Marco Sahm ...

... beim Ironman-Zieleinlauf auf Hawaii.

Der Mensch im Wettbewerb

Marco Sahm ist neuer Professor für VWL, insbesondere Wirtschaftstheorie

Sein Interesse am Menschen und seine Leidenschaft für Mathematik haben Marco Sahm in die Volkswirtschaftslehre geführt. An ihr schätzt er die mathematische Präzision, mit der sie menschliches Verhalten in den Blick nimmt. Insbesondere erforscht der Ökonom Wettbewerbssituationen, denen er sich auch privat gerne stellt – zum Beispiel beim Triathlon.

Menschen, Motivation und Wettbewerb – diese Worte fallen häufig, wenn Marco Sahm über sich und seinen Beruf spricht. Schon als Kind faszinierten ihn Zahlen und logische Schlussfolgerungen. So sehr, dass er sich nach der Schule statt des ebenfalls erwogenen Medizinstudiums für Mathematik entschied. Durch einen guten Freund inspiriert nahm er nach zwei Semestern an der Universität Saarbrücken auch noch BWL hinzu und entdeckte in den dazugehörigen VWL-Vorlesungen bald seine Begeisterung für Modelle und Theorien menschlichen Verhaltens in ökonomischen Kontexten.

Wie bei vielen seiner Kolleginnen und Kollegen war auch Sahms Qualifizierungsphase, die er an LMU und TU München absolvierte und die schließlich mit der Ernennung zum W2-Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie an der Universität Bamberg endete, nicht immer einfach. Dennoch gab es für den zweifachen Familienvater nie ernsthafte Alternativen zu einer wissenschaftlichen Karriere: „Kurzzeitig hatte ich einmal überlegt, in die Unternehmensberatung zu wechseln“, erzählt Sahm. „Doch ich habe nie eine Bewerbung abgeschickt. Dazu forsche und lehre ich einfach zu gerne. Außerdem empfinde ich es als großes Privileg, dass ich mich zumeist mit selbst gewählten Themen beschäftigen kann.“

„Ich möchte meine Studierenden motivieren, an sich zu glauben“

Zur Lehre gehört für ihn nicht nur, fachliche Inhalte zu vermitteln. Sahm möchte bei seinen Studierenden vielmehr auch den Forschergeist wecken. Zum Beispiel, indem er die intrinsische Motivation, die er als treibende Kraft in seinem eigenen Leben erkannt hat, auch bei den Studierenden zu stärken sucht. Dies in einem wirtschaftswissenschaftlichen Massenfach zu tun, ist für ihn eine Herausforderung, die er gerne annimmt: „Ob Miniworkshop oder Massenvorlesung, es geht darum, die Begeisterung für das eigene Fach vorzuleben. Die Studierenden sollen spüren, dass Entdecken Spaß macht und Verstehen Genugtuung bereitet.“

Wer aus diesen Sätzen allerdings reduzierte fachliche Anforderungen oder einen Mangel an gebotener Ernsthaftigkeit herausliest, täuscht sich. „Wir Professoren haben eine Verantwortung gegenüber den künftigen Arbeitgebern unserer Studierenden und gegenüber der Gesellschaft insgesamt. Ich sehe mich deshalb in der Pflicht, bestimmte Standards einzufordern. Zu einer fairen und gerechten Beurteilung der Leistungen gehört es daher für mich auch, offen und klar anzusprechen, wenn diese Standards nicht erfüllt sind.“

Wettbewerbe als Forschungsfeld

Wenn Marco Sahm gerade nicht in seinem Büro ist, geht er häufig einer weiteren Leidenschaft nach, dem Ausdauersport. Viermal war er bereits beim Ironman auf Hawaii dabei, dem härtesten Triathlon-Wettkampf der Welt. Bei seinem letzten Start im Jahr 2011 belegte er unter mehr als 1850 Teilnehmerinnen und Teilnehmern den 115. Platz – und das, obwohl der Sport trotz aller Ambitionen immer nur ein Hobby war, das es mit Beruf und Familie in Einklang zu bringen galt. „Wenngleich mir heute weniger Trainingszeit zur Verfügung steht, nehme ich nach wie vor an kleineren Wettkämpfen teil, weil es mir Spaß macht, mich solchen Situationen auszusetzen und die Regeln und Mechanismen, die ihnen zugrunde liegen, auch am eigenen Leibe zu erforschen.“

Eine inhaltliche Parallele, so meint er, gebe es zwischen Triathlon und Beruf durchaus. Denn auch in seinen Forschungsarbeiten geht es oft um sportliche, aber auch politische oder wirtschaftliche Wettbewerbe wie etwa Wahlen oder Gehaltsverhandlungen. Mit Hilfe von mathematischen Modellen der Spieltheorie untersucht er beispielsweise, wie individuelle Charakteristika das Verhalten und die Gewinnwahrscheinlichkeit in einer solchen Situation beeinflussen. Bedeutet mehr Talent auch automatisch mehr Erfolg? Oder können Eigenschaften wie stärkere Motivation oder höhere Risikobereitschaft geringeres Talent kompensieren? Worin liegen dabei die Unterschiede zwischen Frauen und Männern?

Kein Argument ersetzt die innere Motivation

Bei der Erforschung dieses sogenannten gender-gaps (deutsch: Geschlechterkluft), interessiert ihn besonders der Gerechtigkeitsaspekt, der auch die Brücke zu einem weiteren Forschungsschwerpunkt, dem sogenannten equity-efficiency-trade-off (deutsch: Zielkonflikt zwischen Gerechtigkeit und Effizienz) bildet. Sahm beschäftigt sich hier mit der Frage, unter welchen Bedingungen Effizienz und Gerechtigkeit zwei grundsätzlich konkurrierende Ziele sind, die sich nicht gleichzeitig erreichen lassen, inwiefern dann aber ein möglichst guter Kompromiss zwischen diesen beiden Zielen hergestellt werden kann. Wie etwa sollte das Einkommensteuersystem gestaltet werden, um einerseits einen möglichst großen Umverteilungsspielraum zu schaffen ohne dabei andererseits zu viele Arbeitsanreize zu zerstören?

„Das Tolle an der VWL ist, dass sie verschiedene Vorgehensweisen und Methoden zulässt, zum Beispiel induktives und deduktives Arbeiten. Man kann einerseits aus der Beobachtung menschlichen Verhaltens eine Theorie entwickeln, andererseits aber auch mit der Theorie starten, die man dann mit der Realität konfrontiert“, erklärt Sahm. Die Vielfalt an Methoden und Perspektiven zur Erforschung eines der spannendsten Untersuchungsgegenstände überhaupt, nämlich des Menschen selbst, ist für ihn einer der Gründe, warum er ein Studium der VWL wärmstens empfehlen kann. Natürlich nur wenn der wichtigste Faktor stimmt: die innere Motivation.

Hinweis

Diesen Pressetext verfasste Tanja Eisenach für die Pressestelle der Universität Bamberg. Der Text kann für redaktionelle Zwecke verwendet werden.

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