Besonderen Dank richtete Hans-Günther Roßbach an seine Töchter Franziska und Katrin sowie an seine Frau Susanne (von links nach rechts).

Hans-Günther Roßbach verwob in seiner Abschiedsrede die Entwicklungen der empirischen Bildungsforschung mit den Stationen seiner beruflichen Entwicklung.

Roßbachs Nachfolgerin Sandra Buchholz sprach in ihrem Festvortrag über den Einfluss alternativer Bildungswege auf soziale Ungleichheiten.

- Julia Dreßen

Frühpädagogik maßgeblich mitgeprägt

Verabschiedung von LIfBi-Direktor Hans-Günther Roßbach

Fast 200 Personen aus Forschung, Lehre, Politik und privatem Umfeld kamen am Freitag, den 30. Juni 2017, in der AULA der Universität Bamberg zur Verabschiedung von Prof. Dr. Hans-Günther Roßbach zusammen. Besonders bekannt ist er als Gründungsdirektor des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) und auch die Erziehungswissenschaft der Universität Bamberg trägt seine Handschrift. Ein Dutzend Redner, darunter langjährige Kolleginnen, Kollegen und Weggefährten, hielten ihm zu Ehren Vorträge und würdigten seinen Verdienst für das LIfBi und die Universität, vor allem aber seinen Beitrag für die Entwicklung der Frühpädagogik-Forschung in Deutschland.

„Schon die Größe der Veranstaltung zeigt, dass wir heute eine besondere wissenschaftliche Persönlichkeit verabschieden“, erklärte Prof. Dr. Sandra Buchholz, Direktorin des LIfBi, und dankte ihrem Vorgänger für die geleistete Aufbauarbeit und die gemeinsame Reise durch die interdisziplinäre Bildungsforschung. Prof. Dr. Maike Andresen, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Bamberg, betonte besonders Roßbachs besonnene, ruhige und überlegte Art und auch Laudator Prof. Dr. Rudolf Tippelt, Vorsitzender des LIfBi-Kuratoriums, hob seine Persönlichkeit hervor: „Wir haben deine Souveränität, Verlässlichkeit, Sachlichkeit und Rationalität sehr genossen. Alles Tugenden, die heute nicht mehr selbstverständlich sind und durch die du uns in deiner Rolle als Direktor stets ein Vorbild warst.“

Wichtiger Beitrag für die frühkindliche Bildungsforschung

Roßbach war maßgeblich daran beteiligt, die empirische frühpädagogische Bildungsforschung voranzutreiben. Zunächst studierte er Pädagogik, Psychologie und Soziologie an den Universitäten Bonn und Köln und promovierte und habilitierte an der Universität Münster. Bevor er 2002 dem Ruf an die Universität Bamberg folgte, übernahm er für sieben Jahre die Professur für Allgemeine Didaktik und empirische Unterrichtsforschung an der Universität Lüneburg. 15 Jahre lang leitete er dann in Bamberg den Lehrstuhl für Elementar- und Familienpädagogik. „Bamberg ist jetzt sozusagen ein Leuchtturm in der empirischen Bildungsforschung“, erklärt Roßbach.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war das Forschungsprojekt „Bildungsprozesse, Kompetenzentwicklung und Formation von Bildungsentscheidungen im Vor- und Grundschulalter“ (BiKs), an dem er zwischen 2005 und 2013 beteiligt war und mit dem, so Roßbach, ein Aufschwung der empirischen Bildungsforschung in Deutschland stattfand. Dieses Projekt kann auch als einer der Grundpfeiler des „Nationalen Bildungspanels“ (NEPS) betrachtet werden, das der Bildungsforscher in den Jahren 2012 und 2013 leitete. „Ich hätte nicht erwartet, dass das NEPS zu einer der weltweit größten Bildungsstudien wird“, sagt er selbst rückblickend. Ziel des NEPS ist es, Längsschnittdaten zu Kompetenzentwicklungen und Bildungsprozessen über die gesamte Lebensspanne zu erheben. Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung von Kleinkindern über Grundschüler bis hin zu Erwachsenen.

LIfBi-Gründung einer der Meilensteine seiner Karriere

Das zunächst zeitlich begrenzte Projekt NEPS war der Beginn des LIfBi, das Roßbach ab 2014 leitete. Als Gründungsdirektor des LIfBi trug er besonders dazu bei, dass „Deutschland führend in der längsschnittlichen Bildungsforschung geworden ist“, wie Buchholz betonte. Und auch sein guter Freund und langjähriger Weggefährte Prof. Dr. Wolfgang Tietze, Geschäftsführer der PädQUIS® gGmbH, fand rückblickend auf Roßbachs wissenschaftliche Tätigkeit und den damit verbundenen Beginn der frühkindlichen Forschung würdigende Worte: „Von da ging eine neue Epoche der Frühpädagogik aus und du kannst sagen, du bist dabei gewesen.“ Nach all diesen Erfolgen geht er zwar in den Ruhestand, ganz verabschieden möchte sich Roßbach aber noch nicht: Mit weiteren wissenschaftlichen Projekten bleibt er sowohl der Universität als auch dem LIfBi weiterhin treu, denn „Forschungsfragen gibt es noch genug“.