Ab in die Community! Aber nicht ohne über die Risiken informiert zu sein (Bild: Photocase)

Das Logo des beliebten StudiVZ-Portals (Bild: studiVZ.net)

Bewegt sich mit schlafwandlerischer Sicherheit im Internet: Jan Schmidt

- Julia Aden

Ab in die Community!

Online-Netze für Studierende: Übersicht und Experteninterview mit Jan Schmidt

Früher ging man als Studierender in die Kommune, heute trifft man sich in virtuellen Communities der neuen Internet-Generation. Wir bieten einen Überblick über die wichtigsten Portale und sprachen mit Jan Schmidt über Chancen und Risiken des Web 2.0.

Das Medium Internet bietet für Studierende zahlreiche kostenlose Plattformen zur Kommunikation und Information. Häufig genutzt werden Kontaktseiten, die vorrangig der Freizeit und dem Spaß dienen. Sie sind oft ähnlich aufgebaut und zu bedienen.

Ein populäres Beispiel ist die Webseite studiVZ.net oder studiverzeichnis.com. Das „größte Studenten-Netzwerk im deutschsprachigen Europa“ erstreckt sich über mehr als 500 Hochschulen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Dänemark, den Niederlanden, Luxemburg, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Seit 15. November umfasst es rund eine Millionen Mitglieder. Doch das StudiVZ steht seit einiger Zeit in der Kritik. Nicht nur, dass „Wartungsarbeiten“ den Zugang häufig verhindern, spiegel-online berichtete im November von dubiosen Nazi-Witzen eines Gründungsmitglieds bis hin zu Stalking-Angriffen auf „geile Schnitten“.

Die Freunde der Freunde der Freunde

Zur Nutzung der Seite ist es zwar nötig, ein eigenes Profil zu erstellen, dabei ist die Ausführlichkeit und der Wahrheitsgehalt der persönlichen Daten aber jedem freigestellt und oft können die Angaben in ihrer Veröffentlichung eingeschränkt werden. Dennoch ist hier Vorsicht geboten! Jeder Nutzer muss sich bei der Anmeldung auf jeglichen Internetseiten über ein gewisses Risiko im Klaren sein (siehe Interview mit Jan Schmidt), dennoch sind die positiven Aspekte von StudiVZ nicht zu leugnen: Zum Beispiel kann jedes Mitglied andere Mitglieder als „Freunde“ hinzufügen und in einer endlosen Reihe auch die Freunde seiner Freunde und deren Freunde und so weiter sehen und kontaktieren. Somit bietet das Netz eine schier unendliche Verknüpfungsmöglichkeit. Durch Initiierung eigener oder Beitreten in bestehende Gruppen können sich die Studierenden zu lokalen Campusthemen organisieren und austauschen. Die Bamberger Studierenden haben bereits rund 260 Gruppen mit „Bamberg“ im Namen gegründet.

Mit seiner stetigen Verbreitung bietet das System die Möglichkeit, alte Freunde wieder zu finden, bestehende Freundschaften zu pflegen und neue zu schließen. Das bestätigt auch der Bamberger Student Carsten Reichert: „Das StudiVZ ist praktisch, da man zum Beispiel vorab Kommilitonen kontaktieren kann, mit denen man gemeinsam ein Referat machen soll. Das ist in den überfüllten Veranstaltungen oft nicht möglich. Witzig ist außerdem, dass ich sogar wieder Kontakt zu Bekannten aus Grundschulzeiten herstellen konnte.“

Genauso wie das Studiverzeichnis funktionieren gotfriends.de und studylounge.de. Etwas anders ist die Seite campusfriends.de. Sie ist zwar auch nur über eine individuelle Anmeldung nutzbar, aber durch die Verwendung von „Nicknames“ anonymer. Zudem ist sie neben der Vernetzung von Studierenden auch offen für Alumni und damit auf Karrierefragen ausgelegt. Ebenfalls eine Kontakt- und Freizeitseite – mit Anmeldung über einen wählbaren Benutzernamen – ist nurstudenten.de. Sie bietet eine eigene Plattform für die jeweiligen Universitätsstädte, wie nurberlin.de oder nurhamburg.de.

Karriereportale

Andere Seiten zielen auf eine bestimmte Fachrichtung oder Arbeitsgruppe und sind nicht ausschließlich an Studierende gerichtet. Die multilinguale Seite xing.com, ehemals openBC.com, ist wirtschaftlich orientiert und ermöglicht Kontakte zu Firmen und Geschäftsleuten. Diese Seite ist entsprechend seriös und erfordert eine Anmeldung und die Erstellung eines Profils mit korrekten Personalangaben. Die Erfolgsstrategie dieser Seite ähnelt der des StudiVZ und liegt in der vielfachen Verknüpfung der Kontakte.
Eine anonyme und weniger etablierte Variante ist study-board.de. Diese Seite ist auf das Wirtschaftsstudium ausgelegt und bietet entweder die sofortige Nutzung eines Forums oder erweiterter Funktionen bei einer Anmeldung. Außerdem finden sich hier zahlreiche Verlinkungen zu anderen Vernetzungs- und Informationsseiten für Studierende.

Die journalistische Schwester von openBC ist openpr.com. Hier kann jeder, der auch nur irgendwie in Journalismus involviert ist, ohne Anmeldung eigene Pressemitteilungen veröffentlichen. Gegen Bezahlung erstellen oder redigieren die Seitenmitarbeiter auch Pressemeldungen. Außerdem bietet die Seite Informationen über Presse- und Werbeagenturen und steht laut eigener Angaben auf Platz 2 der „Top 10 der ‚Most Popular Sites’ im Bereich Pressemitteilungen“. Eine weitere gute Karriere-Plattform ist alma-mater.de, welche Studierenden, Absolventen und Berufseinsteigern Praktika, attraktive Stellenangebote oder Kontakte zu Firmen anbietet. Diese Seite erfordert eine Anmeldung und ist für Bewerber, Arbeitgeber und Hochschulen gleichermaßen nützlich.

Service-Seiten

Die zweite Sparte der Online-Netze für Studierende bilden kommunikative Service-Seiten. Die meisten dieser Seiten fordern keine individuelle Anmeldung und bieten oft anonyme Foren und Chats zur Kommunikation. Zum Beispiel finden sich auf studentenpilot.de oder studis-online.de unzählige Informationen angefangen von allgemeinen Hinweisen zum Studium, über Studieninhalte bis hin zur Organisation, Wohnungsbeschaffung, Finanzierung, Karriere und Freizeit. Ebenso geartet ist die Seite studserv.de, allerdings bietet sie auch die Möglichkeit einer „Community“ beizutreten. Gute Informationen und Beratung zu Fachbereichen, Studiengängen, Hochschulen, Auslandsstudien, Bafög und Ähnlichem bietet studieren.de. Außerdem verfügt diese frei zugängliche Seite über eine eigene spezifische Suchmaschine, einen Stellemarkt und eine wechselnde Kurzpräsentation von zahlreichen Hochschulen in ganz Deutschland. Weniger umfangreich und lediglich mit einem Forum ausgestattet sind allstudents.de und student.de.

Von allen bisher genannten Seiten vereint studentum.de am besten alle Faktoren der reinen Kontakt- oder Service-Seiten. Dort findet man von Informationen rund ums Studium, über kommunikative Vernetzung (mit individueller Anmeldung) bis hin zur Freizeitgestaltung alles, was das Studenten-Herz begehrt. Welche Seite jedem Einzelnen am meisten zusagt, ist wohl wie so oft reine Geschmackssache. Da heißt es nur: surfen und anschauen!

Jan Schmidt über Chancen uns Risiken der Internet-Plattformen

Herr Schmidt, in welchen Portalen sind Sie aktiv? Welche Vorteile bieten diese Netzwerke?

Aus Forschungszwecken bin ich bei einer Reihe von Networking-Plattformen angemeldet, darunter auch studiVZ. Aktiv nutze ich nur openBC/Xing, was sich ja aber an Berufstätige und weniger an Studierende richtet. Die Vorteile sehe ich darin, dass man Informationen zu seiner eigenen Person, von Kontaktdaten über Interessen und Hobbies bis hin zu fachlicher Expertise, präsentieren kann, um darüber hinaus bereits existierende soziale Beziehungen zu pflegen sowie neue Kontakte zu knüpfen.

Was sind die Risiken?

Selbst wenn man über eine solche Plattform nur mit Bekannten oder Freunden kommuniziert, sind die Daten doch potenziell für alle Mitglieder, in manchen Fällen auch internetweit verfügbar. Hier verschwimmen Grenzen zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit; dessen sollte man sich bewusst sein und entsprechend reflektiert mit den eigenen Daten umgehen. Wir befinden uns meines Erachtens gerade in einer Phase, in der zumindest ein Teil der Internetnutzerschaft für diese Vorgänge sensibilisiert wird.

Wird der Web2.0-Boom bald wieder abklingen?

Ja und Nein: Ähnlich wie beim ersten Boom der New Economy gibt es eine ganze Reihe von Angeboten, die sich mittelfristig wirtschaftlich nicht tragen werden; insofern wird der momentane Hype auch wieder abklingen. Aber die zugrunde liegenden Prinzipien, dass potenziell jeder Nutzer seine eigenen (wenn auch begrenzten) Öffentlichkeiten schaffen und so berufliche oder private Beziehungen pflegen kann, werden nicht verschwinden und die zukünftige Entwicklung des Internets prägen.

Zur Person

Dr. Jan Schmidt ist der stellvertretende Leiter der Forschungsstelle für "Neue Kommunikationsmedien" an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.