Nicht nur Studierende mit Kind, auch Auszubildende haben die Möglichkeit, Job und Nachwuchs unter einen Hut zu bekommen

Die Teilzeitauszubildende Simone Käppler arbeitet sechs Stunden täglich – und hat danach mehr Zeit für ihr Kind.

- Diana Diroll

„Ich will meinem Kind etwas bieten können!“

Die erste Teilzeitauszubildende der Uni Bamberg im Porträt

Studieren mit Kind ist an der Universität Bamberg gut möglich. Aber auch für die Auszubil-denden in der Verwaltung werden neue Wege beschritten. Die junge Mutter Simone Käppler wurde als erste Teilzeitauszubildende eingestellt, damit ihr genug Zeit für ihre Tochter bleibt.

Eltern-Service-Büro, Kinderkrippe Krabbelmonster, Wickel- und Stillraum – die Universität Bamberg wird ihrer Auszeichnung als familienfreundliche Universität gerecht. Doch die Hochschule schafft nicht nur familiengerechte Studienbedingungen. Auch in punkto Personalpolitik wird in Bamberg Familienfreundlichkeit groß geschrieben. Bestes Beispiel dafür ist die Teilzeitauszubildende (TAU) Simone Käppler. Die junge Mutter trat im September ihre Teilzeitausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation in der Universität Bamberg an. Diese ungewöhnliche Ausbildungsform ermöglicht es der 20-Jährigen, trotz ihrer zweijährigen Tochter eine Berufsausbildung zu absolvieren. „Dass die Möglichkeit zur Teilzeitausbildung besteht, wusste ich lange selbst nicht“, so Simone Käppler. Erst durch eine Bekannte habe sie im März davon erfahren.

Die Suche nach einer solchen Form des Berufseinstiegs war nicht leicht, da nur wenige Ausbildungsbetriebe eine Teilzeitausbildung anbieten. Auch die Uni Bamberg musste die Einstellung der TAU erst genehmigen lassen, weiß Simone Käppler. Tatkräftige Unterstützung bei der schwierigen Ausbildungssuche leistete ihr vor allem die Angestellte des Beruflichen Fortbildungszentrums der bayerischen Wirtschaft (bfz) Christiane Alter. Diese half der jungen Mutter, Bewerbungen zu schreiben und kontaktierte mögliche Arbeitgeber. Auch die Stelle bei der Uni Bamberg hatte ihr die bfz-Mitarbeiterin vermittelt. Die Ausbildung ergab sich für Simone Käppler sogar schneller als erwartet. „Eigentlich habe ich etwas für Anfang nächsten Jahres gesucht. Doch im August hatte ich ein Vorstellungsgespräch und noch in der gleichen Woche bekam ich die Zusage, dass ich im September anfangen könne.“ Besonders setzte sich Maria Steger vom Eltern-Service-Büro für die Einstellung der TAU ein.

„Von sieben bis ein Uhr bin ich Azubi, danach Mama“

Doch was unterscheidet eine Teilzeitausbildung von einer „normalen“ Ausbildung? Simone Käppler erklärt: „Statt der normalen acht Stunden arbeite ich pro Tag nur sechs Stunden. Da in der Uni Bamberg Gleitzeit möglich ist, kann ich mir aussuchen, wann ich mit der Arbeit anfange. Meistens fange ich sehr früh an, denn ich will soviel Zeit wie möglich mit meiner Tochter verbringen. Bei einer Ganztagsausbildung würde ich mein Kind nicht sehen. Ich muss eben in sechs Stunden lernen, was die anderen in acht Stunden lernen. Trotzdem dauert die Ausbildung auch für mich nur drei Jahre. In der Berufsschule gelten für mich die gleichen Zeiten wie für die anderen Auszubildenden.“

Die junge Mutter freut sich sehr über die Ausbildung an der Universität Bamberg und ist stolz, sich gegen die Einwände ihrer Eltern durchgesetzt zu haben. „Eine Berufsausbildung ist wichtig“, so Simone Käppler. „Ich will meinem Kind etwas bieten können. Ohne Ausbildung ist es schwierig, einen Job zu bekommen. Man hat dann nur Aushilfsjobs.“ Die Doppelbelastung Mutterschaft und Kind stellt für Simone Käppler kein Problem dar. Während der Arbeitszeit versorgt die Mutter der TAU das Kind. „Ich kann im Job gut abschalten, weil ich weiß, dass meine Mutter sich gut um meine Kleine kümmert. Von sieben bis ein Uhr bin ich Azubi, danach Mama. Wenn das Kind im Bett ist, kann ich wieder eine Jugendliche sein.“ Simone Käppler glaubt, dass junge Mütter verantwortungsbewusste Azubis sein können. Durch die eigene Situation sei man gezwungen, reifer zu werden und selbstständiger zu handeln.

Nicht nur die günstigen Arbeitsbedingungen der Teilzeitausbildung an der Uni Bamberg wertet Simone Käppler äußerst positiv. Auch die rege Anteilnahme ihrer Kollegen und das Verständnis für ihre Lage weiß die junge Mutter zu schätzen und ist froh über das gute und persönliche Arbeitsklima. Ende November endet ihre Probezeit und sie blickt der noch verbleibenden Ausbildungszeit motiviert entgegen.