Voller Kraft sang der Universitätschor beim Semesterschlusskonzert 2017.

Das Publikum in der Bamberger Konzerthalle war begeistert.

Die Streicher setzten ihre teils grazilen Akzente neben – oder unter – die recht präsenten Bläser.

Als Gesangssolisten traten Christine Mittermair, Martin Fösel und Johannes Weinhuber auf.

Kultur & Sport

Musikalischer Humor und Klangrausch

Semesterschlusskonzert überzeugte mit ungewöhnlichem Programm

Auf den ersten Blick unspektakulär präsentierte sich das Programm des Semesterschlusskonzerts von Universitätsorchester und -chor: Beethoven und Mendelssohn. Doch hatte Dirigent Wilhelm Schmidts die eher wenig gespielte 8. Sinfonie sowie die nahezu gänzlich unbekannte Vertonung der „Ersten Walpurgisnacht“ nach einer Goetheballade ausgewählt und einstudiert.

Im Programmheft beschwor Schmidts die Sinfonie als „ein Lehrstück des musikalischen Humors“, ein Aspekt des Werks, der besonders ab dem zweiten Satz hervorzutreten schien. In recht frischem Tempo setzten am 22. Juli 2017 die delikat artikulierenden Streicher ihre teils grazilen Akzente neben – oder unter – die recht präsenten Bläser. Deren teilweise schlichte Akkordwiederholungen ließ Schmidts so penetrant dominieren, als wollte Beethoven sich absichtlich über die bis dahin eigentlich untergeordnete Stellung der Bläser lustig machen - nur um sie gleich darauf thematisch in recht wüstem forte durch die Szenerie poltern zu lassen. Gegen Ende des Allegretto scherzando schien bei den zügig hin- und hergeworfenen minimalistischen Themenfetzen die  Ratlosigkeit des damaligen Publikums mit Händen greifbar, während das eher ruhig genommene Menuett an die phasenweise lyrische Grundhaltung des Kopfsatzes anzuknüpfen schien.

Erneut traten hier die Bläser als eigenständige Klangcharaktere auf, sozusagen als Individuen, die den Orchestersatz durch eigene Impulse – oder wie beim Blech: durch reichlich Akzente – bereicherten. Großartig auch der eigenwillige Klangeffekt im behäbig ausbuchstabierten Trioteil mit seiner skurrilen Besetzung. Wie heikel das Zusammenspiel in dieser Sinfonie auch nach 200 Jahren noch ist, wurde schließlich zu Beginn des Finales nochmals deutlich. Nicht nur die ein Trommelmotiv imitierenden Geigen standen hier vor großen Herausforderungen. Und trotz aller musikalischer Verlorenheit in manch brüchiger Übergangspassage des zwischen Sonatensatz und Rondo schwankenden Finales: Vielleicht passte vor allem die die Sinfonie letztlich verströmende geistreiche Grundheiterkeit nicht in die damalige hochdramatische, durch die vielen Kriege gegen Napoleons Frankreich geprägte Zeit.

Bewegende Wendungen beim Spiel der „Walpurgisnacht“

Erweiterung des Orchesterklangs und Spiel mit neuen Formen – dies kennzeichnet auch Mendelssohns „Walpurgisnacht“, die gattungsmäßig bis heute nicht wirklich überzeugend eingeordnet werden kann. Andererseits: ein romantisches Werk – muss, ja, kann es überhaupt zwingend in eine Gattung eingeordnet werden? Schon die zehnminütige Ouvertüre entfaltet ein überaus dramatisches Tableau mit rhythmisch bewegten, schwungvollen Streicherthemen, schmiegsamen Bläserlinien und jener typisch Mendelssohn‘schen Tonsprache, die sich einerseits überaus klarer „Gute-Laune“-Kadenzierungen bedient, andererseits aber auch durch bewegende harmonische Wendungen und lang angelegte Steigerungen große Effekte zu erzielen weiß.

Zum hier voll aufspielenden Bläsersatz traten die drei Gesangssolisten: Martin Fösel besang als Druide mit Bestimmtheit und zunehmend gewinnendem Schmelz den Mai und damit den kommenden nächtlichen Keltenbrauch, während der Chor voller Kraft und Vorfreude antwortete. Christine Mittermair gab mit leicht angerautem Alt die überaus beeindruckende Warnerin, doch ließ sich der Chor gleich darauf von Johannes Weinhuber, der den rhetorisch geschickten Antreiber hinter einfühlsamen Wendungen zu verbergen wusste, einfangen: Den Populisten – mit reichlich „Pauken und Trompeten“ – gibt´s auch auf der Bühne, und lediglich sein überzeugendes Eintreten für den alten Glauben mag man ihm hier zugutehalten. So bejubelten Instrumentalisten, Chor und Solosänger vereint das „Licht des alten Brauches“: ein wahrer Klangrausch am Ende dieser etwa 35-minütigen Wiederentdeckung, ein Rausch, der auch das begeisterte Publikum erfasst hatte.