Dagegen! Historische Proteste in Bamberg kulturanalytisch betrachtet, Seminar SoSe 2026

Ausstellung "Leise Demo, lauter Stein. Vielfalt und Widersprüche im Protest"

Schon begrifflich ist Protest als „richly varied social phenomenon“ (Fahlenbrach/Klimke/Scharloth 2016) nicht leicht zu fassen. Proteste zielen darauf ab, die alltägliche Lebenswelt zu sichern oder zu verbessern. Sie verfolgen mit unterschiedlichen Praktiken diverse Zielsetzungen. Die Französische Revolution oder auch „die 68er“ werden häufig als Zäsuren begriffen und sind im kollektiven Gedächtnis als Motoren gesellschaftlichen Wandels fest verankert. Dagegen bleiben lokale und „stille“ Widerstandsformen oft im Schatten der großen Erzählungen und damit unsichtbar, obwohl auch sie oft nicht ohne Folgen bleiben.

Was genau ist Protest? Wie kann sich Protest äußern? Wie wird er sichtbar? Welche Perspektiven treffen aufeinander? Und welche Spuren bleiben zurück?

Einige Antworten darauf gibt die Ausstellung „Leise Demo, lauter Stein. Vielfalt und Widersprüche im Protest“, die im Sommersemester 2026 an der Juniorprofessur für Europäische Ethnologie unter der Leitung von Monika Bäuerlein, M.A. und in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bamberg aus dem Seminar „Dagegen! Historische Proteste in Bamberg kulturanalytisch betrachtet“ hervorgegangen ist. Sie eröffnet verschiedene Perspektiven auf Protest und zeigt zugleich anhand historischer Beispiele aus Bamberg, wie vielfältig Protest sein kann.

  • Gebäude An der Universität 5, 3. OG, Flur vor Raum U5/03.21
  • September bis 20. November 2026, Mo-Fr 08.00-18.00 Uhr

Hörstationen

Zur Ausstellung gehören zwei Hörstationen:

  • „Protest gegen den Röhrenbrunnen“
  • „Stolpersteine als materialisierte Form von Protest“ 

Über das Seminar "Dagegen! Historische Proteste in Bamberg kulturanalytisch betrachtet"

Waren Sie schon einmal auf einer Demonstration? Haben Sie Petitionen unterzeichnet, sind einer Bürgerinitiative beigetreten oder haben Normen oder Gesetze gebrochen? Oder haben Sie vielleicht ganz bewusst nicht gehandelt, um ein Zeichen zu setzen? Haben Sie dabei „einfach nur“ protestiert oder waren Sie Teil einer ganzen Bewegung mit dem Ziel, Gesellschaft zu verändern?

Begrifflich ist Protest als „richly varied social phenomenon“ (Fahlenbrach/Klimke/Scharloth 2016) nicht leicht zu fassen. Häufig geht es darum, die alltägliche Lebenswelt zu sichern oder zu verbessern; Protest kann räumlich und zeitlich begrenzt oder weitläufig sein. Er äußert sich in verschiedenen Formen, mit unterschiedlichen Praktiken und Materialitäten, verfolgt dabei diverse Zielsetzungen und benötigt nicht unbedingt ein Kollektiv.

Während die Französische Revolution von 1789, die Revolution von 1848/49 oder auch das Jahr 1968 häufig als Zäsur begriffen werden und im kollektiven Gedächtnis als Motoren gesellschaftlichen Wandels fest verankert sind, bleiben lokale und „stille“ Widerstandsformen oft im Schatten der großen Erzählungen und damit unsichtbar. „Verdeckte alltägliche Widersetzlichkeit entgeht dem forschenden Blick“ konstatierte Alf Lüdke 1984. Sobald sich dieser Protest allerdings „als eine öffentliche Äußerung des Missfallens, des Widerspruchs“ (Ingendahl 2015) äußert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er Spuren hinterlässt.

Im Seminar „Dagegen! Historische Proteste in Bamberg kulturanalytisch betrachtet“ begaben sich die Teilnehmenden nach einführenden, methodischen und theoretischen Auseinandersetzungen unter der Leitung von Monika Bäuerlein M.A.auf eine Spurensuche zu verschiedenen Protestformen in Bamberg. Im Fokus standen Fragen nach ihren Akteur:innen, Objekten und hinterlassenen Quellen, deren Einordnung in den gesamtgesellschaftlichen Kontext sowie dem Potenzial einer historischen Analyse. Mit einer Auseinandersetzung zu ihrer Rezeption konnten aber auch Gegenwartsfragen bearbeitet werden. Ziel war somit neben der inhaltlichen Auseinandersetzung die methodische Kompetenz im Umgang mit (überwiegend) historischen Quellen. Es standen einige Bamberger Beispiele als Ideen zur Verfügung, die Teilnehmenden waren aber auch dazu angehalten, selbst auf Themensuche zu gehen.