Mit Bläsern der Reed- und der Brass-Section...

...spielte die Uni-Bigband Bamberg unter der Leitung von Markus Schieferdecker.

Trompete und Bass bei einem Solo.

Zweimal New York

Jazz-Konzert mit Charles-Mingus-Programm

Kurz vor Semesterschluss präsentierte die Uni-Bigband Bamberg im bis auf den letzten Platz gefüllten Irmler-Musiksaal ein vollwertiges Charles-Mingus-Programm: Jazz in seiner reinsten Form.

Ein unnachgiebig fortschreitender Walking Bass zu schnellen Läufen der Trompeten, Posaunen und Saxophone sollte zum Kennzeichen vieler Stücke des Konzerts der Uni-Bigband Bamberg am Sonntag, den 12. Juli, werden. Denn Bandleader Markus Schieferdecker schöpfte bei der Zusammenstellung des Repertoires fast ausschließlich aus dem kompositorischen Schaffen der Jazz-Kontrabassgröße schlechthin, des US-Amerikaners Charles Mingus.

Schon OP, eine Hommage Mingus‘ an sein Vorbild Oscar Pettiford, lieferte einen unmissverständlichen Vorgeschmack auf das folgende Programm: Im besten Sinne des Wortes unkonventionell, mit hohem Improvisationsanteil, einem starken Bass und perkussiver Spielweise in pizzicato-Manier. Zwei Ausflüge in die Welt von Duke Ellington durften es dann aber doch sein, schließlich war es letzterer, der Mingus seinerzeit die Jazzmusik schmackhaft machte. Für Take the A Train trat Sängerin Laura Mann in bewährter Weise ans Mikrofon der Uni-Bigband.

Entgegen der eigentlichen Ankündigung fand das Konzert ohne den Gastsolisten Marcus Bartelt statt. Der Bariton-Saxophonist hatte aus privaten Gründen absagen müssen. So diente Take the A Train kurioserweise als Vorstellung seiner Vertretung. Denn der namensgebende Zug aus Manhattan hält vor der New Yorker Wohnung des Freiburger Musikprofessors Christian Torkewitz, der kurzfristig von Schieferdecker hatte mobilisiert werden können. Er machte auf Sopran- und Tenorsaxophon sowie der Flöte die spontane Umstrukturierung des Programms vergessen.

Tempo und Technik

Zunächst mit Boogie Stop Shuffle, einer dieser rasenden Nummern, die Zunge und Finger immer wieder an den Rand des Stolperns führen wollen. Ein Spagat zwischen technischer Treue und künstlerisch unsauberer Spielweise, den die Band mit Bravour vollführte. Einen ersten Moment der Reflexion bot Self-Portrait in Three Colors, das – entgegen des Titels – die ganze Palette Mingusscher Klangfarben versprühte, mal befremdlich, mal dem Ohr schmeichelnd, immer ein wenig ungewohnt, aber doch schaurig schön. Mingus eben. Nach Jelly Roll, einem gesetzten aber rhythmisch sehr präsenten Werk, bestritten Bariton-Saxophonistin Lena Baudler und Christian Torkewitz am Tenorsaxophon ein gemeinsames Intro zu Moanin. Die stufenweise dazu stoßende Band steigerte sich zusammen mit den Solisten in ein unbändiges Jazzen zum Ende des ersten Sets.

Matthias Amm und sein Bass begrüßten die Zuhörer nach der Pause, um die übrigen Bandmitglieder zu einer gekonnt progressiven Version des Haitian Fight Song anzutreiben. Fables of Faubus, eines der bekanntesten Werke des an diesem Abend so häufig zitierten Komponisten schloss sich unmittelbar an, bevor Schieferdecker die Bühne für Goodbye Pork Pie Hat und ein Flötensolo seines Freundes Christian Torkewitz bereitete. Sanft und gefühlvoll präsentierte sich auch Sängerin Laura Mann, die der Ballade eine Stimme verlieh. Fast schon obligatorisch, zumal im Kontext des Abends, folgte It Don’t Mean a Thing, der zweite Auftritt für Ellington und eine weitere Gelegenheit für Tobias Dolle, den neu hinzugewonnen Solotrompeter, dem Jazzflow freien Lauf zu lassen – mit sichtbarem Erfolg. So wurde der Appell des abschließenden Werkes, gemessen an der Reaktion des Publikums bereits befolgt, bevor er musikalisch ausgesprochen war: Better Get Hit in Your Soul

Hinweis

Diesen Text verfasste Tim Förster für die Pressestelle der Universität Bamberg. Er steht Journalistinnen und Journalisten zur freien Verfügung.

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