Judith Volmer (Bild: privat)

Über Führung, Gesundheit und ethisches Handeln

Judith Volmer stellt sich und ihre Arbeit vor

Von Braunschweig und New York über Erlangen nach Bamberg – und das war nur eine Auswahl: Judith Volmer, Inhaberin der Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie, hat schon an einigen Hochschulen und Instituten im In- und Ausland geforscht und gelehrt. Dass sie nach ihren Erfahrungen im „Wissenschaftseldorado“ USA nach Deutschland zurückgekehrt ist, ist für sie kein Rückschritt: „Klar sind die finanziellen Bedingungen und auch die Forschungs- und Personalinfrastruktur in den USA immer noch sehr gut. Aber der Unterschied zu Europa ist längst nicht mehr so groß. Außerdem genieße ich hier die Freiheit, die man gerade in der Wahl seiner Forschungsthemen hat. In den USA ist man da eingeschränkter, weil das System insgesamt anders funktioniert. “

Auch die Entscheidung für Bamberg fiel Judith Volmer leicht. Schließlich hatte sie nicht nur viele andere Universitäten kennengelernt, sondern bereits drei Semester „ihre“ Professur vertreten, bevor der Ruf erfolgte. Sie wusste daher sehr genau, was sie erwartet – und fühlt sich mit den Bedingungen, die sie in Forschung und Lehre vorfindet, nach wie vor wohl: „Um nur ein Beispiel zu nennen, das Leistungsniveau bei den Studierenden ist hier höher als anderswo, auch, weil das Betreuungsverhältnis so gut ist. Das macht sich in den Seminaren ganz deutlich bemerkbar.“

„Es gibt nicht nur eine Lösung“

Sie selbst möchte ihren Studierenden nicht nur punktuelles, praktisches Handwerkszeug mit auf den Weg geben, sondern auch ein Bewusstsein dafür, was es heißt, im Bereich Führungskräfteentwicklung, Gesundheitsmanagement oder Karriereplanung tätig zu sein. Dabei ist es ihr wichtig, profunde theoretische und methodische Grundlagen zu vermitteln und die Fähigkeit auszubilden, aus ihnen Problemlösungsansätze für die Praxis gewinnen zu können. „Es gibt in unserem Bereich  nicht auf jede Situation genau eine Antwort und das ist gut so. Deshalb kommt man allein mit praktischem Einzelwissen, beispielweise darüber, wie man ein Assessment Center erstellt oder ein Personalgespräch führt, oft nicht ans Ziel.“

Eine Erkenntnis, die viele Studierende erst einmal verdauen müssen, gilt die Arbeits- und Organisationspsychologie gemeinhin doch als ein rein anwendungsbezogenes Fach. Judith Volmer liegt viel daran, in diesem Punkt Unklarheiten zu beseitigen und setzt sich für die Verknüpfung und den Transfer von Universität und Wirtschaft ein, ganz nach dem Motto von Kurt Lewin „Nichts ist praktischer als eine gute Theorie“.

Sie begründet ihren Standpunkt mit einem Hinweis auf die Komplexität ihres Faches, dem man ohne ein Wissen um Theorie und besondere Methodenkenntnisse gar nicht gerecht werden könne. „Hier gibt es viele verschiedene Ebenen, die man allesamt einzeln für sich, aber auch in ihrer Gesamtheit und ihren Wechselwirkungen zueinander betrachten und verstehen muss. Natürlich fokussieren wir das Individuum, aber das existiert ja nicht im luftleeren Raum, sondern ist in Teams, in eine Organisation eingebunden. Und über allem steht natürlich die Gesellschaft.“

Forschungsschwerpunkte

Für ihre nächsten Jahre an der Universität Bamberg hat sich die junge Professorin vor allem im Forschungsbereich viel vorgenommen. Die Vernetzung ihrer Professur universitätsintern sowie mit Partnern in und außerhalb Deutschlands sowie das Einwerben von Drittmitteln zur Durchführung größerer Forschungsprogramme gekoppelt mit der Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses sind dabei nur zwei Dinge, die sie vorantreiben möchte. Aktuell führt sie unter anderem eine interkulturelle Studie zum Thema „Führung und Kreativität“ mit Kooperationspartnern aus China und den USA durch und startet gemeinsam mit der Universität zu Köln ein Kooperationsprojekt über Karrierenetworking.

Weiterhin ist ein DFG-Projekt zum Thema „Führung als Ressource“ geplant und ihr erstes Bamberger FNK-Projekt „Führung und Wohlbefinden im Arbeitskontext“ hat sie gerade eingeworben. Der Titel des neuen Projektes lässt bereits zwei ihrer Forschungsschwerpunkte erkennen: Judith Volmer beschäftigt sich nicht nur mit Karriereplanung und -entwicklung, sondern besonders mit den Fragen, wie gute Führung funktioniert und wie die Steigerung von Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden von Beschäftigten bei der Arbeit zu erreichen sind.

Methodik

Das neue Projekt dreht sich einerseits um die Förderung von Schlüsselqualifikationen wie Kreativität oder Innovationsfähigkeit und andererseits um die Mittel und Wege, dieses Niveau dauerhaft ohne Erschöpfung oder gesundheitliche Beschwerden durchzuhalten. Dabei realisiert sie einen sogenannten „dynamischen Ansatz“, kontaktiert ihre Probanden also mehrmals am Tag über einen genau definierten Zeitraum hinweg, um Aufschlüsse über das individuelle Stresserleben gewinnen zu können. Den dynamischen Ansatz verbindet sie mit verschiedenen Methoden, in diesem Fall Selbsteinschätzung und physiologische Messungen, in anderen Projekten wendet sie aber auch Experimente oder prospektive Längsschnittstudien an.

Zur Auswertung der physiologischen Maße wird in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen vom Institut aktuell ein Psychobiologisches Labor eingerichtet. Insgesamt verfolgt Judith Volmer also einen „multimethodalen Ansatz“, wie es in der Fachsprache heißt. „Inhaltlich faszinieren mich seit Jahren besonders soziale Interaktionen, die ich im Arbeitskontext näher untersuche. Das können positive Interaktionen sein wie im Falle gelungener Führung, aber auch negative Interaktionen wie im Falle von Kundenkonflikten. Soziale Interaktionen stehen im Mittelpunkt meiner Forschungsarbeiten.“ Bei den Forschungsarbeiten geht es ihr besonders darum, die zugrundeliegenden psychologischen Prozesse besser zu verstehen, um daraus Empfehlungen für die Praxis abzuleiten.

In Kombination mit ihren perspektivenreichen Themen sieht Judith Volmer genau darin ihre Stärke, mit der sie sich nicht nur in die Bamberger Psychologie einfügen, sondern sie auch um neue Sicht- und Herangehensweisen ergänzen möchte. Dass sie einmal als Psychologin arbeiten möchte, wusste sie schon seit Jugendtagen: „Ich wusste schon als 13-Jährige, dass ich einmal Psychologie studieren und in diesem Bereich arbeiten würde. Dabei waren Jura und BWL in meinem Umfeld der Universitätsstadt Münster deutlich beliebter, aber für mich war die Entscheidung für das Fach Psychologie völlig klar.“

Wichtig ist der Blick aufs Ganze

Ethisch verantwortlich zu handeln und immer wieder zu hinterfragen, ob man hinter dem, was verlangt wird, tatsächlich stehen kann, sind Wünsche und Ansprüche, die sie gerne auch ihren Studierenden mit auf den Berufsweg geben möchte. „Oftmals stehen Unternehmen beispielweise unter Zeitdruck, möchten Probleme möglichst schnell gelöst haben, wobei der Blick auf das Ganze mitunter verloren geht. Als Arbeits- und Organisationspsychologen sind wir aber nicht nur Teilen, sondern diesem Ganzen verpflichtet. Das macht es manchmal notwendig, für sich selbst zu überprüfen, wie weit man gehen kann, um diesem Ziel noch gerecht zu werden. Wichtig ist es, Ziele und Erwartungen mit Praxispartnern abzugleichen, dann ergeben sich tolle Kooperationen, die exzellente Möglichkeiten für einen gelungenen Forschungs-Praxis-Transfer bieten.“

Einen Tipp, wie ihre Schützlinge die beruflichen Herausforderungen bis zur Rente gut meistern können, hat sie auch parat: „Öfter, am besten täglich am Feierabend  Erholungsaktivitäten durchführen. Diese täglichen Aktivitäten sind viel wirkungsvoller, als einmal im Jahr vier Wochen Urlaub zu machen.“ Judith Volmer selbst erholt sich am  Feierabend am liebsten beim gemeinsamen Kochen mit ihrer Familie und Freunden. „Das ist ein perfekter Ausgleich zu den Aktivitäten des Tages“, fügt sie lächelnd hinzu.

Hinweis

Diesen Pressetext verfasste Tanja Eisenach für die Pressestelle der Universität Bamberg. Er steht Journalistinnen und Journalisten zur freien Verfügung.

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