Präsident Godehard Ruppert (Mitte) mit den frisch gewählten Vizepräsidenten Guido Wirtz (links) und Frithjof Grell (rechts).

Frithjof Grell wird der neue Vizepräsident für Lehre und Studierende.

Guido Wirtz bleibt weiterhin Vizepräsident für Technologie und Innovation.

- Martin Beyer

Die Zukunft ist jetzt

Die Wahl der Vizepräsidenten sorgt für Kontinuität im Wandel

2017 ist Wahljahr: Nachdem Godehard Ruppert als Präsident der Universität Bamberg bestätigt wurde, stand am 2. Juni die Wahl der Vizepräsidenten an. Das Aufgabengebiet Lehre und Studierende wird mit Frithjof Grell neu besetzt, die Aufgaben Technologie und Innovation bleiben in Guido Wirtz’ Händen. Das dritte Aufgabengebiet steht dann 2018 zur Wahl.

Auf die in einer Position neu formierte Bamberger Universitätsleitung kommt in den nächsten Jahren viel Arbeit zu: Es geht um nationalen und internationalen Wettbewerb. Es geht um Profilschärfung in Forschung und Lehre. Es geht um die Herausforderungen der Digitalisierung. Es geht um Systemakkreditierungen und Exzellenzstrategien. Es geht um Drittmittel, um Transfer, um das Werben um die besten Köpfe. – Bei allem Wandel bleibt der Wesenskern der Universität bestehen: das neugierige, leidenschaftliche Erforschen der Zusammenhänge und das nicht minder engagierte Vermitteln dieses Wissens an die Studierenden.

Frithjof Grell ist der neue Vizepräsident für Lehre und Studierende

Dass dieser Wesenskern nicht aus den Augen verloren wird, ist dem neuen Vizepräsidenten für das Aufgabengebiet Lehre und Studierende, Prof. Dr. Frithjof Grell, besonders wichtig. Seine Amtszeit beginnt am 1. Oktober 2017. Er folgt auf Prof. Dr. Sebastian Kempgen, der zum Ende des Wintersemesters 2017/18 in Ruhestand gehen wird. Bis dahin betreut er jedoch noch den Prozess der Systemakkreditierung, der im März 2018 abgeschlossen sein soll. Frithjof Grell ist Erziehungswissenschaftler mit dem Arbeitsgebiet Elementar- und Familienpädagogik und ein Pädagoge durch und durch. In seiner Familie wird der Lehrerberuf seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts ausgeübt – zur Universität Bamberg hat er ein besonderes Verhältnis, seit er die Antrittsvorlesung eines seiner damaligen akademischen Lehrer, des Philosophen Wolfgang Welsch, in der Domstadt gehört hatte. „Hier zu leben, zu forschen und zu lehren muss wunderbar sein“, dachte er sich noch als junger Wissenschaftler, und tatsächlich führten ihn seine Wege an die Otto-Friedrich-Universität, wo er seit 2008 arbeitet und seit 2014 den Lehrstuhl von Prof. Dr. Hans-Günther Roßbach vertritt. Ein starkes Motiv seines Engagements ist für Grell die ausgeprägte Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Daher hat er vor und neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit von Beginn an weitere universitäre Aufgaben übernommen: Beauftragter für den Studiengang Bachelor/Master Berufliche Bildung/Fachrichtung Sozialpädagogik; Mitglied der wissenschaftlichen Leitung des Bamberger Zentrums für Lehrerbildung (BAZL); Sprecher des Schwerpunkts Berufliche Bildung im Projekt WegE – Qualitätsoffensive Lehrerbildung.

Den Mut zur Verantwortung möchte Grell auch bei den Studierenden stärken, damit das Studium in Bamberg nicht nur eine Zeit der Berufsvorbereitung wird, sondern eine Phase, „in der die jungen Menschen lernen, eigenverantwortlich und selbstdenkend zu handeln“. Eine Aufwertung des Studium Generale, eine Ausweitung des Mehrfachbachelor, eventuell der teilweise Verzicht auf Noten in den ersten Semestern, in denen es vor allem noch um Orientierung geht. Alles Punkte, die sich Grell vorstellen kann, um den inneren Bezug der Studierenden zum Studium und zu sich selbst zu stärken.

Auf seiner Agenda stehen darüber hinaus große Entwicklungsprozesse der Universität. Wie kann die Qualität der Lehre gesichert und entwickelt werden? Der strukturelle Ausbau der bisherigen Angebote und Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung in der Lehre ist zentraler Bestandteil seines Aufgabengebiets. Damit nicht nur die besten Forscherinnen und Forscher, sondern auch die besten Lehrenden nach Bamberg kommen, möchte er sich dafür einsetzen, dass bei Berufungsverfahren der pädagogischen Eignung noch mehr Gewicht beigemessen wird. Und auch die Lehrerbildung als zentrale Säule des Bamberger Studienangebots möchte er noch stärker im universitären Bewusstsein verankern. Dabei möchte er die kurzen Wege der Universität nutzen: „Mir ist der intensive, regelmäßige persönliche Austausch wichtig, auf allen Ebenen: mit den Studierenden, mit der Verwaltung, mit den Kolleginnen und Kollegen.“ Mit Frithjof Grell hat die Universität einen Vizepräsidenten gewonnen, für den die Inhalte seines Aufgabengebiets Lehre und Studierende mehr als ein professioneller Auftrag sind, eher so etwas wie eine Herzensangelegenheit.

Guido Wirtz für dritte Amtszeit bestätigt

Prof. Dr. Guido Wirtz, Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Informatik, steht indessen bereits vor seiner dritten Amtsperiode als Vizepräsident für Technologie und Innovation. „Das Amt in dieser Phase zu übergeben, wäre sehr schwierig gewesen“, sagt er. Über 40 laufende Initiativen betreut Guido Wirtz neben seiner Lehrtätigkeit, davon sind einige noch im Anfangsstadium. Die Fortführung der Zielvereinbarungsprojekte im Bereich IT wie der weitere Aufbau des Dokumentenmanagements- und die Einführung eines Forschungsinformationssystems stehen ganz oben auf der Agenda, da die derzeitigen Zielvereinbarungen Ende 2018 auslaufen. Wichtige Projekte für die nächsten Jahre sind die anstehende Modernisierung des gesamten Campus-Managements und die Schaffung besserer Infrastrukturen für den Einsatz digital unterstützter Lehre. Insgesamt geht es Guido Wirtz darum, die IT-abhängigen Arbeitsbedingungen stetig zu modernisieren und damit die Universität konkurrenzfähig zu halten. Außerdem spielt der Aspekt der digitalen Sicherheit in Zeiten von Cyberattacken eine immer größere Rolle.

Inhaltlich wichtige Projekte sind die Nutzung des Digital Campus-Programms der Staatsregierung, um weitere Fächergruppen im Bereich Digital Humanities durch zusätzliche Ressourcen zu ergänzen. Denn selbst ursprünglich IT-ferne Fächer binden immer stärker digitale Methoden in Forschung und Lehre ein. Im Rahmen der TechnologieAllianzOberfranken (TAO), einem Verbundprojekt der vier oberfränkischen Hochschulen, stehen derzeit die Planungen für neue, duale und grundständige Studienangebote durch einen Kompetenzverbund Denkmalwissenschaften/Kulturgutsicherung im Vordergrund: Hier entwickeln die Hochschulen Bamberg und Coburg gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und den Handwerkskammern neue, bundesweit einmalige Konzepte der Zusammenarbeit. Zusätzlich ist der Aufbau eines Wissenschaftscampus Oberfranken geplant. Zu jährlich wechselnden Themen wird hier ein gemeinsames Lehrangebot der vier TAO-Hochschulen für ihre Studierenden geschaffen.

„Eine gute Selbstorganisation ist sehr wichtig“, sagt Wirtz angesichts der Fülle der Vorhaben. An dem Amt des Vizepräsidenten schätzt er vor allem den Kontakt zu anderen Fächerkulturen und damit die Möglichkeit, eine Außensicht auf das eigene Fach einnehmen zu können. „Aus diesen Kontakten nehme ich viele Impulse für die eigene Arbeit mit.“ 

Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert wird von einem Team von zwei Vizepräsidenten und einer Vizepräsidentin unterstützt. Das Aufgabengebiet Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs, das Prof. Dr. Maike Andresen verantwortet, steht wegen einer zeitversetzten Amtsperiode 2018 zur Wahl. Nach dem Wahljahr 2017 ist deutlich geworden: Die Universität Bamberg setzt auf Kontinuität im Wandel – und ist für zukünftige Aufgaben bestens gewappnet.