Auf Platz 30 der einflussreichsten Psychologen aller Zeiten: Roy Baumeisters Schaffen prägte sein Fach nachhaltig.

Baumeister und seine Gastgeberin Astrid Schütz verbindet eine langjährige Zusammenarbeit.

Der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung Helmut Schwarz (l.) verlieh Baumeister die Auszeichnung.

Forschen über das Selbst

Amerikanischer Psychologe Roy Baumeister zu Gast in Bamberg

Der amerikanische Sozial- und Persönlichkeitspsychologe Roy Baumeister ist einer der einflussreichsten Psychologen weltweit. Ein Humboldt-Forschungspreis, der ihm auf Bamberger Initiative hin verliehen wurde, führt ihn nun an die Bamberger Universität.

Selbstwert, Angst oder Kreativität: Es gibt kaum einen Bereich der Psychologie, den er nicht bearbeitet hat. Die Rede ist von Prof. Dr. Roy Baumeister, der an der amerikanischen Florida State University lehrt. Im November 2014 zeichnete die Alexander von Humboldt-Stiftung ihn mit der hochrangigsten Auszeichnung für ausländische Wissenschaftler in Deutschland, dem Humboldt-Preis, aus. Dieser führt ihn jetzt nach Bamberg. Baumeister ist einer der bedeutendsten Psychologen der Gegenwart. Archives of Scientific Psychology listet ihn auf Platz 30 der einflussreichsten Psychologen aller Zeiten. Er befindet sich damit in unmittelbarer Nähe zu anderen renommierten Forschern wie Albert Bandura, Jean Piaget oder Carl Rogers.

Baumeister wurde auf Initiative von Prof. Dr. Astrid Schütz, Inhaberin des Lehrstuhls für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik, mit dem Preis ausgezeichnet. Die Ehrung ermöglicht es ihm, in den kommenden zwei Jahren insgesamt sechs Monate in Bamberg zu arbeiten. „Ich freue mich sehr, mit Roy Baumeister in direktem Austausch zu arbeiten. So können wir besonders kreativ und flexibel Ideen für neue Forschungsvorhaben entwickeln“, sagt Schütz. Sie kennt ihn bereits seit 1993. Damals besuchte sie als Stipendiatin die University of Virginia, an der Baumeister eine Gastprofessur innehatte. 22 Jahre später ist er nun an ihrem Lehrstuhl zu Gast. „Mit Astrid Schütz verbindet mich eine langjährige produktive Zusammenarbeit. Darauf möchte ich aufbauen“, erklärt er.

Das Selbst erforschen

Der mit 60.000 Euro dotierte Humboldt-Preis ist eine der hochrangigsten Auszeichnungen für ausländische Wissenschaftler in Deutschland. Er würdigt Baumeisters bisheriges Gesamtschaffen, welches das Fachgebiet der Psychologie nachhaltig geprägt hat. Der gewaltige Umfang seines Lebenswerks zeigt sich unter anderem an den 528 Publikationen, die teilweise in bis zu 20 Sprachen übersetzt wurden.

Ein großes Themengebiet, dem er viele seiner Werke widmete, ist die Erforschung des Selbst, das er als Anpassung eines Menschen an das soziale System, das ihn umgibt, begreift. Seine Arbeiten zur Selbstkontrolle erfuhren in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit. „Die Selbstkontrolle gleicht einem Muskel, der trainiert werden kann, aber nach großer Anstrengung zunächst erschöpft ist“, fasst Baumeister einige seiner Ergebnisse zusammen. In viel beachteten Studien zeigte er mit seinem Team, dass beispielsweise der Griff nach Süßigkeiten dann schwerer beherrschbar ist, wenn Teilnehmende zuvor ermüdende Denksportaufgaben gelöst hatten.

Transatlantische Forschungsbande

Seit 1993 haben Schütz und Baumeister ihren engen Kontakt aufrechterhalten und an verschiedenen Projekten zusammen gearbeitet. Sie untersuchten gemeinsam beispielsweise selbstschädigendes Verhalten oder gingen der Frage nach, wie Menschen über ihre eigenen Erlebnisse berichten. Dabei konnten sie zeigen, dass der Bericht über eine Streitsituation sehr stark von der eigenen Perspektive abhängt: Jeder argumentiert so, dass der eigene Selbstwert am besten erhalten wird. Aus diesem stetigen Kontakt entwickelten die beiden Wissenschaftler weitere Projektideen, unter anderem zur Erforschung von Kreativität in Gruppen und von Selbstüberschätzung, die sie nun dank des Humboldt-Forschungspreises realisieren können. 

Der Selbstüberschätzung auf der Spur

Besonders wertvoll für die gemeinsamen Forschungsarbeiten ist die jahrzehntelange Erfahrung, die Baumeister einfließen lassen kann. Beispiel Selbstüberschätzung: Bereits in den 90er Jahren hinterfragte er die zu dieser Zeit weitverbreitete Annahme, dass mangelnder Selbstwert die Ursache zahlreicher Probleme sei. „Damals glaubte man, dass Misserfolge wie Schulversagen auf ein mangelndes Selbstwertgefühl zurückzuführen seien“ so Baumeister. „Die Schattenseiten eines übersteigerten Selbstwertgefühls wie Selbstüberschätzung und Narzissmus wurden völlig außer Acht gelassen.“ Im Gegensatz zur in dieser Zeit vorherrschenden Meinung betonte er, dass sich Erfolg im Leben nicht durch die damals massenhaft verbreiteten Selbstwerttrainings erreichen lässt und prägte damit die amerikanische Debatte.

Einen anderen Aspekt des Selbst, nämlich das Bewusstsein, beleuchtet Baumeister am 30. Juni 2015 in einem öffentlichen Vortrag an der Universität Bamberg. Unter dem Titel „The Why, What, and How of Human Consciousness“ stellt er Thesen in Frage, die behaupten, menschliches Handeln werde üblicherweise durch unbewusste Faktoren und ohne Hilfe des Bewusstseins hervorgerufen. Anschließend geht er auf die Funktionen des Bewusstseins im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich ein, die viele Theorien bisher übersehen haben. Daraus lassen sich neue Schlüsse darüber ziehen, was das Bewusstsein kann und was nicht und worin es sich von unbewussten Prozessen unterscheidet. Der Vortrag ist in englischer Sprache und beginnt um 18 Uhr im Raum M3N/02.32, Markusplatz 3.

Hinweis

Diesen Text verfasste Samira Rosenbaum für die Pressestelle der Universität Bamberg. Er steht Journalistinnen und Journalisten zur freien Verfügung.

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