkommnisse können beim Organisieren einen Strich durch die Rechnung machen, aber insgesamt ist es eine bereichernde Erfahrung.

Hinweis:

Das Interview wurde mit freundlicher Genehmigung des European Consortium for Political Research veröffentlicht.