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Klaus van Eickels bereitete Arnaud Atta, Moïse Soro und Joël Guehi (v.li.) auf ihre Tätigkeit an den bayerischen Gymnasien vor.

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Französischunterricht gestalten und beleben

Fremdsprachenassistenten aus der Elfenbeinküste unterrichten an Gymnasien in Forchheim, Regensburg und Augsburg

Bereits zum zweiten Mal kann die Otto-Friedrich-Universität drei Germanistik-Doktoranden ihrer westafrikanischen Partneruniversität Félix Houphouët-Boigny (UFHB) in Abidjan begrüßen. Arnaud Atta, Joël Guehi und Moïse Soro aus der Elfenbeinküste haben zu Schuljahresbeginn ihre Tätigkeit als Fremdsprachenassistenten im Fach Französisch am Ehrenbürg-Gymnasium und Herder-Gymnasium in Forchheim, am Goethe-Gymnasium und Albrecht-Altdorfer-Gymnasium in Regensburg sowie am Gymnasium bei St. Anna und am Bayernkolleg in Augsburg aufgenommen. Sie werden dort ein Jahr lang die Lehrkräfte unterstützen und dazu beitragen, das Interesse der Schülerinnen und Schüler für die französische Sprache und die afrikanische Kultur zu intensivieren und den Französischunterricht zu beleben. Auch sie selbst profitieren von dem Austausch, denn sie vertiefen nicht nur ihre sprachlichen und kulturellen Kenntnisse, sondern gewinnen durch ihre Tätigkeit auch didaktische und pädagogische Erfahrung.

Partnerschaftliche Bereicherung in Pädagogik, Germanistik und Geschichte

Auf Initiative von Prof. Dr. Klaus van Eickels, Inhaber des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bamberg, entschloss sich das bayerische Kultusministerium, zusätzlich zu dem seit 1952 bestehenden Stipendienprogramm des Pädagogischen Austauschdienstes der Kultusministerkonferenz (PAD) auch Stipendien für Germanistikstudierende aus der Elfenbeinküste auszuschreiben. Van Eickels hat zu dem westafrikanischen Staat schon länger eine intensive Beziehung. Er unterrichtet regelmäßig an der UFHB und koordiniert die Institutspartnerschaft, die zwischen dem Institut für Geschichte und dem Département d’histoire der UFHB besteht und aus der 2008 das Partnerschaftsabkommen zwischen den beiden Universitäten entstanden ist. „Ich interessiere mich schon lange für Afrika und die Universität in Abidjan eignet sich aufgrund ihres Geschichts- und Germanistikschwerpunkts ausgezeichnet als Kooperationspartner für die Universität Bamberg. Außerdem kann sie mit ihren Fremdsprachenassistenten auch den Schulunterricht in Deutschland bereichern“, erklärt van Eickels. Als Ansprechpartner für den dazugehörigen Studierendenaustausch leitete er das Einführungsseminar, das Arnaud Atta, Joël Guehi und Moïse Soro auf ihren Einsatz an bayerischen Schulen vorbereitet hat.

Gemeinsam promovieren

Van Eickels brachte ihnen das deutsche Schulsystem näher, klärte sie über den Umgang zwischen Lehrkräften und ihren Schülerinnen und Schülern in Deutschland auf und half bei praktischen Fragen, wie der Anreise oder der Beantragungen eines Bibliotheksausweises. Denn Atta, Guehi und Soro möchten ihren Aufenthalt in Deutschland auch nutzen, um in den Universitätsbibliotheken für ihre Promotionsprojekte zu recherchieren und Kontakte zu deutschen Professoren zu knüpfen. Neben einer Promotion in Abidjan oder in Deutschland wäre auch ein gemeinsames Promotionsverfahren im Rahmen einer sogenannten „co-tutelle“ denkbar. Hierbei würden die Doktoranden für ein bis zwei Jahre nach Deutschland kommen und von einem ivorischen und einem deutschen Professor gemeinsam betreut werden, so dass sie am Ende eine von beiden Universitäten gemeinsam ausgestellte Promotionsurkunde erhalten. Nach der erfolgreichen Promotion möchten die drei Fremdsprachenassistenten an einer der Universitäten ihres Heimatlandes als Germanistikdozenten arbeiten.

Kultureller Austausch mit Schülerinnen und Schülern

Die 20 besten von insgesamt rund 1000 Germanistik-Studierenden in Abidjan hatten sich auf die drei Stipendien beworben. Ausschlaggebend für die Auswahl waren ihre Deutschkenntnisse und ihr pädagogisches Talent. Zudem konnten alle drei Geförderten in ihrem Heimatland bereits erste Unterrichtserfahrung als Aushilfslehrer an Privatschulen sammeln. „Mir gefällt besonders gut, dass die Schülerinnen und Schüler so neugierig sind und wir nicht nur Französisch zusammen lernen, sondern uns auch über kulturelle Besonderheiten und Unterschiede zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste austauschen. Außerdem erhalte ich wertvolle Tipps und Ratschläge von meinen Kolleginnen und Kollegen“, freut sich Joël Guehi, der derzeit an den beiden Gymnasien in Forchheim unterrichtet.

Bereits 2016 bereicherten drei ivorische Stipendiaten ein Jahr lang den Französischunterricht in Erlangen, Zwiesel und Garmisch-Partenkirchen. Bayern ist das erste Bundesland, das mit diesem Kooperationsmodell an den Start ging. Wenn es sich bewährt, könnten ivorische Lehrkräfte schon bald deutschlandweit an Schulen unterrichten und zusätzlich auch angehende Französischlehrer aus Deutschland für ein Jahr Erfahrungen in Afrika sammeln. „Der Bedarf an französischen Fremdsprachenassistenten an deutschen Schulen übersteigt seit längerem deutlich die Anzahl von Bewerbern aus Frankreich. Auch aus diesem Grund habe ich mich dafür eingesetzt, dass auch Promovierende von der Elfenbeinküste zum Sprachaustausch nach Bayern kommen können“, erklärt van Eickels.