Till Sonnemann ist neuer Juniorprofessor für Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie.

- Tanja Eisenach

Personalwechsel in den archäologischen Wissenschaften

Till Sonnemann ist neuer Juniorprofessor für Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie

Seit 2010 ergänzt die Juniorprofessur für Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie das Fächerangebot der Archäologischen Wissenschaften an der Universität Bamberg. Ihr erster Inhaber, Dr. Karsten Lambers, ist seit 2015 Privatdozent und Assistenzprofessor für Archaeological Computer Science an der Fakultät für Archäologie der Universität Leiden in den Niederlanden. Dort arbeitete auch Till Sonnemann, der zum 1. November 2016 die Juniorprofessur von Karsten Lambers übernommen hat.

Haben Sie ein besonders wichtiges / schönes / spannendes Forschungsprojekt, das Sie gerne kurz vorstellen möchten?

Ich interessiere mich besonders für die Anwendung möglichst zerstörungsfreier Methoden zur Fernerkundung und Untersuchung der oberen Bereiche der Erdkruste. Beides dient zur Analyse, Interpretation und zum Schutz archäologischer Stätten. Die Zeit, die ich in kulturell sehr unterschiedlichen Ländern verbracht habe, hat mir die Augen darüber geöffnet, wie verschieden Lehre und Forschung weltweit sein können. Wie schon in Sydney und Leiden wäre ich sehr daran interessiert, gemeinsam mit Bamberger Kolleginnen und Kollegen sowie Studierenden an lokalen und internationalen Themen zu arbeiten. Dazu zählen zum Beispiel die zerstörungsfreie Analyse von Bauten, die Kartierung von Kulturlandschaften mit digitalen Verfahren und die Kommunikation dieser Themen in der Öffentlichkeit. Archäologie ist, wie die angewandte Geophysik, eine der wenigen Disziplinen, in denen man sich einerseits als Akademiker noch die Hände schmutzig machen darf, in denen aber auch die technische Entwicklung große Sprünge macht. Die Vermessung archäologischer Stätten unter der Oberfläche oder die digitale Analyse von Funden durch (fast) zerstörungsfreie Methoden bekommen immer größere Bedeutung, weshalb es wichtig ist, Studierende früh an diese Tätigkeiten heranzuführen.

Was sind die wichtigsten Ziele als Lehrender bzw. Forschender in Ihren kommenden Jahren an der Universität Bamberg?

Meine eigenen Erfahrungen als Geophysiker im Fachbereich Archäologie haben mir gezeigt, wie notwendig interdisziplinäre Arbeit ist und wie viele Chancen sie birgt. In der Lehre wird es deshalb darum gehen, Bodenuntersuchung und Fernerkundung sowie digitale Themen in der Archäologie zu verankern. Ein Thema, auf das ich mich in den nächsten Jahren konzentrieren möchte, ist der Pionier-Begriff, also das grundsätzliche Konzept der Erstbesiedlung und ihrer Entwicklung. Hier interessiert mich besonders, welche Einflüsse auf sie wirken und wie man sie messen kann. Die besondere Fächerkombination an der Universität Bamberg erlaubt bei potentiellen Kooperationen kurze Wege zwischen der Archäologie und zum Beispiel der Denkmalkunde, Geographie, Informatik und Kommunikationswissenschaft. Dies bietet eine große Chance, multidisziplinär zu forschen und den Studenten die Möglichkeit zu geben, über den Tellerrand ihres Studienfaches zu schauen.

Kurzvita

Aufgewachsen im nördlichen Ruhrgebiet, studierte ich von 1999 bis 2005 Geophysik in Münster und untersuchte Mondbeben in meiner Diplomarbeit am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt Berlin. Mein Interesse an zerstörungsfreien Methoden in der Archäologie wurde durch Forschungspraktika in Mexiko, der Schweiz und Spanien gestärkt, und resultierte in einer Doktorarbeit an der Universität Sydney, Australien. Von 2007 bis 2012 promovierte ich dort über landschaftsarchäologische Bodenuntersuchung in Angkor, Kambodscha. Nach der Anstellung bei einer australischen Geophysikfirma war ich für drei Jahre als Postdoc an der Universität Leiden in den Niederlanden im ERC-Nexus1492 Projekt tätig.