Universität

Aktuelles

Zur Verabschiedung kamen auch die Vorsitzende des studentischen Konvents Johanna Wagner (links), die studentische Laudatorin Laura Schöps und der ehemalige studentische Senator Julian Megerle (rechts).

Sebastian Kempgen erinnerte sich in seiner Rede an die vergangenen Jahre als Vizepräsident.

Über 80 persönlich geladene Gäste lauschten den Vorträgen.

Eine Alumni-Band sorgte für den musikalischen Rahmen.

Godehard Ruppert (links) und der neue Vizepräsident Frithjof Grell (rechts) bei der Abschiedsfeier.

Personalia & Porträts

Ohne Fleiß kein Preis

Abschiedsfeier für langjährigen Vizepräsidenten Sebastian Kempgen

Engagiert – dieses Adjektiv trifft auf den scheidenden Vizepräsidenten für Lehre und Studierende Prof. Dr. Sebastian Kempgen besonders gut zu. Untrügliche Zeichen für seinen Fleiß: Er nahm an etwa 527 Gremien- und 332 Universitätsleitungssitzungen teil, schrieb 68.000 E-Mails und war neun Jahre lang Vizepräsident der Universität Bamberg. Laut Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert ist das „die längste Amtszeit, die bislang je ein Prorektor oder Vizepräsident an der Universität Bamberg erreicht hat.“ Neben dieser Rekordzeit war Kempgen während der gesamten neun Jahre der erste Stellvertreter des Präsidenten. Um diese außergewöhnlichen Verdienste zu würdigen, lud die Universitätsleitung am 24. Oktober 2017 zur Verabschiedung des Rekord-Vizes ein.

Zur Abschiedsfeier kamen über 80 persönlich geladene Gäste, mit denen Kempgen zusammengearbeitet hat: Studierende, Mitarbeitende aus der Verwaltung sowie Mitglieder universitärer und fakultätsinterner Gremien. Umrahmt von musikalischen Darbietungen einer Alumni-Band beschrieben die Sprecherin des Fachschaftenrats Laura Schöps und der Universitätspräsident in ihren Laudationes, welche Bedeutung Kempgen für die Universität Bamberg und speziell für die Studierenden hatte und wie sie die Zusammenarbeit mit Sebastian Kempgen persönlich erlebt hatten. Ruppert betonte vor allem das große Maß an Gemeinsamkeiten in hochschulpolitischen Fragen und in der Gestaltung von Prozessen, beispielsweise in der Durchführung von Berufungsverfahren. Dieser extrem hohe Konsens ließ ein außergewöhnliches und enges Vertrauensverhältnis entstehen, in dem „Differenzen nicht zu einem Zerwürfnis, sondern zu einer Weiterentwicklung führen. Einen solchen Menschen als Vizepräsident an seiner Seite zu wissen, ist ein Privileg und eine Gnade für einen Präsidenten.“

Erste Amtszeit begann mit Umbrüchen

Ihr Vertrauensverhältnis spiegelt sich auch in den vielen Tätigkeiten wider, die Kempgen als Vizepräsident übernahm. Er ließ sie an dem Oktoberabend in einer bilderreichen Präsentation Revue passieren. Kempgens Zeit an der Otto-Friedrich-Universität war von Anfang an geprägt durch sein Engagement in der akademischen Selbstverwaltung. Zum Professor wurde er 1991 ernannt. Seitdem war er insbesondere Leiter des Sprachen- und Medientechnischen Zentrums (heute: Sprachenzentrum), Fachbereichsrat und später Dekan der Fakultät Split, die heute Teil der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften ist. Das Mitwirken am Konzept und an den Verhandlungen rund um den Zuschnitt der Fakultäten gehört zu seinen zahlreichen Tätigkeiten, deren Auswirkungen die Universität langfristig verändert haben und die bis heute sichtbar sind.

„Der Beginn meiner Amtszeit war ein Umbruchssemester“, erinnerte er sich an das erste Amtsjahr 2008. Die letzten Diplom- und Magisterstudiengänge wurden in das Bachelor- und Master-System eingegliedert. Kempgen konzipierte und evaluierte federführend das neue System. Und nicht nur das: Im Jahr zuvor waren die Studiengebühren eingeführt worden. Darauf folgte 2009 die Besetzung des Hörsaals U7/105, wo Kempgen bis in die frühen Morgenstunden mit den Besetzern über Studiengebühren diskutierte. Die Hörsaalbesetzung endete friedlich. „Dass wir nicht wie andernorts die Polizei einschalten mussten, hat mich sehr gefreut“, schlussfolgerte Kempgen sichtlich stolz.

In einer ähnlichen Situation einige Jahre später fiel Kempgen der damaligen Drittsemester-Studentin Laura Schöps zum ersten Mal auf. Bei einem Protestcamp für eine Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft, das sie als Mitglied der Studierendenvertretung mitorganisierte, bekam sie einen sehr positiven Eindruck von Kempgen. Anstatt die protestierenden Studierenden zu kritisieren, verteilte er Kaffee und Tee gegen die Kälte. Schöps hält es für bewundernswert, „sich mit so viel Herzblut einem Amt zu widmen, das für die Zielgruppe im universitären Alltag meist unsichtbar ist.“ Kempgen sei ein „stiller Anwalt“ der Studierenden gewesen. Neun Jahre lang habe er zwischen ihnen und der Universitätsleitung vermittelt, dabei Feingefühl an den Tag gelegt, das Gefühl gegeben, Probleme ernst zu nehmen und sehr schnell auf Anfragen reagiert.

Internationalisierung, Systemakkreditierung und Co.

Eine andere Herausforderung war und ist die Systemakkreditierung – eine Überprüfung des Qualitätssicherungssystems einer Hochschule. Schon seit Beginn seiner Amtszeit begleitet Kempgen diesen Prozess, der das Ziel hat, dass die Universität künftig selbst ihren Studiengängen das Akkreditierungssiegel vergeben darf. „Herausfordernd ist die Systemakkreditierung, weil es gilt, jede Menge Leute davon zu überzeugen, dass das der richtige Weg ist. Und dass wir nur Erfolg haben können, wenn wir an einem Strang ziehen“, so Kempgen. Als Sonderbeauftragter der Universitätsleitung möchte er dieses komplexe Projekt im Wintersemester 2017/18 zu einem Abschluss bringen. Seit Mai 2017 ist er außerdem Mitglied in der Akkreditierungskommission von Acquin.

Als wäre all das nicht genug, fiel in Kempgens Amtszeit auch der doppelte Abiturjahrgang. Zudem war er federführend an der Einführung des Teilzeit- und Modulstudiums und der Akademie für Schlüsselkompetenzen und wissenschaftliche Weiterbildung beteiligt. Und er setzte sich für die Internationalisierung der Universität in seinem Bereich „Lehre und Studium“ ein. Für sein herausragendes Engagement, auch als Slavist, erhielt er 2016 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Trotz aller Verdienste und Ehrungen sieht er das Ende seiner Zeit als Vizepräsident auf nüchterne Art: „Ein guter Amtswechsel zeigt, dass die Institution auch ohne eine einzelne Personenidentität weiter funktioniert.“ Wie sehr die Gäste am Abend seinen Abschied dennoch bedauerten, zeigt das Ende des offiziellen Programms: Alle Anwesenden stimmten mit den Musikern in den Beatles-Song „Hey Jude“ ein.