Bald wird am Arbeitsplatz von Horst Herion am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts seine Nachfolgerin Mirjam Schambeck sitzen (Bild: Johannes Heger)
Andrea Kabus (von links), Heinz-Günther Schöttler und Rektor Godehard Ruppert (rechts) verabschiedeten Horst Herion (Bild: Alexander Filipovic)
Johannes XXIII., Jazz und Religionspädagogik
Was haben Jazz und Religionspädagogik, Venedig und Korrelationsdidaktik miteinander zu tun? Was gegensätzlich klingt, hat doch einen Zusammenhang, der einen Namen hat: Horst Herion. Der seit 2000 in Bamberg lehrende Religionspädagoge und Didaktiker sagt nun „arrivederci“.
Müsste Prof. Dr. Horst Herion einen Menschen aus dem christlich-kirchlichen Feld nennen, der ihn in seinem Denken und Leben besonders beeinflusst hat, so wäre es Johannes XXIII., der Papst, der einst mit seinen Worten und Taten ein „aggiornamento“ in die Kirche brachte. „Für meine ganze Generation – für mich und meine Freunde – stand Johannes für die Öffnung der Kirche“, schwärmt der Religionspädagoge. Wie sehr ihn dies beeinflusst, lässt sich auf verschiedene Weisen spüren, und war auch durchgängiger Inhalt der offiziellen akademischen Verabschiedung von Horst Herion am 20. Juli.
„Ein Traumchef!“
Vor allem bei den Studierenden war und ist er für seine Offenheit und seinen freundlichen, persönlichen Umgang bekannt und geschätzt. So bedankten sich die Sprecher der Fachschaft Katholische Theologie, Tobias Bienert und Kathrin Mayer, im Namen ihrer Studienkolleginnen und -kollegen in ihrer Rede zum Abschied bei „ihrem“ Professor für dessen herzliche und hilfsbereite Art und wünschten ihm alles Gute für den Ruhestand.
Auch das Team des Lehrstuhls stimmte in diese Lobesarie ein: Dr. Andrea Kabus, akademische Rätin, Konstantin Linder, wissenschaftlicher Mitarbeiter, und die Sekretärin des Lehrstuhls Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts schwärmten von ihrem Vorgesetzten der letzten sechs Jahre als „Traumchef“ und hoben heraus, dass die Zusammenarbeit am Lehrstuhl „ein Gewinn und eine wirkliche Freude“ waren.
Auch Rektor Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert fand lobende Worte für seinen Vertreter an der katholisch-theologischen Fakultät. Er hätte die Entscheidung, Rektor der Universität Bamberg zu werden, nur deshalb „ruhigen Gewissens“ treffen können, weil er seinen Lehrstuhl in die guten Hände eines „eigenständigen Verwalters“ hätte legen können. Deshalb dankte er dem scheidenden Kollegen gleich in zwei Funktionen, als Hochschulrektor und als Lehrstuhlinhaber.
Ein Korrelationsdidaktiker
Zu Beginn der Festreden betonte der Dekan der Fakultät Katholische Theologie, Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler, die hervorstechendste Seite seines Kollegen: die menschliche. Herion sei als Kollege sehr geschätzt und gleichzeitig „um keinen universitären Ausschuss“ verlegen gewesen, was für sein großes Engagement spräche. Und dies, obwohl er „nur“ Lehrstuhlvertreter sei. Lobende Worte fand Schöttler auch für Herions innovativen und praxisnahen religionspädagogischen Ansatz, was auch vom Passauer Religionspädagogen Prof. Dr. Hans Mendl unterstrichern wurde, der als Vorsitzender der bayerischen Religionspädagogen gekommen war. Hans Mendl hielt auch den Festvortrag zum Thema „Praxis. Gegenstand, Ort und Ziel religionspädagogischer Theorie“.
Müsste Horst Herion selbst einen Punkt herausgreifen, der ihm in seiner wissenschaftlichen Arbeit besonders wichtig war, wäre es die Korrelationsdidaktik. Dieser Ansatz hat zum Ziel, dem Schüler nicht abstraktes Wissen eintrichtern zu wollen, sondern bedacht und überlegt nach Anknüpfungsmöglichkeiten zwischen der Lebenswelt des Schülers und den zu vermittelnden Inhalten zu suchen. Ein Ansatz, der den Schüler als mündiges Wesen begreift, nicht als Objekt.
Ein Italienkenner
Dass es ihm aber nicht nur in der Theorie, sondern gerade auch an der Universität um die gelebte Praxis zwischen Dozierenden und Studierenden ging, bewies Herion auch in der Stunde des Abschieds: Am 21. Juli lud er seine Studierenden nach seiner letzten offiziellen Vorlesung an der Universität Bamberg zu einem kleinen Umtrunk ein. Die starke Resonanz bewies, dass nicht nur „Herion, der Wissenschaftler“ ankam, sondern besonders „Herion, der Mensch“. So verabschiedeten sich viele Schüler auf ganz persönliche Art und Weise von ihrem Hochschullehrer. Einige von ihnen waren einstige Teilnehmer eines ganz besonderen Seminars, in dessen Rahmen der Lehrstuhl Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts einmal im Jahr nach Venedig aufbricht. Auf diesen Fahrten kamen den Teilnehmerinnen und Teilnehmer die hervorragenden Italienischkenntnisse Herions besonders zugute.
Von einer menschlichen und sehr privaten Seite konnten man Herion auch bei seinem Abschied kennen lernen: Abseits der universitären Veranstaltungen verfolgt der vielseitige Privatmann eine weitere Leidenschaft, von der die Festgäste eine kurze, aber beeindruckende Kostprobe bekamen – sowohl bei der akademischen Verabschiedung als auch beim studentischen Abschied intonierte Herion auf seinem Saxophon gekonnt, gefühlvoll und leicht jazzig „Yesterday“ von den Beatles. Tosender Beifall bewies an beiden Tagen, dass die Zuhörer auch an dieser Seite Herions Gefallen fanden.

