Ulf Abraham (Mi.) und Ina Brendel-Perpina (re.) haben eine Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert ... (Fotos: Literaturhaus Stuttgart)

..., die vom Literaturhaus Stuttgart initiiert wurde.

Literarisches Schreiben im Deutschunterricht

Bamberger Didaktiker entwickeln Fortbildungsprogramm für das Literaturhaus Stuttgart

Die Kooperation des Lehrstuhls für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur mit dem Literaturhaus Stuttgart ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich und in ganz Deutschland einmalig. Denn in dem Fortbildungsprogramm für Lehrer werden bundesländerübergreifend Forschung und Praxis miteinander verbunden.

Einst beheimatete das Literaturhaus Stuttgart das Arbeitszimmer von Robert Bosch; heute heißt es Besucher willkommen, die sich mit der deutschen Sprache und Literatur befassen. Neben Lesungen, Ausstellungen und anderen Veranstaltungen finden dort auch Schreibwerkstätten statt. Dieses Angebot richtete sich zunächst an Jugendliche und einige ausgewählte Schulen. Doch der stellvertretende Leiter des Hauses, Erwin Krottenthaler, hatte die Vision, dieses Konzept weiterzuentwickeln. Daher trat er an Prof. Dr. Ulf Abraham, den Leiter des Bamberger Lehrstuhls für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, heran. Das Resultat dieser Zusammenarbeit ist ein deutschlandweit einzigartiges Fortbildungsprogramm für Deutschlehrer aller Schularten.

Literarische Texte selbst verfassen

Das 2011 gestartete Gemeinschaftsprojekt von Prof. Dr. Ulf Abraham und Dr. Ina Brendel-Perpina mit dem Literaturhaus Stuttgart bietet jeweils 54 Lehrern die Möglichkeit, sich intensiv fortzubilden. Anders als üblich erstreckt sich die Dauer dieser Weiterbildung nicht nur über ein paar Tage, sondern über zwei Jahre. Ganz bewusst wurde diese nachhaltige Form der Organisation gewählt. Mit Erfolg, denn die Fortbildung findet bereits zum wiederholten Mal statt. Im ersten Jahr nehmen die Lehrer selbst an Werkstätten teil. Ziel ist es, die eigenen Fertigkeiten im Schreiben literarischer Texte zu verbessern und diese Erfahrung zu reflektieren. Dabei geht es vor allem um Verfahren der Textverbesserung und um Beurteilungskriterien für literarische Entwürfe.

Die Teilnehmer der Fortbildung können zwischen fünf Gattungen des Literarischen Schreibens wählen: „Wort und Spiele“ (also „spoken word art“) sowie dem szenischen, journalistischen, erzählenden und lyrischen Schreiben. Angeleitet werden sie dabei von Autoren und anderen kunstschaffenden Dozenten. Die Fähigkeit eines Lehrers, selbst Texte zu produzieren, vergleicht Prof. Dr. Ulf Abraham mit derjenigen von Musik- und Kunstlehrern, die ebenso lernen, Werkformen zu demonstrieren, um Vorbilder für die jeweilige Kompetenz zu sein und den Unterricht handlungsorientiert zu gestalten. „Dieser Aspekt wird jedoch in den meisten germanistischen Lehreramts¬studiengängen eher vernachlässigt“, so der Wissenschaftler.

Perspektivenwechsel

Die zweite Phase der Fortbildung dient den Lehrern dazu, von ihren neu gewonnenen Kompetenzen im Bereich des Literarischen Schreibens Gebrauch zu machen. Mit Projektklassen erproben die Lehrer neue Formen des Deutschunterrichts. So wurden beispielsweise  im ersten solchen Projektschuljahr (2012/13) in den Klassen dramatische Szenen geschrieben und aufgeführt, Reportagen zu selbst gewählten Themen verfasst oder Erzählungen gestaltet,  In Wochenendseminaren begleiten und evaluieren Ina Brendel-Perpina und Ulf Abraham die Erfahrungen unter fachdidaktischen Gesichtspunkten. „Neben dem Weiterbildungsaspekt dient das Projekt gleichsam der Entwicklung und Erprobung neuer didaktischer Konzepte“, erzählt Brendel-Perpina. Dabei gehe es vor allem darum neben den alten Ritualen der Textanalyse und Interpretation „neue Rituale im Literaturunterricht zu etablieren“.

Dass diese Verknüpfung von Forschung und Praxis äußerst erfolgreich ist, zeigt allein die Veröffentlichung mehrerer Publikationen aus der Mitte der Dozenten und der Fortbildungsteilnehmer heraus. Ferner werden die beiden Wissenschaftler in Kürze Evaluationsergebnisse des Fortbildungsprogramms veröffentlichen.

Eine „Win-win-Situation“

Das Fortbildungsprogramm ist mit einem enormen Organisationsaufwand verbunden, der allein mit den Mitteln des Lehrstuhls nicht zu bewältigen wäre. „Die Kooperation mit dem Literaturhaus ist daher auch unter diesem Gesichtspunkt eine tolle Sache für uns“, sagt Ulf Abraham. Ina Brendel-Perpina schätzt zudem die besondere Atmosphäre des Literaturhauses und die Möglichkeit, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung dort bei Gesprächsreihen mit bekannten Schriftstellern und angesehenen weiteren Wissenschaftlern dabei sein können. So stellt das Projekt für beide Seiten eine „Win-win-Situation“ dar, wie Ulf Abraham betont. Auch finanziell ist das Projekt mit hohem Ressourceneinsatz verbunden und wird als Drittmittelprojekt von der Robert-Bosch-Stiftung finanziert.

Hinweis

Diesen Text verfasste Cordula Funk für die Pressestelle der Universität Bamberg. Er steht Journalistinnen und Journalisten zur freien Verfügung.

Bei Fragen oder Bilderwünschen kontaktieren Sie die Pressestelle bitte unter der Mailadresse medien(at)uni-bamberg.de oder Tel: 0951-863 1023.