36. Hegelwoche: “Die Fanatiker - Überall? Wir alle?”

Ein Gespenst geht um in Europa – der Fanatismus.

Gaza-Krieg? Klimaproteste? Migration? Genderdebatte? Speisegebote? Fanatikerinnen und Fanatiker aller Couleur wissen allzu genau, was wahr und richtig ist. Und kein Lächeln umspielt ihre verkniffenen Lippen. Sie können als Einzelne oder in Massen auftreten, doch kompromisslos stehen sie für eine Wahrheit, angesichts der sich alles scheidet in Freund oder Feind.

Fanatikerinnen und Fanatiker wähnen sich in einem endzeitlichen Kampf und wollen die Welt retten, indem das Böse vernichtet wird. Daher zeigt Fanatismus oft die Fratze entfesselter Gewalt: Er greift zu Messern oder Sprengstoff und inszeniert grausame Tötungen als Botschaft – auch vor laufenden Kameras.

Nun gab es immer Menschen, die besessen waren von Überzeugungen, die den Kern ihrer Identität auszumachen scheinen. Spartaner wie Kreuzritter, Ku-Klux-Klan, Nationalsozialisten, Faschisten, Stalinisten, RAF, der NSU und der Islamismus – Fanatikerinnen und Fanatiker ziehen ihre Blutspur durch die Geschichte. Gerade in unserer liberalen, technisch-rationalen und digitalisierten Welt bleibt der Fanatismus für viele offensichtlich verführerisch und stellt eine Gefahr für uns Zusammenleben dar

Wo die Not am größten ist, hilft nur eine Hegelwoche, zu ergründen, was Fanatiker bewegt und was wir tun können jenseits von Verboten und Appellen an Friedenswillen und Menschlichkeit.


Zeit und Ort

Die Vorträge im Rahmen der 36. Bamberger Hegelwoche finden statt vom 9. bis 11. Juni, jeweils um 19.15 Uhr, in der AULA der Universität, Dominikanerstraße 2a.


Die Kartenvergabe erfolgt in Kürze. 

Weitere Informationen erhalten Sie rechtzeitig an dieser Stelle.


Programm

Dienstag, 09.06.2026

„Was Terroristen hoffen”

Prof. Dr. Beatrice De Graaf, Utrecht University

Beatrice de Graaf ist Distinguished Professor für History of International Relations & Global Governance in Utrecht und Expertin für Terrorismus, Sicherheit und Radikalisierung. Bekannt ist sie als öffentliche Intellektuelle und Autorin, die fundierte Analyse mit verständlicher Wissenschaftskommunikation verbindet. Am ersten Abend bietet sie eine historische und religionswissenschaftliche Annäherung an den gegenwärtigen Fanatismus.

Mittwoch, 10.06.2026

„Was in der Gesellschaft gärt“

Prof. Dr. em. Heinz Bude, Universität Kassel

Heinz Bude ist ein renommierter Soziologe und Gründungsdirektor des documenta Instituts, bekannt für seine Forschung zu gesellschaftlichen Stimmungen und Exklusion. Neben seinen zahlreichen zeitdiagnostischen Arbeiten verfasste er mit anderen den Roman Transit 64. Hier geht es um Einsamkeit, Mut und Verrat und um Marlene Dietrich und Willy Brandt, die zwar keine Fanatiker waren, aber sich gegen diese stemmen mussten.

Donnerstag, 11.06.2026

„Wie fanatisch Gläubige sind“

Dr. med. univ. Dr. phil. Raphael M. Bonelli, Wien

Zur Psychologie von Glaube und Fanatismus spricht Raphael Bonelli, ein Wiener Psychiater, Neurowissenschaftler und Leiter des Instituts für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie. Als bekannter Autor und präsenter Vermittler mit theologischem Tiefgang analysiert er Glaubensdynamiken und Polarisierung aus psychologischer Perspektive. Dieser Blick in die Seele wird die drei Tage abrunden.

Im Anschluss folgt eine PODIUMSDISKUSSION mit der Referentin und den Referenten, moderiert von Prof. Dr. Christian Illies.