In einem Festakt ehrten die Frauenbeauftragten die Absolventinnen ihrer Förderprogramme und vergaben den PUSh-Preis (Bild und Fotos: Frauenbeauftragte)

Brigitte Eierle, Iris Hermann und Ada Raev (v.l.) koordinieren als Universitätsfrauenbeauftragte eine Reihe von Programmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Die Teilnehmerinnen am Mentoringprogramm feRNet mit Vizepräsident Wirtz sowie den Universitätsfrauenbeauftragten Ada Raev und Iris Hermann

Anja Urban, Janina Kettenbohrer, Hannah Wunderlich und Kerstin-Anja Münderlein (v.l., nicht im Bild) erhielten den Preis für hervorragende Abschlussarbeiten PUSh.

„In den Absolventinnen steckt viel Potential“

Frauenbeauftragte ehrten Nachwuchswissenschaftlerinnen

Im Wintersemester 1988/89 wurde das Amt der Frauenbeauftragten an bayerischen Hochschulen eingeführt. Gemäß Artikel 34 des Bayerischen Hochschulgesetzes erhielten die Frauenbeauftragten den Auftrag, „auf die Herstellung der verfassungsrechtlich gebotenen Chancengleichheit und auf die Vermeidung von Nachteilen von Wissenschaftlerinnen, weiblichen Lehrpersonen und Studentinnen hin zu wirken.“ Welchen oft steinigen Weg die Frauen an bayerischen Hochschulen bis dahin gehen mussten und zum Teil auch heute noch gehen müssen, erläuterte die Universitätsfrauenbeauftragte Prof. Dr. Ada Raev in ihrem Festvortrag.

In Bamberg haben die Frauenbeauftragten bereits viel erreicht. In fast allen Gremien auf Fakultäts- und Universitätsebene verfügen sie über ein Stimmrecht. Sie etablierten außerdem Förderprogramme, die alle Qualifikationsebenen umfassen – vom Studium über Promotion bis hin zur Habilitation. Im Rahmen des Festakts der Frauenbeauftragten am 20. Januar 2014 verliehen sie vier Absolventinnen den PUSh-Preis, zehn Nachwuchswissenschaftlerinnen schlossen das Mentoring-Programm feRNet ab und fünf publizierten im Rahmen des Kolloquiums Forschende Frauen in Bamberg erste Forschungsergebnisse.

Absolventinnen der Förderprogramme

Das Kolloquium Forschende Frauen in Bamberg startete im Sommersemester 2008. Es bietet jungen Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit, ihr Forschungsprojekt vorzustellen, sich zu vernetzen und Vortragspraxis zu sammeln. Die Beiträge jeden Jahrgangs werden im universitätseigenen Verlag veröffentlicht. Im aktuellen sechsten Band geht die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Lamm der Frage nach, ob Gründer von Genossenschaften systematisch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Hanna Gutzeit, Doktorandin der Kunstgeschichte, befasst sich mit der Darstellung des Marientodes in einem Altarbild des altniederländischen Künstlers Hugo van der Goes.

Die Germanistin Giulia Ferro Milone untersucht die Repräsentation von Weiblichkeit und Tod in E. T. A. Hoffmanns Märchen „Meister Floh“. Alicia Urquidi promoviert in spanischer Sprachwissenschaft und analysiert den Gebrauch von Metaphern in spanischen Wirtschaftsnachrichten. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Mariam Dopslaf befasst sich mit interkulturellen Fragestellungen im Supply Chain Management. „Forschende Frauen sind auch forsche Frauen, die ihren Weg in die Wissenschaft gehen und deren Weg wir ein Stück weit begleiten“, so Raev.

Bereits zum siebten Mal wurde der mit je 500 Euro dotierte PUSh, der Preis der Universitätsfrauenbeauftragten für Studentinnen mit hervorragenden Leistungen, vergeben. Insgesamt hatten sich im Jahr 2013 46 Absolventinnen um den Preis beworben, deshalb gibt  es gleich vier Preisträgerinnen: Janina Kettenbohrer untersuchte am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik den „Einfluss von Governance-Strukturen auf den Erfolg unternehmensweiter Geschäftsprozessstandardisierung“.

Als jüngste Preisträgerin befasste sich die Anglistik-Studentin Kerstin-Anja Münderlein mit der Relevanz der abgelehnten Heiratsanträge im Werk Jane Austens. Die Lehramtsstudentin Anja Urban untersuchte, ob die theoretischen Vorteile offenen Unterrichts in der pädagogischen Praxis verwirklicht werden können. Als vierte Preisträgerin wurde Hannah Wunderlich ausgezeichnet, die anhand der Tagebücher einer verfolgten Jüdin zur psychologischen Verarbeitung von Traumata forschte.

Die jüngste Fördermaßnahme

Das neueste Frauenförderungsprojekt ist das Mentoring-Programm feRNet, das female Researcher Network. Es richtet sich an fortgeschrittene Doktorandinnen, Post-Doktorandinnen und Habilitandinnen, die eine akademische Karriere anstreben. Sie erhalten damit ein Netzwerk mit wissenschaftlich erfahrenen Personen innerhalb und außerhalb der eigenen Universität. Im April 2012 gestartet, beendeten nun zehn junge Wissenschaftlerinnen die zweite Runde des Programms zur individuellen Karriereförderung. Für die stellvertretende Universitätsfrauenbeauftragte Prof. Dr. Brigitte Eierle ein weiteres Indiz für die Wirksamkeit gezielter Frauenförderung: „In den Absolventinnen unserer Universität steckt großes Potenzial.“

Die Maßnahmen der Frauenbeauftragten setzen bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an. Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert betonte die Wirksamkeit solcher Initiativen im Vergleich zu den oft geforderten Quotenregelungen: „Wenn man wirkliche Qualifikation betreiben will, muss man sie von unten betreiben.“ Dass die Arbeit der Frauenbeauftragten Früchte trägt, zeigt insbesondere der nationale Vergleich. In Bamberg sind 31% der Professuren von Frauen besetzt.
„Damit nehmen wir deutschlandweit einen der vordersten Plätze ein“, lobte Ruppert.

Gleichwohl verwies er auf die Unterschiede in den unterschiedlichen Besoldungskategorien. Juniorprofessuren werden zu 45% von Frauen besetzt. Diese Zahl sinkt bei den W 2-Stellen auf etwa 42%, bei den W 3-Stellen sogar auf 22%. Dem gegenüber stehen über 60% weibliche Studierende an der Otto-Friedrich-Universität. Angesichts dieser Diskrepanz ließ Ruppert einen klaren Appell für die Schaffung eines ausgewogeneren Genderverhältnisses folgen: „Die Luft, die wir nach oben haben, müssen wir nutzen.“

Hinweis

Diesen Text verfasste Andrea Lösel für die Pressestelle der Universität Bamberg. Er steht Journalistinnen und Journalisten zur freien Verfügung.

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