- Annika Bunse

Bamberger Semesterticket kommt!

Stadtwerke und Studentenwerk unterschreiben Vertrag

Ab dem kommenden Wintersemester wird man verstärkt Studentinnen und Studenten an Bushaltestellen in ihren Taschen kramen sehen. Was sie wohl suchen? Seit dem 25. März ist es amtlich: Das Semesterticket kommt - allerdings zunächst auf Probe.

Die langwierigen Vorverhandlungen wurden mit zwei Unterschriften beendet. Klaus Rubach, der neue Geschäftsführer der Stadtwerke, und Josef Wenzel, Geschäftsführer des Studentenwerks Würzburg, zückten am Donnerstag, den 25. März, den Stift. Damit ist die Einführung des kontrovers diskutierten Semestertickets amtlich.

Zwangsbeitrag nötig

Alle eingeschriebenen Studierenden müssen ab dem Wintersemester 2004/2005 den auf 23 Euro festgelegten Beitrag entrichten. „Es ist gut, dass nach den vorausgehenden Debatten eine Lösung mit den Stadtwerken und den Vertretern der Studierenden gefunden wurde, die von beiden als fair angesehen wird“, evaluiert Josef Wenzel zufrieden. „Die Sache wird gut angegangen, das ÖPNV-Angebot ist attraktiv für Studierende, und mit dem Preis sollten beide Seiten gut leben können.“ Nötig ist dieser 'Zwangsbeitrag', damit die Kosten insgesamt möglichst niedrig gehalten werden können.

Dank der rund 8600 Studierenden klingelt die Kasse der Stadtwerke, pro Semester rechnet man mit knapp 200.000 Euro. Doch diese Summe muss den Verlust kompensieren, der durch die Auswirkungen des Semestertickets entstehen wird, denn ab Oktober wird kein Studierender mehr Fahr- und Monatskarten erwerben.

Klaus Rubach formuliert vorsichtig: „Unser Angebot ist betriebswirtschaftlich mit heißer Nadel gestrickt und die Entwicklung der Einnahmen im Kartenverkauf ohne die Studenten wird zeigen, ob unsere Rechnung auf Dauer aufgeht und der Preis zu halten ist.“

„Größtes ökologisches Projekt“

Neben der Möglichkeit, das gesamte ÖPNV-Angebot in Stadt- und Landkreis Bamberg nutzen zu können, dürfen die Studenten auch zwei Park & Ride-Anlagen ohne zusätzliche Kosten befahren. Eine echte Innovation, denn in der gesamten Bundesrepublik ist bis jetzt kein ähnliches Angebot für Studierende zu finden.

Durch das Umsteigen auf die Busse werden deutlich weniger Studierende mit dem Auto zur Uni kommen. Das haben Zahlen aus anderen Städten bewiesen. Das Semesterticket wirkt sich also auch positiv auf den fließenden Verkehr in der Innenstadt und die Anzahl von freien Parkplätzen aus. In diesem Sinne sei das Semesterticket laut Wenzel „mit Sicherheit eines der größten ökologischen Projekte, das Bamberg in den letzten Jahren auf den Weg gebracht hat“.

Sechs Semester Probezeit

Ganz umstandslos hat man dieses Etappenziel jedoch nicht erreicht: Anfangs lehnten die Studierenden die Einführung des Semestertickets rigoros ab. Eine Initiative formierte sich. Forderungen der TICKO (Initiative Ticket-Konsens): umfassende Information für die Kommilitonen von offizieller Seite und eine Urabstimmung aller Studierenden der Universität Bamberg über die endgültige Einführung des Semestertickets. Mit Plakaten, Handzetteln und via Internet wurden die Studierenden vom Studentenwerk Würzburg und von den Stadtwerken über das Ticket aufgeklärt.

Die Mitglieder von TICKO zeigten sich erfreut über den Erfolg ihrer Initiative und postulierten ferner eine Urabstimmung. Spätestens im zweiten Semester der Probezeit soll darüber abgestimmt werden, ob das Semesterticket über die Vertragsdauer von sechs Semestern hinaus bestehen bleiben soll. Wenzel gab sein Ehrenwort, das Votum zu akzeptieren und bei Ablehnung von studentischer Seite den Vertrag nicht zu verlängern.

Allerdings ist er fest davon überzeugt, dass das Semesterticket und die daraus resultierenden Annehmlichkeiten nicht mehr wegzudenken sein werden aus dem Studentendasein. Universitätsrektor Prof. Dr. Dr. Godehard Ruppert zitiert ein analoges Beispiel: „Im Rhein-Ruhr-Gebiet gab es auch erst Aufstände wegen des Tickets. Und nach kurzer Zeit lobten es alle als segensreiche Erfindung.“

Man wird sehen, wie viele Studierende sich dem Urteil anschließen. Derzeit gibt es noch manch Hartgesottene, die weiterhin die übliche Fortbewegungsart der Bamberger Studierenden postulieren: „Semesterticket – so ein Schmarrn, ich fahre hier nur Fahrrad, das gehört schließlich zum Studentenleben dazu.“