Seit einem Monat hat die Universität eine eigene Facebook-Seite (Fotos: Pressestelle)

Screenshot der Facebook-Seite: Anzahl der Fans und ein Posting der Kategorie "Wusstet ihr schon ...?"

Nervennahrung für das Redaktionsteam - die Hiwis verbringen manchmal „gefühlte 24 Stunden“ vor dem Bildschirm

- Regina Neumann

Gefällt mir · Kommentieren · Teilen

Der erste Monat der Universität auf Facebook

„Endlich live! Ab heute kann uns jeder sehen :-)“, so lautete vor genau einem Monat das erste offizielle Posting der Universität Bamberg auf Facebook. Die Einträge zuvor hatte niemand sehen können, der nicht dem sechsköpfigen Redaktionsteam angehörte. Gespannt fieberten dessen Mitglieder vor den Bildschirmen mit, lasen die Begrüßungspostings der anderen universitären oder universitätsnahen Facebook-Seiten. Sie waren am Ende des ersten Tages begeistert über knapp 500 Fans, also über Nutzer, die auf den „Gefällt mir“-Knopf geklickt haben. Mittlerweile sind es 1.384 Fans, 284 von ihnen haben Kommentare hinterlassen und 69 haben sich per Handy vor Ort „eingeloggt“.

Uni Bamberg goes facebook - ein langer Weg

„Wir waren alle unglaublich gespannt, was passieren wird, und sind nun sehr zufrieden mit dem Start“, erzählt Florian L. Mayer vom Institut für Kommunikationswissenschaft, der Projektleiter des Facebook-Auftrittes der Universität. Online sichtbar ist die Seite seit dem 5. Januar 2012, der Grundgedanke entstand aber bereits im Jahr 2009, als man darüber diskutierte, wie sich die Universität Bamberg in den Social Media präsentieren könnte.

Eine konkrete Gestalt bekam die Idee in einem Seminar des Master-Studiengangs Kommunikationswissenschaft, in welchem Social-Media-Konzepte für die Universität entwickelt wurden. „Die Studierenden leisteten in diesem Seminar wichtige Vorarbeit“, bemerkt Mayer. Zusammen mit dem Dezernat Z/KOM - Kommunikation & Alumni entwickelten sie eine Kommunikationsstrategie, die auch die Universitätsleitung überzeugte.

Bevor jedoch die Universität ihre Facebook-Seite veröffentlichen konnte, mussten erst noch verschiedene universitäre Einrichtungen ins Boot geholt und viele Vorurteile und Bedenken aus dem Weg geräumt werden – Wer ist für die Inhalte verantwortlich? Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? „Dass wir diesen Weg nicht bedenkenlos gehen konnten, war der Universitätsleitung von Anfang an ebenso klar wie die Tatsache, dass wir diesen Weg gehen müssen, wenn wir die Studierenden und andere Interessierte erreichen wollen“, bringt Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert den pragmatischen Beschluss der Universitätsleitung auf den Punkt. „Es ist doch wie im richtigen Leben: Nur weil man die Unfallstatistik kennt, schließt man sich ja auch nicht in der Wohnung ein und geht nicht mehr auf die Straße. Wir verfolgen das Projekt mit Sympathie und großem Interesse.“

„Die Studierenden dort abholen, wo sie aktiv sind“

Das Online-Angebot soll gezielt Studierende ansprechen. Denn obwohl die Universität bereits viele Medien – teils auch kostenintensive – einsetzt (z.B. die Universitätsmagazine uni.kat, uni.vers Forschung, uni.vers Studium oder die Uni Bamberg News), werden manche davon von den Studierenden kaum genutzt. „Eine Umfrage ergab, dass diese Medien häufig nicht einmal bekannt sind“, so Mayer. „Mit Facebook holen wir die Studierenden dort ab, wo sie aktiv sind.“ Neben dieser primären Zielgruppe spricht die Universität aber auch alle anderen Universitätsangehörigen an, Studieninteressierte und Alumni, Medienvertreter und Freunde der Universität.

Siezen oder Ihrzen?

Neben solchen zentralen Fragen – also Fragen nach den Hauptzielgruppen, Inhalten und Themen – mussten auch unzählige Details entschieden werden: Wie oft sollen Beiträge erscheinen? Sollen die User gesiezt oder geihrzt werden? Aktuell gibt es zwischen fünf und zehn Mal pro Woche Veranstaltungsempfehlungen, Nachberichterstattungen und Informationen, die das Studium betreffen. Bilderrätsel, Rubriken wie Wusstet ihr schon …? und Kennt ihr schon? bieten Wissenswertes und Unterhaltsames über den Uni-Alltag und laden zum Posten, Kommentieren und Raten ein. Für das „Sie-oder-Ihr-Problem“ fand sich übrigens ein eleganter Mittelweg, erläutert Mayer: „Werden alle angesprochen, ihrzen wir; antworten wir einem User direkt, wird gesiezt.“

„Social Media lebt vom Dialog“

Facebook bietet den Studierenden eine Plattform, um zu interagieren und mit der Universität in Dialog zu treten. Hinter dem Facebook-Auftritt verbirgt sich das Redaktionsteam: Florian Mayer, die Leiterin und die Medien- und Newsverantwortlichen des Dezernats Z/KOM sowie zwei studentische Hilfskräfte. Diese verbringen im Moment „gefühlte 24 Stunden“ mit Facebook. „Das hat sich zwar schon etwas gebessert, aber selbst wenn wir gerade nicht vor dem Bildschirm sitzen: Im Kopf sind wir fast die ganze Zeit auf der Facebook-Seite eingeloggt“, erzählen die beiden Hiwis. Kommentare und Postings sind ausdrücklich erwünscht und werden auch nicht zensiert, denn es sei am wichtigsten, dass die Seite lebendig ist. „Social Media lebt vom Dialog“, so der Projektleiter Mayer.

Einen respektvollen Umgang miteinander regelt die Netiquette, eine Art Verhaltenskodex für Online-Seiten. „Obwohl es bereits einzelne witzige und hilfreiche Reaktionen zum Facebook-Auftritt gab, würden wir uns über noch mehr Feedback sehr freuen“, erklärt Tanja Eisenach, kommissarische Leiterin des Dezernates für Kommunikation. „Nur so können wir unseren Auftritt verbessern und unseren Fans die Postings liefern, die sie lesen wollen.“

Ein „Shitstorm-Frühwarnsystem“ muss noch erfunden werden

„Ich finde es wichtig, dass auch Problemthemen nicht unter den Tisch fallen und diskutiert werden können, beispielsweise die Studienbedingungen an der Universität“, so Florian Mayer. Natürlich sei man sich bewusst, dass solche Themen eine Sturmflut aufgebrachter Reaktionen auslösen können – die Kehrseite von Kommunikation in Echtzeit. Deshalb würde sich Mayer ein „Shitstorm-Frühwarnsystem“ wünschen. Shitstorm nennt man das Phänomen, wenn sich auf einer Internetseite in großer Menge Kritik entlädt – sachliche und unsachliche. „Wenn es so etwas gäbe, könnten wir Administratoren unsere Facebook-Pausen ein bisschen sorgenfreier gestalten“, lacht Mayer. Für den Notfall liege aber auch ein Krisenkommunikationskonzept parat, erklärt Tanja Eisenach.

Bis jetzt sei aber alles sehr zufriedenstellend und fair gelaufen, sind sich Mayer und Eisenach einig. Auch die beiden studentischen Hilfskräfte sind zufrieden mit der Entwicklung der Fanzahlen: „Wir würden uns natürlich freuen, wenn noch mehr dazu kommen – bei 12.400 Studierenden sehen wir Entwicklungspotenzial.“

Weitere Informationen

Den Facebook-Auftritt der Universität finden Sie unter: www.facebook.com/UniBamberg

Anregungen, Feedback, Veranstaltungstipps und Themenvorschläge können auch direkt an die Facebook-Redaktion geschickt werden: social-media(at)uni-bamberg.de