Perspektiven zum Studium im Nebenfach Europäische Ethnologie

von Sophie

Europäische Ethnologie erweitert den Horizont und bereichert das Allgemeinwissen.

Die Europäische Ethnologie bietet, wie wahrscheinlich kaum eine andere Disziplin, die Möglichkeit, alle Facetten des Alltagslebens (historisch und gegenwärtig) zu erforschen. Eine Herausforderung dabei ist, dass wir im Gegensatz zu anderen geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen nicht quantitativ, sondern qualitativ vorgehen.  Dies ermöglicht, Aspekte aus dem Alltag nicht nur zu erklären, sondern auch zu verstehen. 

Die Euro Ethno verändert die eigene Perspektive auf den Alltag oder auch auf alltägliche Geschehnisse, denen man normalerweise keine Aufmerksamkeit schenkt.Im letzten Semester habe ich mich mit Themen wie dem Adventskranz, Liebe & Digitalisierung sowie im Bereich Fachgeschichte mit Märchen der Gebrüder Grimm auseinandersetzen dürfen. Dieses Semester besuche ich u.a. ein Seminar zu der Geschichte Hamburgs in Comics, befasse mich mit Waldfriedhöfen sowie mit modernen Kulturmagazinen wie der Landlust. Weiterhin führe ich im Zuge eines Seminars eine Forschung zur Selfie-Kultur in Bamberg durch, was auch für mich eine neue Erfahrung darstellt.

Die Disziplin bietet oftmals die Möglichkeit, seine eigenen Interessen ethnologisch zu betrachten und an Themen, die uns Studenten interessieren, Methoden und Grundlagen des Faches zu erlernen. Ich persönlich empfinde die europäisch-ethnologische Sichtweise immer wieder als Herausforderung, aber vor allem als Bereicherung meines Allgemeinwissens. Ich habe einen neuen Blick auf viele Bereiche des Lebens sowie ein erweitertes Verständnis von kulturellen Phänomenen entwickelt. Dadurch erlebe ich meinen Alltag bewusster als vor dem Studium. Ich kann das Studienfach nur weiterempfehlen, es macht wahnsinnig viel Spaß und überrascht immer wieder mit neuen Aspekten!

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Sophie studiert in der Fächerkombination Kommunikationswissenschaft, Europäische Ethnologie und Betriebswirtschaftslehre.

von Jona

Europäische Ethnologie fordert eingefahrene Perspektiven heraus.

Der Blick auf den eigenen Alltag verändert sich durch das Studium enorm. Denn die Europäische Ethnologie setzt Themen in größere Zusammenhänge. Meine Gedanken beispielsweise in der Umkleidekabine beim Shoppen haben sich durch ein Studium deutlich geändert. Während ich eine Jeans anprobiere, denke ich an die skurrilen Hosenschnitte der letzten Jahrhunderte.

Ich erinnere mich, welche Bedeutung die Jeans für die 68er-Generation und die Frauenbewegung hatte und was sie heute für mich und die Gesellschaft symbolisiert. Die Hose ist nicht mehr ein totes Ding, sondern ein kulturbeladener Gegenstand geworden. Dinge haben eine Geschichte und waren nicht immer das, was sie heute sind. Ebenso wie Bräuche und Traditionen verändern sie ihre Form und Bedeutung ständig. Ihr heutiger Sinn ist das Ergebnis ihrer Kulturgeschichte.

Die eigene Umwelt wird reicher, komplexer und faszinierender durch ein Studium der Europäischen Ethnologie. Einzige Voraussetzung: Neugierig sein! Dann werden alte Fotoalben sind nicht mehr nur eine Sammlung von verstaubten Erinnerungen, sondern werden zu Quellen. Auch der nach Mottenkugeln riechende und mit Spinnweben verhangene Dachboden der Großeltern verwandelt sich in eine Fundgrube für begeisterte Europäische Ethnologen. Überall gibt es plötzlich etwas zu entdecken. Die Europäische Ethnologie beschäftigt sich zwar auch mit vergangener Kultur wie ausgestorbenen Handwerksberufen, untersucht aber auch aktuelle kulturelle Phänomene wie Fast-Food, Smartphonesucht, Punkmusik und Yoga-Festivals oder wagt einen Blick in die Zukunft z.B. wenn es um Digitalisierung, VR, KI und Robotik geht.

Was ist Identität und Heimat? Wie hat sich Kultur verändert und wie wird sie es tun?
Die Europäische Ethnologie liefert darauf viele Antworten. Eröffnet aber noch mehr Fragen. Jede*r Einzelne muss sich in diesem Studium mit dem eigenen Handeln und dem der anderen Menschen auseinanderzusetzten. Und das macht meistens sehr viel Spaß!

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Jona studiert in der Fächerkombination Geschichte, Kommunikationswissenschaft und Europäische Ethnologie.

von Jana

Mit der Europäischen Ethnologie wird man achtsamer und sie verzaubert dein Leben.

Kennt ihr das Grauen im Auge eures Partners, wenn ihr fragt, was genau er denn an euch liebt?

Zugegeben – dieser romantische Vergleich scheint weit hergeholt, doch so wie Liebe nicht in Listen-Items zerlegbar ist, so wenig funktioniert das mit dem Einfluss (oder Sog?) der Europäischen Ethnologie auf mich. Fachinhalte, Kompetenzen und Berufsaussichten aufzuzählen, das kann nicht vermitteln, was sich in dir tut, sobald du dich einem Studium der EuroEthno verschreibst. Lange also habe ich mich gewunden, diesen Text zu schreiben, denn mit Zeichenbegrenzung einer so umfassenden Disziplin gerecht zu werden, ist ein ambitioniertes Unterfangen…

Für mich ist dieses Fach eine Art akademisches Achtsamkeitstraining. Alltägliches Treiben wird auf einmal wieder höchst interessant und Begriffe, die scheinbar abgenutzt dahingesagt werden, bekommen einen neuen, theorie-unterfütterten Klang. Wie oft müssen sich meine Freunde in den (vermeintlich!) trivialsten Situationen anhören „Das wäre doch eine Untersuchung wert!“. Kulturwissenschaft, das ist wie eine Gleitsichtbrille mit Kaleidoskop-Funktion: neben den Vergleich der Dinge vor deiner Nase (dem Eigenen) mit fernliegenden (dem Fremden) tritt eine „Wiederverzauberung“ der Welt. Du wirst deine Umwelt in schillernden Brechungen und Schattierungen wahrnehmen, die so keinem anderen zugänglich sind. Und auch das wird eine Aufgabe sein: diese Changierungen zu deuten, zu erklären oder manchmal zu kapitulieren, weil eindeutige Antworten nicht zu finden sind. Eine Brille, mit der auch deine eigenen Sehfehler korrigiert werden können – Vorurteile, festgefahrene Ansichten, „sicheres“ Wissen.

Und plötzlich siehst du klarer, auch wenn andere eine rosarote Brille vermuten. Aber ablegen möchte ich sie nicht mehr.

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Jana studiert in der Fächerkombination Klassische Philologie/Latinistik, Europäische Ethnologie und Klassische Philologie/Gräzistik.

von Johannes

Hier bekommt man die Praxis, die man sich wünscht.

Auf die Europäische Ethnologie bin ich mehr durch Zufall, aufgrund einer Empfehlung gestoßen. Die Aussage, „das wäre sicher was für dich“ habe ich zunächst eher abgetan als guter Zuspruch nach der erneuten Enttäuschung eines neuen Nebenfachs. Ich habe mir dennoch vorgenommen mir es einmal anzusehen. Nach einigem Einlesen und Informieren entschied ich mich dem Fach eine Chance zu geben. Der Einstieg in das Fach war gut zu verstehen und ordentlich strukturiert. Die Dozenten waren auch angenehm, von dem her war der Einstieg ordentlich. Langsam, aber sicher merkte ich wie das Fach immer interessanter wurde und entdeckte einige Elemente, die mir davor bei anderen Fächern gefehlt hatten.  Viele der Texte, die es zu lesen gab, waren kein trockener Stoff, sondern auf expliziten Forschungsprojekten aufgebaut. Im zweiten Semester wurde es noch viel klarer wie interaktiv und alltagsbezogen das Fach sein kann. Feldforschung selbst zu erfahren und eigene Erfahrungen sammeln zu können ist für mich einer der größten Pluspunkte der Europäischen Ethnologie. Mir persönlich macht es viel Spaß über die Forschungsmethoden zu lernen, da diese meist sehr greifbar und nachvollziehbar sind und diese selbst anwenden zu können, ist eine praktische Erfahrung, die man immer gut gebrauchen kann. Es gibt genug Möglichkeiten sich zu engagieren, wenn man will. Ich sehe immer wieder wie gut sich das Fach als Ergänzung zu verschiedensten Fächern anbietet. Für mich persönlich ergänzt die Europäische Ethnologie viele Themen, die im Geschichtsstudium aufgrund der vielen Ereignisse etwas untergehen. Was dazu kommt ist, dass eine gute Chance besteht durch interdisziplinäres Arbeiten sowohl gute Jobchancen in der Zukunft zu haben als auch in der Gegenwart seinen eigenen Wissenshorizont auszuweiten. Das Fach ist offen und flexibel wenn es um Zeitrahmen und Themen geht, als Student macht es natürlich immer sehr viel Spaß sich mehr auf Themen zu stürzen die man selbst interessant findet.

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Johannes studiert in der Fächerkombination Geschichte, Europäische Ethnologie und Archäologische Wissenschaften.

von Theresa

Ein Fass ohne Boden oder mit Hingabe Kultur verstehen lernen?

Ob man sich nun in der Europäischen Ethnologie mit den Brüdern Grimm beschäftigt, dem Umgang mit Technik oder Kulturartefakten – das ist jeder*m selbst überlassen. Im Studium wird einem schnell klar, wieso das Fach oft unsanft als bodenlos oder chaotisch beschrieben wird. Zu Beginn scheint es kaum ein Thema zu geben, dass die EuroEthno nicht abdeckt. Und doch – unser Fach hat seine Grenzen! Und es hat Relevanz! Und ganz besonders hat es hier in Bamberg Kompetenz!

Zwischen der Vielgestaltigkeit und dem Forschungsumfang profitiert die EuroEthno besonders von der einmaligen Hingabe mit der sich die Ethnolog*innen ihrer Arbeit widmen. Im ständigen Austausch mit den Studierenden ergeben sich Leitlinien, die unsere kulturelle und soziale Umgebung beschreiben. Für unsere Studierenden gilt: mit dem Diskurs kommt das Interesse, und mit dem Interesse die Begeisterung für das Fach. Vorgänge verstehen lernen und Hintergrundwissen erleben heißt es im Studium. Die Praxisnähe zeigt sich in zahlreichen Exkursions-, Übungs- oder Praktikumsmöglichkeiten und dank der Bezeichnung als „kleines Fach“ an der Uni Bamberg entsteht hier eine einmalige vertraute Gruppendynamik.

Die Europäische Ethnologie als Nebenfach kombiniert sich hervorragend mit anderen Fächern und weist zahlreiche Schnittpunkte auf. Sei es die medialisierte Kulturdiskussion in der Kommunikationswissenschaft zu vertiefen oder die Vielfalt von Kultur vor dem Horizont europäischer Geschichte und Gesellschaftlichkeiten auszuleuchten – EuroEthno hat Konjunktur und bietet eine einmalige Chance, sich und das eigene Umfeld neu zu entdecken.

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Theresa studiert in der Fächerkombination Anglistik/Amerikanistik, Europäische Ethnologie und Kommunikationswissenschaft.

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