Die Mitwirkenden der 12. Multireligiösen Feier gestalteten das Programm zum Thema "Höre die Wahrheit, wer auch immer sie spricht".

Der Gospelchor "Flames of Gospel" sorgte bei der mulitreligiösen Feier für schwungvolle Musik.

Georg Böllner-John vom "Mentorat Spirituelle Begleitung für Religionslehrer/innen in Studium, Ausbildung und Beruf" des Erzbistums Bamberg entzündete die fünf "Lichter der Erinnerung" zum Gedenken an die verstorbenen Universitätsangehörigen. Pfarrer Thomas Braun und Hochschulseelsorger Alfons Motschenbacher verlasen die Namen.

„Höret die Wahrheit, wer auch immer sie spricht“

Multireligiöse Feier an der Universität Bamberg

Mit dem schwungvoll vorgetragenen Song Am Anfang war das Wort stimmte der Chor Flames of Gospel auf die 12. Multireligiöse Feier an der Universität Bamberg ein, die am 17. Januar 2019 im Hörsaal 00.25 des Gebäudes An der Universität 2 stattfand. Die mittlerweile zur festen Tradition gewordene Feierstunde, in deren Rahmen auch der verstorbenen Universitätsangehörigen gedacht wird, möchte gegenseitiges Verständnis und respektvollen Umgang zwischen Religionen aktiv vorleben. Thema des Abends, das Universitätskanzlerin Dr. Dagmar Steuer-Flieser und der Katholische Hochschulseelsorger Dr. Alfons Motschenbacher in ihren Begrüßungen konturierten, war „Höre die Wahrheit, wer auch immer sie spricht“. Es stammt vom jüdischen Gelehrten Maimonides, der seit dem 12. Jahrhundert mit seinen religionsphilosophischen Schriften nicht nur Juden, sondern auch Muslime und Christen beeinflusst hat.

Wahrheit und mit ihr verbundene Herausforderungen

Mit Maimonides‘ Zitat habe man ein mutiges Thema gewählt, war Alfons Motschenbacher überzeugt. Und die vielschichtigen, durchaus (selbst-)kritischen Beiträge des Abends – Gebete und Gedanken, Texte oder Lesungen aus der jeweiligen Perspektive von Christentum, Judentum und Islam, gerahmt durch musikalische Beiträge von Flames of Gospel und Julian Fischer auf der Tar, der persischen Laute – sollten ihm Recht geben. Denn, so eine der Kernbotschaften des Abends, die Suche nach Wahrheit und der Umgang mit dem als wahr Empfundenen stellen Individuen, Gesellschaften, Kulturen und Religionen immer wieder vor große Herausforderungen.

Fake News, die Menschen manipulieren, verunsichern oder zu Feinden machen sollen, gelte es zu erkennen und sich ihrer zu erwehren, skizzierte Dagmar Steuer-Flieser. Alfons Motschenbacher machte auf die „fundamentalistische Versuchung“ aufmerksam, „die es nicht nur in Religionen gibt, aber die gerade die monotheistischen Offenbarungsreligionen als ihr Schatten stets begleitet“. An einer Universität mit geistes- und kulturwissenschaftlichen Profilschwerpunkten sei es dehalb besonders wichtig, verschiedene Sichtweisen aufzuzeigen und Wahrheiten abzuwägen, so Steuer-Flieser weiter.

Wahrheit und mit ihr verbundene Aufgaben

Diesen Herausforderungen, die einem friedlichen und respektvollen Miteinander entgegenstehen, zu begegnen und sie anzunehmen, ist allerdings auch außerhalb der universitären Gemeinschaft ein Muss, wie Prof. Dr. Susanne Talabardon in ihrer jüdischen Lesung aus dem Tehillim, dem Psalmenbuch der hebräischen Bibel, deutlich machte: „Wenn der Mensch die Wahrheit nicht hegt und pflegt, damit sie wachsen und gedeihen kann; die Wahrheit wird es überleben, der Mensch nicht.“ Theresa Winkler, Viktoria Horn und Pfarrer Thomas Braun von der Evangelischen Studierendengemeinde stellten die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen in den Mittelpunkt, sichtbar werdend in der kritischen Prüfung dessen, was als wahr an einen selbst herangetragen, aber auch dessen, was selbst für wahr gehalten werde.

Am Beispiel des zunächst fanatischen Islamisten Malcolm X, der in den letzten Jahren seines Lebens eine spirituelle Kehrtwende vollzog und den Lehren seines radikalen Führers abschwor, zeigte Erkan Accet von der Muslimischen Hochschulgemeinde, dass Wahrheit nichts Endgültig-Statisches ist. Sondern abhängt von dem subjektiven Blick des sich stetig verändernden und weiterentwickelnden Menschen. Die Suche nach der Wahrheit und das öffentliche Bekenntnis zu ihr sei deshalb eine Aufgabe, die es lebenslang und immer wieder aufs Neue zu tätigen gelte.

Bei der Suche nach und im Umgang mit der Wahrheit und ihren Herausforderungen gibt es keine Pauschallösungen, das machte der Abend deutlich. Dennoch konnte Georg Böllner-John, Pastoralreferent beim Erzbistum Bamberg, den Besucherinnen und Besuchern durch das gemeinsame Friedensgebet eine positive Botschaft mit auf den Heimweg geben: „Und wenn die Menschen in dieser Suche nach der Wahrheit nicht das Trennende sehen, sondern zuerst das Verbindende und die gemeinsame Verantwortung für ein gelingendes Leben, dann kann etwas wachsen, was unsere Gesellschaft im Kleinen wie im Großen sehr nötig hat: Frieden.“

Ausblick: Woche der Brüderlichkeit

Weitere Impulse für ein verständnisvolles Miteinander möchte die Woche der Brüderlichkeit geben, deren Programm auch Dozentinnen und Dozenten der Universität Bamberg mitgestalten. Im Webauftritt der Professur für Judaistik gibt es hierzu nähere Informationen.