Für Jost Reischmann geht lebenslanges Lernen auch im Ruhestand weiter.

Schautafeln verdeutlichten dem Publikum im voll besetzten Hörsaal Schlagworte der Bamberger Andragogik.

Studenten wie Kollegen gratulierten dem frisch gebackenen Ruheständler (Bilder: Matthias Schönhofer).

Andragogik? Megagogik? Andragogik!

Prof. Jost Reischmann wurde in den Ruhestand verabschiedet

Im Kreise von Kollegen, Studenten und Freunden hat Prof. Dr. Jost Reischmann seine Universitäts-Laufbahn in Bamberg ausklingen lassen. Inmitten andragogischer Fachausdrücke, die er selbst im Laufe seiner Karriere geprägt hatte, fügten Reischmann und die Laudatoren den Begriffen auf Schautafeln noch Neues hinzu.

Den Ruf nach Bamberg erreichte den gebürtigen Schwäbisch-Gmünder 1993 an seinem 50. Geburtstag. Zwei Jahre später bewirkte er die Umbenennung des eigenen Arbeitsplatzes in „Lehrstuhl für Andragogik“, was damals noch für manches Stirnrunzeln unter Kollegen sorgte, so Reischmann. Auch ihm selbst sei der starke Geschlechterbezug des Begriffs, der aus dem griechischen kommend „Führung von Männern“ bedeutet, zwar immer bewusst gewesen. Den verlockenden Vorschlag eines Kollegen, stattdessen geschlechtsneutral von „Megagogik“ (Mega = die Großen) zu sprechen, habe er aber dennoch ausgeschlagen.

Kein Zweifel herrschte dagegen von Anfang an über das Motto des Lehrstuhls. „Stolz und stark“ sollten seine Absolventen sein, und der sichtbare Erfolg des Bamberger Modells saß quasi mit im Publikum. „Sie haben Glück, hier zu studieren“, rief Reischmann den Studenten zu, und die vorgetragenen, post-universitären Lebensläufe anwesender Absolventen untermauerten diese Feststellung. Die am Lehrstuhl Reischmann herrschende Kollegialität wurde dem Publikum schon dadurch transparent, dass er in seiner Rede stets von „unseren“, anstelle von eigenen Leistungen sprach. Es lag also an Laudator wie Grußwortrednern, die wirklichen Beiträge des bescheidenen Jubilars gebührend zu würdigen.

„Direkt, klar, schwäbisch“

Dass Kollegialität, Humor und Standfestigkeit in der wissenschaftlichen Positionierung zu Reischmanns Stärken gehören, daran ließ keiner der Redner Zweifel aufkommen. Je nach Sprecher variierten allerdings die Betonungen und ergaben ein insgesamt vielgestaltiges Bild des Forschers und Lehrers Reischmann, der zudem Mitglied der International Adult and Continuing Education Hall of Fame ist.

So hob Fakultätsdekan Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm eingangs besonders die erfolgreiche Gremienarbeit und Beiträge zu Berufungsverfahren hervor, die das Gesicht der Uni Bamberg verändert hätten. In Hinblick auf die weltweiten Bemühungen sprach er von „internationaler Erdverbundenheit“, was auch die Anwesenheit vieler ausländischer Gäste bezeugte. Dazu gehörten etwa Dr. Paul Bélanger (Montreal), Präsident des International Council for Adult Education, Hofrat Prof. Mag. Dr. Ivo Brunner von der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg sowie Prof. Ionut Constantin Isac von der Romanian Academy Cluj-Napoca.

Prof. Dr. Dr. Ekkehard Nuissl von Rein, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, hielt die Laudatio, in der er die Stellung Reischmanns in der Wissenschaftswelt als von Humor, Hartnäckigkeit und Reflexivität geprägt beschrieb. Letztendlich, so Bedford-Strohm, ging es aber allen Anwesenden ausnahmslos darum, etwas zurückzugeben. Unabhängig davon, wofür jeder einzelne sich zu bedanken hatte.

Vom Kaffeekochen und lebenslangen Lernen

Den gelungenen Schlusspunkt des von Prof. Dr. Walter Bender moderierten Abends setzte eine musikalische Einlage und eine kurze, filmische Charakterstudie aus Reischmanns Familienumfeld. Von Karriereschlusspunkt kann allerdings trotz der Emeritierung keine Rede sein. Reischmann wird bei der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg maßgeblich die Einführung des Masterstudiengangs Andragogik leiten. Auf die Frage, was er darüber hinaus nunmehr selbst noch lernen möchte, verwies er auf Computerkenntnisse, Reisen und seine Modelleisenbahnen. Dem Kaffeekochen, daran ließ er den gesamten Abend über beim Publikum keinen Zweifel aufkommen, wird er sich allerdings weiterhin standhaft verweigern.