Daniela Nicklas (l.) hat Brent Lagesse (Mitte) für die Johann-von-Spix-Professur vorgeschlagen, Präsident Godehard Ruppert gratuliert zur Auszeichnung.

Brent Lagesse von der University of Washington ist Johann-von-Spix-Professor

Der Informatiker arbeitet mit Studierenden im „Living Lab Bamberg“ an Experimenten zum Datenschutz im Internet der Dinge.

Informatiker Prof. Brent Lagesse, Ph.D., hat im Wintersemester 2019/20 die Bamberger Johann-von-Spix-Professur inne. Am Montag, den 2. Dezember 2019, hält er einen öffentlichen englischsprachigen Vortrag über Privacy in a World with Billions of Cameras (deutsch: Datenschutz in einer Welt mit Milliarden von Kameras). Die Veranstaltung findet um 18 Uhr in Raum WE5/00.022, An der Weberei 5, in Bamberg statt. Brent Lagesse ist Associate Professor an der University of Washington. Seine hauptsächlichen Forschungsfelder sind Sicherheit und Datenschutz in sensorbasierten Systemen. Sensoren erfassen und produzieren Daten, zum Beispiel sind Mobiltelefone damit ausgestattet.

Sensoren sind auch eine wichtige Datengrundlage für sogenannte Smart Cities: Städte und Kommunen möchten aktuelle Informationen über ihren Verkehr, ihre Luftqualität oder auch den Füllstand von Kotbeutelspendern erfassen. Mit diesen Daten können sie städtische Prozesse besser gestalten und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger erhöhen. Dazu forscht Informatikerin Prof. Dr. Daniela Nicklas, die Lagesse für die Johann-von-Spix-Professur vorschlug: „Brent Lagesse passt mit seinen Arbeiten hervorragend in die Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik. Seine Forschungsarbeit weist viele Anknüpfungspunkte zu den Arbeitsgruppen Kognitive Systeme, Privatsphäre und Sicherheit in Informationssystemen sowie Mobile Systeme auf.“

Experimente ab dem Sommersemester 2020

Brent Lagesse arbeitet an der Universität Bamberg mit den beiden Professorinnen Daniela Nicklas und Prof. Dr. Ute Schmid sowie mit Prof. Dr. Dominik Herrmann zusammen. Zu seinen Aufgaben gehört beispielsweise ein Masterseminar zum Thema Datenschutz in sensorbasierten Systemen, das er gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Simon Steuer anbietet. Einmal pro Monat kommt Lagesse dafür nach Bamberg. Die beiden Informatiker erstellen für das Living Lab Bamberg mit den Studierenden eine technische Infrastruktur, die ab dem Sommersemester 2020 für sogenannte Crowd-Sensing-Experimente eingesetzt werden kann. Dabei unterstützen Freiwillige die Forschung, indem sie mit Hilfe ihres Smartphones Sensordaten messen. So könnten zum Beispiel typische und gute Fahrradrouten in Bamberg erfasst werden.

In den folgenden drei Jahren werden sich Studierende aus Bamberg, Coburg und Washington mit unterschiedlichen Fragen in solchen Crowd-Sensing-Experimenten beschäftigen: Wie kann die Privatsphäre der Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschützt werden? Wie überprüft und verbessert man die Qualität der erhobenen Daten? Und welche Bereiche einer Smart City profitieren besonders von Crowd-Sensing-Experimenten?

Studierendenaustausch zwischen Bamberg und Washington

„Das Living Lab erlaubt uns verschiedene Experimente zum Datenschutz im Internet der Dinge“, sagt Lagesse. Das ist nicht der einzige Grund, warum er sich auf die Zusammenarbeit mit der Universität Bamberg freut: „Es ist schön, dass meine Studierenden von der University of Washington internationale Forschungserfahrung sammeln und eine andere Kultur kennen lernen können.“ Jeweils rund fünf Studierende erhalten in den kommenden drei Sommersemestern eine Förderung für einen Auslandsaufenthalt in Bamberg.

Lagesse, Nicklas und Schmid arbeiten seit 2016 zusammen. In einem gemeinsamen Paper haben sie beschrieben, für welche Forschungsfragen sie das Living Lab verwenden könnten. Nun setzen sie die theoretischen Überlegungen in Form von Experimenten um.

Professur für internationale Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler

Die Johann-von-Spix-Professur wird seit 2015 an internationale Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verliehen. Sie ist benannt nach Johann Baptist von Spix. Ab 1799 studierte er Philosophie an der Universitas Ottoniano-Fridericiana, einer Vorläuferinstitution der Universität Bamberg, an der er auch promovierte. Seine vierjährige Forschungsreise durch Brasilien verschaffte dem Zoologen viel Anerkennung. Der durch Forschungen in fernen und über ferne Länder geprägte Lebenslauf des Bamberger Alumnus verkörperte bereits vor 200 Jahren auf ungewöhnliche Weise Internationalität.