Am offiziellen Auftaktabend der Internationalen Woche fand auch die Vernissage der Ausstellung „Fluchtbilder“ statt. Fotos: Universität Bamberg

Carolin Wedler erklärt den Gästen ihre Motivwahl.

Bei der Netzwerkveranstaltung tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter der Universität Bamberg, hier Andreas Weihe vom Akademischen Auslandsamt (li.) und Vizepräsident Sebastian Kempgen (re.) ...

... unter anderem mit Mitgliedern des Vereins „Freund statt fremd“ (2. bis 4. v.l.) aus. Ganz links im Bild: Veronica Bertacchini, die künftig im Auslandsamt für Anfragen von Flüchtlingen zuständig sein wird.

Heimisch und fremd

Internationale Woche 2016 zu Migration und Integration

Von der Einführung in die arabische Sprache bis hin zu interkulturellem Lernen und Dolmetschen in der Flüchtlingsarbeit: Die Internationale Woche widmet sich dem Schwerpunkt Integration und Migration mit einer Reihe von internationalen Lehr- und Informationsveranstaltungen sowie Gastvorträgen und Gesprächen.

Flucht, Migration und Integration sind schon seit längerem ein Thema an der Universität Bamberg. So finden sich seit Oktober 2015 Angehörige der Universität zu einem Round Table zusammen, um über Unterstützungsmöglichkeiten für studieninteressierte und studierende Flüchtlinge zu beraten. Zudem hat die Universität das sogenannte Service Learning neu eingeführt. Dabei handelt es sich um ehrenamtliche Tätigkeiten außerhalb der Universität, die Studierende durchführen können, um Leistungspunkte zu erhalten. Diese sogenannten ECTS-Punkte können dann für das Studium angerechnet werden. Die Service-Learning-Angebote umfassen beispielsweise die Mitarbeit bei den Bamberger Lesefreunden in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt.

Dass diese Themen ein halbes Jahr später immer noch nicht an Aktualität und Bedeutung eingebüßt haben, zeigt die diesjährige Internationale Woche mit dem Schwerpunkt Migration und Integration. Beim Vernetzungsabend am 28. Juni 2016 tauschten sich Gäste der Arbeiterwohlfahrt, der Stadt Bamberg, des Vereins Freund statt fremd, der studentische Arbeitskreis Geflüchtete an der Hochschule und Vertreter verschiedener universitärer Einrichtungen zu ihren jeweiligen Flüchtlingsaktivitäten aus. Eine besondere Schnittstellenfunktion zwischen Flüchtlingen und der Universität kommt dabei künftig Veronica Bertacchini zu. Als Ansprechpartnerin für Flüchtlinge, die Interesse an einem Studium haben, wird die Masterstudentin der Orientalistik Anfragen, die beim Akademischen Auslandsamt eingehen, bearbeiten.

Geflüchteten Menschen auf Augenhöhe begegnen

Eine weitere Komponente des Abends stellte die Eröffnung der Ausstellung Fluchtbilder in der Teilbibliothek 4 (TB 4) dar. Sie zeigt Fotografien von Studierenden des Lehrstuhls Literatur und Medien, die im Rahmen der Lehrveranstaltung Das dokumentarische Bild unter Leitung von Dr. Georgiana Banita entstanden sind. „Das Grundkonzept des Seminars war die Fragestellung, wie historische Ereignisse wie beispielweise der Holocaust dargestellt werden. Die Fotografie als Medium kann gerade beim Thema Flucht insofern als unproblematisch angesehen werden, da es keinerlei Sprachbarrieren gibt“, erklärt die Dozentin. Die Motive wählten die Studierenden eigenständig aus.

„Es ist interessant zu sehen, dass jeder von uns elf Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer das Thema Flucht anders interpretiert hat“ erzählt Carolin Wedler. Die Masterstudentin interessierte dabei nicht nur der Blick von außen, sondern auch der eigene Blick der geflüchteten Menschen auf ihren Alltag. Deshalb gab sie Flüchtlingen im Alter von 19-25 Jahren Einwegkameras und forderte sie auf, Bilder von ihrem Alltag zu machen. „Ich wollte sehen, welche Dinge ihnen wichtig sind. Sie sollten selbst darüber sprechen können“, erklärt sie ihr Vorhaben.

Katharina Dolles entschied sich dafür eine bestimmte Zielgruppe in den Vordergrund zu stellen, nämlich Kinder. „In Regensburg gibt es die OrganisationCampus Asyl, die jede Woche gezielt zu Unterkünften mit Flüchtlingskindern fährt, um dort mit ihnen zu spielen. Ich finde das eine schöne Initiative“, erklärt sie ihre Fotoauswahl unter dem Titel „Kinderspiel“. Dabei begegneten ihr die Kinder sehr liebenswürdig und offen. „Sie wollten sogar selbst fotografieren“, erinnert sie sich schmunzelnd.

Diese Beispiele zeigen deutlich, welches Ziel Georgiana Banita mit ihrem Seminar verfolgt hat. „Mit der Aufgabe wollte ich die Studierenden herausfordern, sich persönlich mit den Menschen auseinanderzusetzen, die man sonst nur über die entfernte mediale Darstellung kennt“, begründet sie ihr Konzept. Die Arbeit sei mit dem Ausstellungsschluss am 24. Juli in der TB4 nicht abgeschlossen. Es soll einen Fotoband geben und die Ausstellung wird unter anderem beim Sommerfest des Franz-Ludwig-Gymnasiums in Bamberg und danach in Regensburg zu sehen sein.