Die neue Professorin für Soziologie, insbesondere Sozialstrukturanalyse: Irena Kogan

- Mario Mages

Frischer Wind in der Bamberger Soziologie

Neubesetzung des Lehrstuhls für Soziologie, insbesondere Sozialstrukturanalyse

Sie ist die wahrscheinlich jüngste ausländische Lehrstuhlinhaberin Deutschlands: Irena Kogan, aufgewachsen und geboren in der Ukraine, trat dieses Wintersemester die Nachfolge von Friedrich Heckmann an.

„An Bamberg finde ich gut, dass hier viele Forscher aus anderen Ländern herkommen. Das bringt einiges, weil jeder gewisse Kontakte mitbringt, die sich positiv in den Projekten niederschlagen“, so die 34-Jährige über ihr neues Arbeitsumfeld. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen sowohl in der  Migrationssoziologie als auch in der Sozialstrukturanalyse. Nachdem sie in Tel Aviv Soziologie und Anthropologie studiert hatte, kam sie im Oktober 2000 durch ein Stipendium nach Deutschland ans Mannheimer Zentrum für Sozialforschung. Noch heute arbeitet sie dort an Projekten und versucht diese von Bamberg aus zu koordinieren.

Zwischen den Stühlen

Deshalb pendelt die frischgebackene Professorin, die sich neben ihrer Forschungsarbeit für Sport, Kino und Reisen interessiert, wöchentlich zwischen beiden Städten hin und her. In ihren migrationssoziologischen Projekten geht es hauptsächlich um Integration in den Arbeitsmarkt sowie in das Bildungssystem. Derzeit gibt es außerdem zwei Kooperationsprojekte mit der Universität Leipzig und der Universität in Tel Aviv. Dort liegt der Fokus auf der Integration von Auswanderern aus der ehemaligen Sowjetunion. Im Bereich der Sozialstruktur sind Kogans Schwerpunkte Bildung, Arbeitsmarkt sowie Berufsübergang in osteuropäischen Ländern. Bevor die Akademikerin nach Israel ging, was unter anderem aus familiären Gründen geschah, hat sie im ukrainischen Kherson Englisch und Pädagogik studiert. Im Rahmen dieses Studiums kam sie auch mit der Soziologie in Berührung, wodurch sich ihre Leidenschaft für dieses Fach entzündete: „Soziologie habe ich schon in meinem Erststudium sehr gern gehabt. Da ich ohnehin weiterstudieren wollte, war die Richtung für mich klar.“

Mehr Empirie statt nur Theorie

Bereits im letzten Sommersemester lehrte die Dozentin, die neben Deutsch und Englisch auch fließend ukrainisch, russisch sowie hebräisch spricht, vertretungsweise in der Domstadt, wo ihr die engagierten Studierenden besonders positiv auffielen. Mit ihnen hat sie Großes vor. So will die ambitionierte Forscherin verstärkt die Theorie mit der – nicht immer ganz so beliebten – Empirie verbinden. Die Studierenden sollen nicht nur lernen, soziologische Sachverhalte zu beschreiben, sondern vielmehr versuchen, diese zu erklären. Gerade, so bemängelt sie, werde dies auch in der deutschen Migrationssoziologie generell zu wenig getan. Der Erfolg ihres Ansatzes zeichne sich bereits ab: „Die Bamberger Studierenden sind bereit, sich darauf einzulassen, was ich schon jetzt anhand der Hausarbeiten und den Ideen für Diplomarbeiten erkennen kann. Das motiviert natürlich ungemein.“

10 Fragen an Irena Kogan

Ihre Interessen/ Hobbys?

Ich interessiere mich sehr für Sport (zum Beispiel Tennis, Ski, Schwimmen), Kino, Reisen

Welche Musikrichtung bevorzugen Sie?

Das hängt ganz von der Stimmung beziehungsweise dem Anlass ab, von klassisch (etwa Rodrigo, Beethoven, Dvorak) bis rockig.

Ihre Lieblingsbücher?

Ich mag besonders psychologische Romane und Familiengeschichten, zum Beispiel Eine Geschichte von Liebe und Finsternis von Oz, oder Middlesex von Eugenides

Was ist für Sie das größte irdische Glück?

Gesund sein, mit lieben Menschen zusammen das tun können, was man möchte.

Wo würden Sie am liebsten leben?

Am Meer!

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Die ohne böse Absicht gemachten

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?

Ghandi

Ihre Lieblingstugend?

Ehrlichkeit

Ihr Hauptcharakterzug?

Fairness

Was verabscheuen Sie am meisten?

Hinterhältigkeit